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TOXPACK - Daniel "Schulle" Schulz

10.10.2014

Weitere Informationen:
http://www.toxpack.de/
https://www.facebook.com/toxpack


TOXPACK aus Berlin haben im September ihr neues Album "Friss!"veröffentlicht. Donald und ich hatten die Gelegenheit die Jungs auf ihrer Tour zur neuen Scheibe, beim Gig im Backstage München kennen zu lernen. Wir wechselten mit Sänger Schulle ein paar lockere Worte zum neuen Album, in der angenehm, fast familiär wirkenden Atmosphäre im Toxpack-Tourbus. Auch die Crewmitglieder sind langjährige Wegbegleiter von Toxpack, und Schulle erzählte uns unmissverständlich, dass ihm nicht nur der Bezug zur Szene in menschlicher Hinsicht sehr wichtig ist (auch Toxpack Supportbands kommen immer aus dem Underground), sondern auch, dass seine musikalischen Roots für immer im Punk und Hardcore verwurzelt sind. Trotz musikalischer Weiterentwicklung und kurzer Chartpositionierung, die Jungs machen sich da nix draus und wollen auch nicht "mainstreamtauglich" sein. Schulle und seine Jungs machen die Musik in erster Linie für sich. Doch ein gewisser Erfolg ist ihnen in jedem Falle zu vergönnen, vor allem wenn man sich in Tagen eines extremen, europaweiten Rechtsruckes als Band auch klar dagegen positioniert. TOXPACK tun dies im Song "Nichts hören, sehen, sagen" mit Gastsänger Stephan Weidner. Und es tut gut, wenn diese Message von vielen Menschen gehört und im besten Falle sogar verstanden wird. Die Berliner Streetcoregranaten bleiben aber trotzdem bodenständig und haben das Herz am richtigen Fleck. Aber lest selbst!

Das Review zum Album "Friss!" findet ihr hier:
http://www.ramtatta.de/s/reviews/f/details/id/6998/



Geschrieben von DrunkenDork am 28.10.2014, 22:26 Uhr


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Schulle: Du weißt ja selber wie das is, wenn ich ma 'n bisschen quatsch dann schreibst du was Schönes dazu?

Lizal (Ramtatta): Genau ich lass mir dann ein schönes Märchen über Toxpack einfallen...
Donald (Ramtatta): Übrigens Aufnahme läuft ;-)

Lizal (Ramtatta): Auch gleich eine Frage zum Cover, welches Emanuel "Roxy" entworfen hat: Richtig geiles Artwork, welches wohl mehr als den Zeitgeist unserer Tage getroffen hat. Wie seid ihr auf die Idee und den Titel "Friss!" gekommen?
Schulle: Ja, wie war das eigentlich? Also der Tommi kam da an mit 'nem Text gegen diese ganze Konsumgeilheit und alles was so angeboten wird und einem so aufgetragen wird. Ja und der Text war da und dann gab's dann auch noch nen guten Künstler, mit dem wir schon seit 2 Jahren zusammen arbeiten. Eben dieser besagte Emanuel. Der hat auch schon so einige coole T-Shirt-Designs für uns gemacht. Aber der hatte dann auch nur 1 1/2 Wochen Zeit oder nicht mal `ne Woche und hat dann so `n paar Ideen von uns bekommen, die wir im Kopf hatten. Die hatte er dann auch gut umgesetzt. Er musste auch ein paar Nachtschichten einlegen. Dafür Entschuldigung Emanuel! Aber er hat da echt `nen tollen Job gemacht und das auch gut vermittelt mit diesen ganzen Kleinigkeiten, die da so zu sehen sind. Das ist ja alles sehr gut zu erkennen. Und da war `ma dann auch sehr zufrieden. Und als das Cover dann da war hat es uns alles nochmal bestätigt. Das passt schon!

