Design wechseln

Start » Interviews » TERRORGRUPPE

TERRORGRUPPE

15.02.2013

…Hallo Ihr da draußen hört mal her, uns gibt´s nicht mehr, uns gibt´s nicht mehr…

Gerade mal um fünf Jahre verspätet kommt das letzte Werk der TERRORGRUPPE.

Eine opulente Werkschau auf DVD, die noch mal das Leben der Band reflektiert.

Neben dem visuellen Abschied wollte ich noch ein letztes Mal mit den Gründungsmitgliedern der TERRORGRUPPE sprechen. Einfach noch mal ein kleines Resümee ziehen und natürlich einige Fragen zu “Sündige Säuglinge hinter Klostermauern - zur Lust verdammt“ beantwortet bekommen. Johnny Bottrop ( Gitarre ) und MC Motherfucker ( Gesang und Gitarre ) aka Archi nahmen sich in gemütlicher Runde bei Tee und Orangensaft viel Zeit für meine Fragen.


Geschrieben von Frank am 16.02.2013, 00:00 Uhr


Teilen:                    

F:         Als Ihr die Terrorgruppe gegründet habt, habt Ihr davor in englischsprachigen Band gespielt (Anm. d Red.: Happy Hour / Hostages of Ayatollah ). Warum habt Ihr euch entschlossen eine deutschsprachige Band zu gründen?

A:        Weil wir vorher in einer englischsprachigen Band gespielt hatten.

J:          Man muss dazu sagen, bei Hostages of Ayatollah war nur die letzte Platte englisch.

F:         Was ist rückblickend das schönste Ereignis der Terrorgruppe gewesen?

J:          Da gibt es echt viele.

A:        Ist schwierig da eins rauszupicken.

J:          Schön war, als wir eine Plattenfirma hatten und genug Geld um unser Album aufzunehmen. Das war ein sehr schöner Moment.

A:        Der allerschönste Moment bei der Geschichte war, dass ich den Vorschuss auf mein Konto bekommen habe und der da zwei Tage drauf lag. Der musste natürlich sofort wieder runter, weil wir das Studio bezahlen mussten und das Schlagzeug für  Hermann von Hinten.

Er hatte nämlich kein gutes Schlagzeug. Zwei Tage war das Geld auf meinem Konto, glaube das waren um die 15.000 DM. Das fand ich ziemlich cool.

J:          Alleine deshalb hast du wahrscheinlich aufgrund der Statistik des Geldeingangs sofort einen höheren Dispo-Kredit bekommen.

A:        Ich hab bis heute keinen Dispo-Kredit. Ich bin freischaffender Künstler. Die geben mir keinen Kredit, aber ich hab damals eine EC-Karte bekommen. So was hatte ich bis dato auch noch nicht.

 

F:         Gab es besondere Konzerte?

A:        Klar! Das erste Bizarre- Festival. Das war für uns das erste große Festival. Da haben wir um 14.00 Uhr gespielt, völlig ungewöhnliche Zeit für uns, aber es war relativ voll. Das Publikum hat mitgemacht. Während des Sets fing Hermann von Hinten in seinem komplett abwesenden Zustand an, mich zu kritisieren. Vor allen Leuten. Das waren so 20.000 Leute die da waren. Er verstand nicht, warum ich einen Song ausgelassen hatte. Da fing der auf der Bühne an mit mir zu diskutieren durch sein Mikrofon. An der Seite der Bühne sind die Leute  unserer Plattenfirma gestanden. Die sind vor Lachen zusammengebrochen, während ich versuchte uns aus der Situation zu retten, was kaum gelungen ist.

J:          Auch sehr schön war die Tour in Brasilien, besonders das Festival in Recife. Schön war auch, als wir mal in Österreich gespielt haben. Da haben wir auf einem Festival auf der Hauptbühne gespielt und erst während des Auftritts gemerkt, wie groß das überhaupt war. Nach unserem Gig wurden wir dann informiert, dass wir gerade vor 45.000 Leute gespielt haben.

A:        Nebenan im Zelt hatte Seeed Soundcheck gemacht. Die mussten im Zelt vor 2.500 Leuten spielen. Headliner an dem Tag war, soweit ich noch weiß, Metallica.

J:          Nee, die waren Headliner am nächsten Tag. Kamen aber am Abend vorher schon an mit einer Unmenge von LKWs.

A:        Als wir auf dem Weg zu dem Festival waren, ist hinter uns die ganze Zeit ein Bus gefahren. Johnny Bottrops Freundin saß irgendwann hinten in der Lounge des Tourbusses. Da konnte man gut hinten rausgucken. Wir blieben dann irgendwann stehen. Der andere Bus auch. Johnny's Freundin blieb hinten sitzen und schaute weiter raus. Die Leute aus dem anderen Bus gingen dann raus und sie  brüllte plötzlich “Der da sieht aus wie´n Kinderficker“ und zeigte auf einen Typen der aus dem anderen Bus ausstieg. Das war dann der Sänger von Blumfeld! Die haben auf dem Festival vor uns gespielt! Ich fand Blumfeld damals total geil. Zum Aufwärmen war ich während ihrem Auftritt  neben der Bühne. Ich hab mir die also angeschaut und mich aufgewärmt. Musikalisch waren die ein Knaller. Klang alles so ein bisschen Richtung alter, englischer Punkrock. Konnte man gut zu singen. Da hab ich mir die Mühe gemacht, den Original Gesang komplett auszublenden und selber für mich ein bisschen drüber zu singen. Fand ich geil, “Da kann man was draus machen“. Das hatte Potenzial.

J:          Beim einem anderen Mal auf dem Bizarre - Festival als wir dort gespielt haben hat meine Freundin eine halbe Stunde vor unserem Auftritt mit mir Schluss gemacht. Das war taktisch kein kluger Moment.

A:        Solche Situationen passieren dir als Musiker öfter.

J:          Richtig toll war auch, als wir in Spanien im “Casa Pepe - Studio“ aufgenommen haben, und jeden Tag der Autovermietung neue Schäden an unserem Mietauto gemeldet haben. Irgendwann konnten die dann nur noch mit traurigen Augen versuchen zu lächeln.

F:         Gibt es das “Casa Pepe“ - Studio von Uwe Hoffmann noch?

J:          Glaube, das gibt es nicht mehr.

A:        Ich glaube der hat das verkleinert und macht das nur noch hobbymäßig. Ich bin der Meinung der hat aufgehört. Der hat keine Lust mehr. Uwe Hoffmann hat ja viel in seinem Leben als Produzent geleistet, da kann er jetzt ruhig mal kürzer treten und was anderes machen.

F:         Wann habt Ihr euch entschieden die DVD zu machen und wieso hat es so lange gedauert?

 

A:        Die DVD war nie als DVD geplant. Eine Dokumentation sollte das Anfangs nicht werden. Bis zum Schluss war es auf der Festplatte als Projekt “Terrorgruppe Video“ angelegt. Zu der Zeit wo wir das geplant hatten, das war Ende der ´90er Jahre, war es gang und gäbe, dass jede Band mal eine visuelle Veröffentlichung hat. Keine Dokumentation. Das waren dann eher so in sich abgeschlossene kleine Dokumentationen über die Band, aber nicht in Form von dem Film der letztendlich daraus entstanden ist. Es war aber dann natürlich klar, dass es nach dem Break der Band eine Dokumentation werden wird. Also ein Film vom Anfang der Band bis zum Ende der Band.

 

F:         Wie kamt Ihr auf den Titel “Sündige Säuglinge hinter Klostermauern - Zur Lust verdammt“?

J:          Die Idee ist eigentlich noch aus den ´80er Jahren, als es die Terrorgruppe noch gar nicht gab. Ich hab damals beim “Tribal Area“ - Videofanzine mitgemacht.

A:        Bei dem Videofanzine gab es eine Rubrik “Leserbriefe“…

J:          …in einem Videofanzine! Die Rubrik hieß aber nicht “Leserbriefe“, sondern “Zuschauerbriefe“. Um diese Rubrik hat sich der Arthur gekümmert. Arthur ist leider verstorben. Arthur war eine absolute Punkrock-Koryphäe. Zwischen Ruhrgebiet und Köln war Arthur immer unterwegs. Er war ein heftiger Trinker. Er hat sich auch oft auf Konzerten geprügelt. Dieser Arthur konnte vom “Tribal Area“ seinerzeit dafür gewonnen werden, die Zuschauerbriefe vorzulesen. In einer Ausgabe hat er dann mal einen Brief vorgelesen, wo jemand schrieb “…da musst du dir demnächst mal “Sündige Säuglinge hinter Klostermauern zur Lust verdammt kaufen“…“ Diesen Titel fanden wir damals schon total gut.