Lizal (Ramtatta:) In Bezug auf die Texte ist mir auch aufgefallen, dass ihr euch viel mit aktuellem Zeitgeschehen beschäftigt und viel gesellschaftskritische Message darin verpackt. Z. B. auch in Bezug auf den Abhörskandal im Song "Transatlantik Rendezvous" oder im Song "Nichts hören, sehen, sagen". Gerade wenn man sich mit den aktuellen Wahlergebnissen z. B. in Bezug auf die Alternative für Deutschland beschäftigt, denke ich habt ihr genug Input für neue Songtextideen. Gibt es auch eigene Erlebnisse die euch bewegen?
Schulle: Da gab es vor einem Jahr einen ganz gravierenden Vorfall in Berlin Marzahn-Hellersdorf vor einem Asylbewerberheim, als die Flüchtlinge gerade angekommen sind und dort einziehen wollten. Sie wurden dort sofort von Nazis und Rassisten belagert, beschimpft, und es glich wirklich fast den damaligen Vorkommnissen vor 22 Jahren in Rostock-Lichtenhagen. Und Tommi wohnt da, mitten in dem Brennpunkt. Er hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, und sich gefragt was denn hier los ist? Dann hat er angefangen diesen Text zu schreiben, wo es darum geht dieses Verhalten zu Tage zu bringen: „Ist schon ok, ich stell mich da hin und guck zu, stell mich aber nicht dazwischen, denn mir könnte ja was passieren“. Auf die fehlende Zivilcourage und den fehlenden Mut hinzuweisen, nicht immer nur wegsehen oder den Mund zu halten, das war die Grundidee des Textes. Wir wollten dann eigentlich eine Scheibe ohne Gastsänger einspielen. Aber der Text war so bezeichnend, dass Tommi den Vorschlag machte ob wir nicht Stephan Weidner fragen wollen, bei dem Stück mitzusingen. Wir sind ja durch die zwei gemeinsamen Touren mit ihm inzwischen sehr gut befreundet und wenn eine Person Leuten erklären kann, dass was scheiße läuft, dann ist es er. Du kennst ja selber aus den Achtzigern die ganze Diskussion und gerade er hat ja viel Aufklärungsarbeit geleistet und sich für viele Projekte eingesetzt. Michael Mainx unser Produzent meinte auch, klar lass uns ihn fragen. Es gab darauf nen Mailverkehr zwischen Tommi und Stephan und das Endergebnis kennst Du ja. Wir wissen, wir haben ein sehr strenges Video dazu produziert, welches polarisiert und sicher nicht jedem gefällt. Aber wir haben dafür auch sehr viel Zuspruch bekommen, gerade aus dem linken/alternativen Bereich, die einfach gesagt haben, ey Jungs ihr habt echt mal `ne coole Message rausgehauen. Leider gibt es da draußen allerdings auch Leute, die den Text falsch interpretieren oder ihn erst gar nicht verstehen. Oder ihn nicht verstehen wollen, was ziemlich traurig ist.

Lizal (Ramtatta): Man merkt auf alle Fälle, dass euch der ganze Song sehr ernst und wichtig ist und ihr auch wisst wovon ihr redet...
Schulle: Ja wir hätten es auch einfacher haben können und nur nen "Antifascho-Song" raushauen können. Aber es war uns wichtig, dieses unheimliche Geschehen dort auch im Video zu verarbeiten. Wir haben unter anderem ja dort auch Szenen in Hellersdorf gedreht. Meine Mutter rief mich auch ein paar Tage nach der Veröffentlichung des Videos an und hat sich total erschrocken. Sie meinte, es wäre für ihren Geschmack ein zu strenges Video, wir schauen alle sehr wütend und fast schon bedrohlich aus. Nachdem ich ihr alles in Ruhe erklärte, warum es so geworden ist, hat sie es auch verstanden. Nur wenn du dein Gesicht und Courage zeigst, und den Leuten sagst, so funktioniert das nicht, dann kommt es an. Weil die Leute endlich kapieren müssen, dass das alles kein Spaß mehr ist. Das Problem gibt es ja auch nicht nur in Marzahn-Hellersdorf, sondern überall. Wenn alle oder viele Bürger das genauso sehen, und das ganze eine Kettenreaktion auslöst, dann funktioniert es. Wenn es natürlich keiner macht, dann wird sich nichts ändern und nichts passieren.