F:         Musstet Ihr viel aus dem Projekt “Video Terrorgruppe“ raus schneiden? Oder ist das alles was Ihr an Dokumenten in Bildform habt?

J:          Alles was wir an Bilddokumenten haben ist ein Riesenberg und liegt in meinem Keller. Das ist eine Riesenkiste nur VHS-Kassetten, eine Kiste mit Mini-DV- und Beta-Kassetten und eine große Kiste nur mit Datenträgern, also mit DVDs und CD-Rs.

A:        Geh mal so von 500 Stunden Material aus.

F:         Seid Ihr mit dem Gesamtergebnis zufrieden?

A:        Ich bin zufrieden. Ich bin sogar sehr zufrieden. Wir haben eine Sache gänzlich raus gelassen, nämlich alle privaten Geschichten. Das haben wir in der Vergangenheit so gemacht und das haben wir bei der DVD auch konsequent weiterverfolgt. Die Erzählweise ist sehr locker und flockig, das gefällt mir.

Ich hatte mich aus dem Projekt raus genommen, schon Anfang der ´00er Jahre, weil ich mich nicht mehr selbst sehen konnte. Ich hab die einfach mal machen lassen. Das Ganze hab ich dann das erste Mal im letzten Jahr gesehen. Ich war beim schauen sehr überrascht, dass alles so frisch rüber kam und nicht so bierselig wie ich es in Erinnerung habe.

J:          Ich hatte auch viel mehr Probleme damit. Ich konnte natürlich auch meine Fresse nicht mehr sehen. Alles von früher, was ich mehrmals durchgesehen gesehen hatte, konnte ich irgendwann einfach nicht mehr sehen. Ich war aber die ganze Zeit mit dem Projekt beschäftigt. Bis September 2012 habe ich mich sehr schwer getan, mit dem Stoff. Ich hab mir immer Fragen gestellt, wie: Ist das alles schlüssig? Wird das der Band gerecht? Ist die Zeit richtig getroffen?

Erst als ich im September zum ersten Mal den Rohschnitt gesehen hab, nicht im Schneidestudio oder wo es mit Arbeit verbunden ist, sondern richtig schön privat bei Slash Vicious (Anm. d. Red.: Basser der Terrorgruppe) auf der Couch. Da haben wir Pizza gegessen, einige Biere getrunken und den Film gesehen. Da hab ich das erste Mal Spaß dran gehabt. Da hab ich gesehen, dass der Film tatsächlich gut werden wird.

F:         Ich finde das Ergebnis auch sehr gut. Klar, fehlen aus meiner Sicht noch ein paar Sachen, wie den Weltrekordversuch von euch, die meisten Gigs in 24 Stunden zu spielen, aber irgendwo muss man einen Schnitt machen.

 

A:        Du kannst nicht alles rein machen. Der Film ist ja eh schon sehr lang.

J:          Die Geschichte mit dem Weltrekordversuch ist ja festgehalten auf den Bonustracks der Erstauflage der “Nonstop Aggropop 1977 - 1997“. Deswegen ist es nicht so schlimm, dass das nicht mit bei ist auf der DVD.

F:         Ich kann mich noch erinnern, dass eure Vinyl-Single “Allein gegen Alle“ verspätet erschien, weil der Zoll die zurückgehalten hat. Wie war das damals?

J:          Auf der Single wurde Terrorgruppe mit drei “P“ geschrieben. Das ist aber das einzige was mir noch dazu einfällt.