Lizal (Ramtatta): Ihr habt euch ja nun auf dem Album "Friss!" auch soundtechnisch wieder weiter entwickelt und neue Stile und Soundelemente in die Songs eingebaut. Was war so den einzelnen Bandmitgliedern von euch in puncto Weiterentwicklung wichtig?
Schulle: Grundlegend hatten wir ja schon einige Vorstellungen vom Album und es gab ja auch eine Vorproduktion. Da hatten wir im Kopf uns schon vorgestellt, wie wir mit Michael Mainx zusammen arbeiten werden. Ich kenne ja die Ergebnisse von ihm, die er schon so produziert hatte. Wir sind mit dem 90% fertigen Album zu ihm hin und er hat dann die 110% daraus gemacht. Wir haben `ne Menge Gespräche mit ihm geführt und er hat uns `ne Menge erklärt was er alles machen kann und wie weit wir gehen können. Wir wollten immer noch diesen punkigen Sound haben und den Weg haben wir auch nicht verlassen. In vielen Punkten sind wir dann noch weiter gegangen, angefangen jetzt mal mit meinem Gesang, da bin ich echt durch eine harte Schule gegangen. Es war nicht so einfach, wie ich gedacht habe. Wir hätten zwar einfach drauf los können, aber es war jetzt im Nachhinein, dadurch dass man mir die Chance gegeben hat mal was zu probieren, ne tolle Erfahrung. Wir hatten auch vor 2, 3 Songs "clean" zu singen und die Erfahrung hatte ich vorher noch gar nicht. Denn da muss halt alles stimmen und du kannst nur minimal danebenliegen, dann funktioniert es nicht. Michael Mainx ist einer, der arbeitet nicht "Schummerig", er forderte mich und da wurde ich noch mal intensiv geschult dass das einfach so sitzen muss! Er hat uns ermutigt, was zu probieren und noch viel raus gekitzelt. Da sind die Songs einfach noch besser geworden. Dann kommt natürlich noch der Sound dazu, der sehr breit ist und nicht mehr so spitz und kantig, wie unsere anderen Produktionen. Das war halt für uns jetzt ein weiterer Schritt, den wir auch annehmen wollten.

Lizal (Ramtatta): Ja und man will ja auch nicht das selbe Album nochmal machen...
Schulle: Ja genau. Und für viele die Toxpack über die Jahre kennen, die kennen halt nur unseren ruppigen, punkigen Sound. Da gab es auch viele Stimmen, die jetzt gesagt haben. Oh Gott, das geht gar nicht, ich hör sie mir jetzt noch 2, 3 mal an, aber dann wieder sagen wie geil ist das denn. Es war halt anfangs ungewohnt für viele Leute. Dann gabs auch `ne Menge Leute die gesagt haben, jetzt gefallen sie mir besser als früher. Is halt geteilte Meinung, man is im Gespräch und solange man im Gespräch is, isses ja auch ganz gut. Wir haben `ne Menge neues Publikum dazu bekommen. Jetzt kommen auch schon die ersten Kommentare von „alten“ Fans rein, dass gerade live die Songs richtig reinhauen, sie positiv überrascht sind.

Donald (Ramtatta): Und dieses neue Publikum, ist das für euch akzeptabel?
Schulle: Ja, es gefällt uns. Wir kommen ja aus der Punkecke und die alten Leute sind ja immer noch da, aber wir haben jetzt auch "rockigeres" Publikum mit dabei und die vermischen sich jetzt auch, besonders mehr Mädel sind derzeit am Start ist uns aufgefallen, Haha! Wir sind ja nicht diese Band, die nur vor 500 Skinheads gerne spielt. Wir `ham Cock Sparrer supportet vor 1600 Skins und Hools, und ein Teil hat uns angeguckt, als ob wir völlig deplatziert sind. Nach der dritten deutlichen Ansage, verdammt was läuft hier falsch!? Kam dann auch endlich Bewegung rein.

Lizal (Ramtatta): Sind manche Zuhörer vielleicht einfach zu starr auf eine Schiene fixiert? Ich denke, es macht euch als Band doch auch irgendwie stolz, mit eurer Musik nicht nur eine Nische zu bedienen? Gerade wenn einer sagt, ey ihr wart früher nicht mein Ding, aber eure Texte, eure Message, die ihr zu sagen habt, die spricht mich an?
Schulle: Ja so seh ich das auch, darum ist ja jetzt diese "Evolution" da. Es kann auch sein dass die nächste Platte wieder `n bisschen härter wird, aber das is reine Gefühlssache. Und ich hab auch immer gesagt, grundsätzlich spielt `ne Band die Platte immer so ein, wie sie denkt. Du machst nicht ne Plattenproduktion, für das was gerade jung und modern ist. Es gibt vielleicht Bands, die machen das, aber es muss in erster Linie uns gefallen. Und wenn dennoch welche kommen und dir zur gelungenen Platte gratulieren, ist es doch für einen selbst eine schöne Bestätigung.

Lizal (Ramtatta): In welchem Zeitrahmen ist "Friss" entstanden?
Schulle: Das hat sich `n bisschen hingezogen. Die Vorproduktion hatten wir Ende Dezember 2013 Großteils abgeschlossen und in der ersten Januar Woche 2014 ging es schon ins Studio. Wir hatten in den ersten 14 Tagen komplett Schlagzeug, Bass und einen Teil der Gitarren im Kasten, haben dann aber festgestellt das die ganze Sache doch etwas länger dauert als ursprünglich geplant. Wir sind dann bis Ende Juni immer mal für ein paar Tage zwischen Berlin Proberaum und Frankfurt Tonstudio gependelt bis wir die Aufnahmen und den Mix im Juli komplett abschließen konnten. Denn da war ja noch die eine bekannte Band aus Frankfurt ebenfalls zwischendurch am Proben im Studio, für ihre Hockenheim-Reunion Shows. Aber die Pausen zwischen den Aufnahmen waren auch sehr positiv für uns, denn in der Zeit konnte Tommi sich nochmal richtige Gedanken über die Texte machen, sowie über einige Soligeschichte. Und ich konnte mich auf meine späteren Gesangsparts vorbereiten. Es hat sich zwar alles um 6 bis 8 Wochen mit dem Release verzögert, aber das war letztendlich auch gut für die Platte. Wir konnten das alles nochmal richtig Revue passieren lassen. Michael Mainx hat mir dann diesen schweren Amboss auf die Brust gelegt und mir immer wieder gesagt, das Aushängeschild ist der Gesang. Es ist sehr wichtig, dass das Fundament steht, dass das alles knallt.

Lizal (Ramtatta): Seid ihr eigentlich alle am Songwriting beteiligt oder gibt es einen bei euch, der in der Beziehung der Chef ist?
Schulle: Tommi macht es ja grundsätzlich so: Er kommt mit seinen Ideen an, schreibt die Riffs bzw. Songs und hat immer schon so `ne Grundidee dabei wie es später mal klingen könnte. Und aus dieser Grundidee feilen wir dann alle ein ganzes Ding. Ich selbst hab die letzten Toxpack-Texte vor ca. 7, 8 Jahren geschrieben, was nicht mehr nötig war denn Tommi macht das so gut. Wir diskutieren zwar schon immer alles aus, aber 80 bis 90% stammt dann aus Tommis Feder. Solange etwas so gut funktioniert, sollte man die Sache dann auch nicht wechseln!

Donald (Ramtatta): Wie kamst du dann zum Singen? Weil gewohnheitsmäßig sind ja meistens auch die Sänger die Texter?
Schulle: Ich hab damals schon Texte geschrieben, auch nicht alle, aber einige. Und bei mir wars so, ich hatte dann immer schon eine Gesangslinie im Kopf. Und der Tommi der hat meist immer schon ein Riff im Kopf, wo er sich vorstellen könnte, auf dieser Line könnte ich singen. Und wenn er dann ein passendes Thema hat, dann reichert er dieses an.

Donald (Ramtatta): Heißt das, du singst Tommi Lieder vor und er macht dann die Riffs dazu?
Schulle: Ne, Tommi kommt mit `nem Riff und `ner Gesangsmelodie, die gibt er mir dann vor und lässt es mich einfach mal anhören, ob ich damit klar komme. Dann schleif ich mir das solange ein, bis es bei mir so richtig drauf ist und vielleicht wird dann hier und da noch was abgeändert. Also er legt mir nicht die Texte hin und sagt, ey hier da haste `nen Riff, sondern er hat dann selbst schon ein wenig die Gesangsmelodie im Kopf, von der er meint, dass ich das mal probieren soll. In 95 % der Fälle funktioniert das auch sehr gut.

Lizal (Ramtatta): Heißt also, ihr seid ein sehr gut eingespieltes Team? Bis auf den Bassisten, hattet ihr wenige Besetzungswechsel?
Schulle: Genau. Der Martin ist jetzt auch schon wieder auf der "Friss!"-Tour dabei, der ist jetzt unser Tec. Er kümmert sich um Gitarren, Technik und Co. Martin ist damals aus anderen Gründen ausgestiegen, da er etwas überfordert war mit Arbeit und aus gesundheitlichen Gründen. Dann ist Stephan dazu gekommen und der ist jetzt auch schon wieder 2 Jahre am Start. Den kennen wir auch schon seit Toxpack-Anfangstagen, ist alles eine Familie bei uns!