A:        Ich weiß, was da passiert war. Die wurde zusammen mit einer Pressung einer fast rechtsradikalen Band oder einer offensichtlichen Naziband ausgeliefert. Die beiden Scheiben befanden sich auf demselben LKW und deswegen wurde die zurückgehalten. Das war dann ein Problem für uns. Soweit ich weiß, haben die irgendwie unsere Scheiben vom Zoll wieder rausbekommen oder….vielleicht wurde die Scheibe auch neu gepresst. Ich weiß es nicht mehr so genau. Es lag aber nicht an unserem Tonträger.

J:          Doch, es gab da noch was. Das Artwork der Abdeckung unserer Bassdrum mit dem abgeschnittenen Penis. Das hatten wir ja auch als Aufdruck auf der “1 World 0 Future“. Da hatte sich ein Presswerk geweigert, die Platte zu pressen.

Es gab auch noch eine andere Geschichte, wo sich ein Presswerk geweigert hat was von uns zu pressen, aber das bekomme ich nicht mehr zusammen.

A:        Du musst dir vorstellen, dass in Presswerken eher Handwerker arbeiten und die kann man mit so was noch schocken. Die bekommen manchmal Sachen zur Herstellung, damit können die nicht leben und verweigern sich dann. Manche haben auch Angst, wenn eine Platte dann indiziert wird, dass das dann auf das Presswerk zurückfällt. 


F:         Auf der CD von den Sündigen Säuglingen finde ich bei Songs wie “Methanol“ sehr interessant, dass auf der Demoversion ein deutscher Text und bei der Veröffentlichung des Songs ein spanischer Text drauf war. Warum nimmt man erst einen deutschen Text auf und entscheidet dann später, einen spanischen Text auf den Song zu packen?

A:        Wir haben immer so gearbeitet, dass wir erst Demos gemacht haben. Das war die Vorproduktion. Die haben wir dann dem Produzenten gegeben und uns parallel selber weiter mit den Songs beschäftigt. Da kommst du dann manchmal auf den Trichter, dass manche Songs so wie sie als Demo aufgenommen worden sind, noch nicht richtig gut sind.

Damals bei der“1 World 0 Future“ war es ja so, dass wir mit Epitaph eine europäische Plattenfirma hatten. Der Vertrieb war europaweit. Da haben wir uns dann entschieden eine europäische Platte zu machen, also in mehreren Sprachen Songs aufzunehmen. Da passte es gut ins Konzept, dass da englische Songs, ein spanischer Song und eine französische Strophe drauf war. Diesem Konzept fiel dann “Methanol“ zum Opfer, wobei der Text war auch nicht so pfiffig.

J:          Damals fanden wir den Text nicht wirklich gut.

A:        Wenn wir den Text in Finnland raus gebracht hätten, hätten wir vielleicht einen Hit gelandet, weil wir eine breitere Masse erreicht hätten.

J:          Oder in der Ukraine. Oder Indien. In Indien wäre der Song bestimmt gut angekommen.

A:        Es gab meist inhaltliche Gründe, weswegen wir Texte geändert haben. Manchmal auch, weil manche Texte dramaturgisch nicht mit der Musik zusammenpassten. Bei “Marylin“ haben wir viel rumprobiert, da war auch mal der Text von “Fischertechnik“ dabei. 

“Allein gegen Alle“ hatte am Anfang auch eine andere Musik. Der Demo-Song ist ja auch auf der CD mit drauf.

F:         Wobei ich die Version von “Allein gegen Alle“ relativ cool finde. Die Version passt zwar nicht zu TERRORGRUPPE, aber der Text hat mir ruhiger Musik eine ganz andere Wirkung.

A:        Ich finde, dass unsere Entscheidungen alle richtig waren, die Songs so zu verändern, wie sie jetzt auf unseren Veröffentlichungen sind. Auch “Allein gegen Alle“ gefällt mir jetzt schon besser, als damals. Der Song passt, so wie er auf der “1 World 0 Future“ ist. 

F:         Gibt es Songs die ihr komplett rausgeworfen habt und denen Ihr jetzt nachtrauert, weil sie im nach hinein doch gut waren?

J:          Auf der CD der “Sündigen Säuglinge hinter Klostermauern…zur Lust verdammt“ sind alle Songs drauf, die wir so nicht genommen haben.

A:        Beim Songwriting im Proberaum gab es öfter Versuche, wo wir Teile eines Songs oder einen Song fast fertig hatten und den dann doch nicht genommen haben.