Donald (Ramtatta): Darf ich dich kurz um Feuer stören?
Lizal (Ramtatta): Ja, Prost erstmal! Du trinkst auch mit? Nee du musst noch singen....
Schulle: ja eben....(*erstmal kein Whiskey, nur Bier ;-)

Lizal (Ramtatta): Nur nich die Stimme versaun ;-)
Wo siehst du in "Friss!" zu Vergleich zu "Bastarde von Morgen" die größte Weiterentwicklung?
Schulle: Wir haben endlich mal nach Jahren einen Produzenten gefunden, der sich öffnet. Und es gibt so `nen bestimmten Prozentsatz den man braucht, der einen noch fördert. Wir ham 3 coole Scheiben eingespielt mit Harris Jones (bekannter Metalproduzent aus den 80-zigern, der u.a. auch Razzia, Hass und Slime produzierte). Bei Harris war`s halt irgendwann immer so, dass er gesagt hat, ist ok so, wir lassen das so. Und wir waren dann immer so, ja ist ok. Aber dann jemanden zu haben, der dann meinte ich will euch nicht reinreden, aber ich hätte da `nen Plan oder ein paar Tipps ist toll. Vor allem, die haben immer funktioniert. Und ich war sehr überrascht, dass wir jemanden gefunden haben, der noch zuzüglich `ne Leistung mit reinbringt, als Produzent und nicht nur einer der auf Aufnahme drückt. Er baut nicht alles um, aber er sagt dir vielleicht mal das hier ist vielleicht zu viel, mach mal weniger, aus dem Grund, und erklärt es dir dann was man machen könnte... z. B. hier könnte man den Bogen anders setzen oder hier den Chorus anders, damit es nicht immer gleich ist. Und das sind die Sachen, die uns voran gebracht haben. Denn wenn man sich das Endprodukt dann anhört, wird es auch niemals langweilig, weil jeder Song `ne ganz eigene Note hat.

Lizal (Ramtatta): Ist es auch für einen selbst dann eine große Hilfe, wenn man sich denkt ey das Riff hört sich live so toll an, aber im Studio ist es vielleicht eine andere Nummer und der Produzent mit Erfahrung dir dann sagt, kommt auf der Platte vielleicht besser, wenn du anders spielt?
Schulle: Solche Themen haben wir auch untereinander besprochen, es ist immer sehr hilfreich und fordernd, was uns noch mehr bestätigt. Dieses z.B. war für mich einfach der wesentlichste Schritt der Weiterentwicklung zu "Bastarde von Morgen", endlich jemanden gefunden zu haben, der wirklich sich da komplett hineinversetzt und dazu soundtechnisch so richtig glänzt.

Lizal (Ramtatta): Es hat euch also mehr Spaß gemacht diesmal im Studio?
Schulle: Spaß macht es immer wenn man eine Scheibe neu produziert, Es ist sogar aufregend wenn man es Stück für Stück sieht, wie sich alles langsam zusammenfügt. Im „studio23“war es natürlich was besonderes, es war Neuland und wir hatten eine echt coole Zeit in Frankfurt.

Lizal (Ramtatta): Die Chemie hat also gleich gestimmt?
Ja wir haben Micha ja im Vorfeld auch auf dieser Supporttour von "Der W" kennengelernt. Und Michael Mainx ist ja quasi Stephans rechte Hand. Er arbeitet zwar bei ihm im Monitoring-Bereich auf der Bühne, ist aber der beste FOH-Mann den man vorne hinsetzen könnte. Micha regelt dir einen Album-Sound auf deinen Ohrhörer, echt Wahnsinn! Das klang halt wirklich so geil, als ob du `ne Platte abspielst! Und irgendwann bei der zweiten Tour haben wir Micha gefragt, da wir eh `nen neuen Produzenten suchten, ob er an uns Interesse hätte. Dann machte er große Augen. Lächelte und die Sache war fix. Und so entstand auch `ne Freundschaft zu ihm und ich denke die nächste Toxpack-Platte wird uns wieder vereinen.