J:          Von den aufgenommenen Songs sind alle auf der “Nachtisch“ - CD.

A:        Die Demos sind wirklich alle auf der CD verwertet. Da gibt es nichts mehr, außer einem Song. Einen Song gibt es noch!

J:          Welchen?

A:        Na….

J:          “General Schwachkopfs neue Weltordnung“, da gibt es keine Aufnahmen von.

Der Song war fester Bestandteil der Setliste der ersten Konzerte der TERRORGRUPPE.

F:         Wie war es, als die DVD + CD veröffentlicht wurde? War das für euch ein Schlussstrich unter die Band? Oder war der Moment schon vorher erreicht?

A:        Wir hatten das Projekt ja immer im Hinterkopf und als es dann endlich veröffentlicht war, waren Johnny Bottrop und ich froh, dass es endlich raus ist. Das ist schon noch mal ein Schlussstrich für uns.

F:         Wie war das, als Ihr euch zu den Aufnahmen zu “Das letzte Lied“ getroffen habt?

J:          Wir haben uns nie getroffen.

A:        Ich hab den Song komplett alleine gemacht. Ich hab Johnny Bottrop ein Rohdemo geschickt. Er hat dann noch ein paar Zeilen verändert, glaube ich.

J:          Ich hab noch ein paar Ideen in den Text eingebracht, wobei die nicht fertig ausphrasiert waren. Das waren also noch keine richtigen Reime.

A:        Stimmt, mir hatte Text im Mittelteil gefehlt. Als ich die Ideen dann hatte, hab ich den Text noch mal umgeschrieben. Aufgenommen hab ich alles alleine. Der Schlagzeugpart stammt in Teilen von einer Produktion die ich mal gemacht hab, für Bitume.

F:         Pass auf das du dafür keine Gema zahlen musst.

A:        Ich bin mit Bitume in gutem Kontakt.

F:         Was sind eure fünf Lieblingssongs der TERRORGRUPPE?

J:          Machen wir es von hinten nach vorne.

Von der “Fundamental“ ist es “Marylin“.

Von der “Blechdose“ ganz klar “Ernst August“.

Von der “1 World 0 Future“ ist es “1 World 0 Future“ und “Das war ihr Leben“.

Von der “Keiner hilf euch“ ganz klar “Surf Kreuzberg“.

Von der “Nonstop Aggropop“ ganz einfach “Wir müssen raus“.

Von der “Melodien für Milliarden“ ist es“Opa“.

Bei der “Musik für Arschlöcher“ ist es schwer. Eigentlich sind auf allen Alben der TERRORGRUPPE viele gute Songs. Bei der “Musik für Arschlöcher“ kann ich mich nicht entscheiden.

A:        Das ist für mich total schwierig da einzelne Songs rauszupicken. Das wechselt auch ständig. 

F:         Als aktiver Musiker hast du dich ja komplett zurückgezogen. Was war der Anlass?

A:        Der Anlass war, dass mir irgendwann der komplette Antrieb gefehlt hat. Man muss ja auch verstehen wie so eine Band funktioniert. Das ist echt viel Arbeit. Dass ich mich da wieder hinbegebe, glaube ich nicht mehr. Und nebenbei Musik machen, das will ich nicht.

Zusätzlich hab ich den Drang verloren mich auf der Bühne selbst darstellen zu wollen.

F:         Mit Musik hast du aber noch zu tun, oder?

A:        Ich bin hinter den Kulissen aktiv und ich produziere ja auch. Ich mach schon sehr viel mit Musik. Im Jahr beschäftige ich mich mit ca. 30 - 50 Songs. Meist für andere und manchmal auch nur zum Teil, aber ich bin dran beteiligt.

Allerdings bin ich gerade aus meinem Studio raus gentrifiziert worden. Hatte das Studio mit zwei weiteren Leuten. Das war sehr geschickt gelegen, nur zwei Häuser weit von meiner Wohnung entfernt. Deswegen bin ich gerade ein bisschen am überlegen wie es weitergeht. Vieles kann ich von zu Hause auch machen, z.B. Mischen.

F:         Johnny, du spielst ja bei The Bottrops. Machst du noch andere Sachen?

J:          Jetzt gerade mach ich ein Projekt mit einem Dichter. Das ist ganz cool. Der hat eine ganze andere Art mit Sprache, Wörtern und Phrasierungen umzugehen. Das ist aber jetzt nicht riesengroß angesetzt. Wir treffen uns ab und an zu Hause. Machen dann was mit Gitarre und Gesang. Manchmal auch richtig laut im Übungsraum.

F:         Singst du auch, oder begleitest du ihn nur auf der Gitarre?

J:          Ich lasse ihn erstmal alleine singen. Wir werden später entscheiden ob ich ihn alleine oder mit jemand anderen begleite. Das Problem ist, ich kann ja gar nicht richtig singen, aber schreien kann ich ganz gut. Es macht gerade Riesenspaß. Es wird sicher auch mal live zur Aufführung kommen, aber ob es dann eine feste Besetzung geben wird oder gar eine feste Band ist noch nicht klar. Wir wollen auch aufnehmen.

Stell dir das Ganze am besten mit einem hohen Trashfaktor vor. The Bottrops sind dagegen High Fidelity.

F:         Verfolgt Ihr das Treiben der deutschsprachigen Punkbands? Gibt es aktuelle Bands die Ihr gut findet?

J:          Von einer deutschsprachigen Band die wirklich sehr großen Erfolg hat, aus meiner Sicht auch völlig zu Recht, bin ich ganz angetan. Das ist Kraftklub. Die sind jung und frisch und unverbraucht. Die kommen aus der Provinz und sagen der großen Stadt “Fuck You“. Die finde ich cool.

A:        Kraftklub find ich auch gut. Ansonsten haut mich momentan sehr wenig um.

F:         Sind die Bands bzw. ist die Szene aus eurer Sicht stehen geblieben?

A:        Nicht stehen geblieben, aber es entwickelt sich alles eher so in Richtung ´90er. Das ist das falsche. Das degeneriert sich momentan alles immer weiter.

F:         Als abschließende Frage, habt Ihr in der Ära TERRORGRUPPE irgendwas bereut? Würdet Ihr alles noch mal genauso wieder machen?

J:          Na ja, wir haben uns fast jeden Tag zum Horst gemacht. Das war unser Job!

A:        Das war Teil des Konzepts!

Aus jetziger Sicht würde ich sagen, dass ich manches doch lieber ein bisschen überlegter gemacht hätte. Ich weiß allerdings leider nicht, ob das dann wirklich besser gewesen wäre. Es wäre sicherlich besser für unser aller Gesundheit gewesen.

F:         Also das Kondom doch lieber nicht durch die Nase ziehen.

J:          Das war ja  harmlos.

A:        Davon geht niemand kaputt. Das war für mich sogar eine Hilfe. Ich leide ja unter Allergien und Heuschnupfen. Diese samentötende Gleitbeschichtung die auf den Kondomen ist, hat meine Schleimhäute so out of Control gemacht, dass meine Nase danach immer komplett frei war. Solche Sachen bereue ich gar nicht. Auch das Ausziehen bereue ich nicht. Das sind natürlich Sachen wo die Leute denken “Das war dem bestimmt ganz schön peinlich“. Es sind eher die Sachen drum herum.

Ich meine, wir waren nicht nur auf der Bühne so, sondern auch leider schon ab Morgens um 10.00 Uhr, bis Nachts um 04.00 Uhr. Das war  sehr anstrengend und hat auch sehr viel Energie gekostet.

Wenn ich so zurückblicke auf die Jahre in denen wir so um die 100 Gigs gespielt haben, da war schon rund ein Drittel der Gigs aufgrund unseres Lebensstils nicht richtig gut. 

Ich bin ja immer auf die Bühne gegangen und war auf 370. Da kommt schon mal der ein oder andere dumme Spruch raus, der zwar provokativ und ironisch gemeint ist, aber überhaupt nicht mehr so ankommt. Besonders wenn man etwas betrunken ist.

Ich kann mich noch an ein Konzert in Ulm erinnern, wo ich so betrunken war, dass ich schon vor der Show zum Mischer gegangen bin und gesagt habe “Ich kann heute nicht mehr richtig spielen. Du, mach mal immer, wenn ich “Ulm“ sage, so ein ganz langes Delay rein“. Das ging dann so weit, dass mich Leute aus dem Publikum verprügeln wollten.

J:          Auf dem Konzert ist eine großartige Tradition geboren, die heute, wenn The Bottrops in Ulm spielen, fortgeführt wird. Immer wenn wir dort spielen, grüßen wir als erstes das Wohngebiet Eselsberg. Da steht nämlich der Club. Danach erzählen wir, dass wir nachmittags im deutschen Brotmuseum waren um das zu besichtigen.

A:        Es gab auch mal das Teppichhaus Eierstock. Das es aber seit Jahren nicht mehr gibt.

F:         Wo Ihr eines eurer Geheimkonzerte gegeben habt.

A:        Ich muss sagen, dass diese Tradition nicht nur The Bottrops weiterführen, K.I.Z. haben das auch gemacht.

J:          Ganz zum Schluss von unseren Gigs betrauern wir das Ende des Teppichhauses Eierstock. Das es das nicht mehr in Ulm gibt, ist echt schade.

Diese Tradition entstand komplett bei dem von Archi angesprochenen Konzert mit dem psychedelischen “Uuulm“.

F:         Was wahrscheinlich für die Anwesenden im Nachhinein total sehenswert war.

A:        Da waren echt drei, vier Leute die damit gar nicht klar kamen. Einen davon kannte ich noch aus Günzburg aus Zeiten mit Inferno. Das war ein Altpunk. Der war so stocksauer, der hat mir echt Prügel angedroht.

J:          Ein anderer, der auch heute noch Veranstaltungen durchführt, kam nach dem Gig zu mir und hat mir die Hand geschüttelt. Der fand das ziemlich Punkrock-mässig o.k.

A:        Genau das ist der Punkt, um auf deine Frage zurück zu kommen. Das sind so Sachen wo ich sage: “Ja, man hätte es genauso machen können, aber mit mehr Kontrolle.“.

Bleibt mir nur noch zu sagen. Kauft die DVD + CD und erzählt euren Kindern und Kindeskindern von der TERRORGRUPPE! Eine Band die den deutschsprachigen Punkrock über Jahre geprägt hat und die unvergessen bleiben wird, in der deutschen Punkgeschichte!

Die Review von “Sündige Säuglinge hinter Klostermauern - zur Lust verdammt“ ist bei ramtatta.de unter dem folgenden Link zu lesen:

 

 www.ramtatta.de/reviews,id-1442,go-terrorgruppe+suendige+saeuglinge+hinter+klostermauernzur+lust+verdammt.html

 

 

Kommentieren



Weitere interessante Interviews

Schängeläng

Mini vom Kamikaze-Radio spricht in seiner Sendung Mini`s DeutschPunk-Revolte mit Kai (Vol), Ralf (Bass) und Flo (Drums) von Schängeläng aus Frechen

Weiterlesen

Monobo Son

LynGPoS der Grand Pa of Ska vom Kamikaze-Radio sprach in seiner Sendung "Ska Reggae Polka bis das die Heide wackelt!" mit Manuel Winbeck (Posaune, voc) von der Band Monobo Son aus...

Weiterlesen

Partout

Mini vom Kamikaze-Radio spricht in seiner Sendung Mini`s DeutschPunk-Revolte mit Daniel (Git/Vol), André (Bass) und Martin (Drums/Vol) von Partout aus Chemnitz

Weiterlesen

MORGENDOWN

Mini vom Kamikaze-Radio spricht in seiner Sendung Mini`s DeutschPunk-Revolte mit Future (Vol/Git) und Jumbo (Bass) von MORGENDOWN aus Duisburg

Weiterlesen

Visbek Rockt Open Air

Mini vom Kamikaze-Radio spricht in seiner Sendung Mini`s DeutschPunk-Revolte mit Jonas und Florian (Orga) vom Visbek Rockt Open Air

Weiterlesen

Stinkebreit

Mini vom Kamikaze-Radio spricht in seiner Sendung Mini`s DeutschPunk-Revolte mit Rudi Ralala (Vol/Git) von Stinkebreit aus Nordenham

Weiterlesen