Donald (Ramtatta): Habt ihr Michael Mainx auf der eigenen Tour dabei?
Schulle: Nee leider nicht, der sitzt grad in Frankfurt und arbeitet an einem DVD-Projekt. Wir haben ihn zwar eingeladen, aber er hat immer sehr viel zu tun. Er ist ein Arbeitstier, darum auch so begehrt! Aber er wäre sehr gerne mitgekommen. Ich denke in naher Zukunft wird er auch hier oder da für uns auch mal live an den Reglern drehen.

Lizal: Sind eigentlich demnächst nach "Nichts hören, sehen, sagen" und "Nichts bleibt wie es ist" weitere Videoveröffentlichungen geplant?
Schulle: Ich würd persönlich noch 1 bis 2 Songs als Video veröffentlichen, aber ich darf noch nicht zu viel verraten und das ist auch `ne Entscheidung, die die ganze Band treffen muss. Erst mal ist ja wichtig, dass das Album mal die Runde macht, wir haben ja noch Luft. Auch das zweite Video “Nichts bleibt wie es ist“ finde ich sehr schön, es zeigt uns sehr Brüderlich, so wie wir auch sind. Wir haben einige Stationen besucht und ab gefilmt, wo wir jahrelang viele Nächte uns um die Ohren geschlagen haben. Haha! Als Abschluss gibt es schöne live-Szenen von unserer ausverkauften intensiven geilen Show im Wild & Heart. Mit den Leuten von CoreTex sind wir ja ne verbrüderte Bande. Immerhin haben wir vor 13 Jahren unsere erste Scheibe „Stadtgeflüster“ bei ihnen herausgebracht.

Lizal: Ich möchte nochmal Bezug auf "Nichts hören, sehen, sagen" nehmen. Gab's auch Arschgeigen aus der rechten Szene, die euch daraufhin Ärger machten?
Schulle: Also das war echt Wahnsinn! Ich hab noch nie so nen Shitstorm erlebt! Ein paar Stunden nach Veröffentlichung des Videos mussten wir über Facebook schon Leute blocken. Wir leben ja in einer Demokratie und Meinungsfreiheit ist schön und gut. Aber wenn Leute anfangen dir zu drohen oder halt echt anfangen, Sachen zu schreiben, die einfach unheimlich gefährlich sind, und wir gehen auf deren Seiten und es ist alles voll mit NPD und ähnlichem Scheiß, dann bist du erst mal am überlegen: Blockst du die? Lässt du es einfach mal so stehen und kommentierst es? Nein! Da bin ich der Meinung, es geht einfach zu weit. Keine Plattform für Extremisten! Nicht bei uns!

Donald (Ramtatta): Waren das mal Fans von euch?
Schulle: Nein auf keinen Fall! Ich denke das hat sich schnell mit dem Video herumgesprochen, und da haben wir `nen Admin der gut recherchiert hat und sich darum kümmert.

Donald (Ramtatta): Also guckt ihr da auch regelmäßig, was für Zeug sich da unter den Facebook-Fans tummelt?
Schulle: Ja auf jeden Fall und wenn wir merken, die kommen mit irgendeinem rechten Zeug, dann fliegen die auch definitiv raus! Für mich gibt es auch in der Hinsicht keine Diskussionsbasis mit solchen Leuten, weil sie auch nicht diskutieren wollen. Es war uns auch klar, dass es grad nach Veröffentlichung von "Nichts hören sehen sagen" was geben wird. Der Song polarisiert, Stephan Weidner polarisiert. Aber wir haben es nicht umsonst mit ihm gemacht, weil wir nicht nur Freunde sind, sondern wissen, wenn einer sagt "Ihr habt euch hier zu verpissen, wir ham kein Bock auf Nazis", wenn die Leute zuhören, dann ist es bei ihm. Und wenn eine Jennifer Rostock, in einem Saal vor tausend Leuten, wo `nen kleiner 18-jähriger Bengel mit einem Böhse Onkelz Shirt steht, den rausschmeißen lässt und das gesamte Publikum brüllt "Nazis raus!", dann ist der doch gestraft für`s ganze Leben und es bringt rein gar nichts! Als der Stephan das gehört hatte, sagte der „Pass mal auf Jennifer, in einem nazileeren Raum "Nazis raus!" zu brüllen, das ist doch so einfach.“ Aber wenn er das bringt vor 200.000 Leuten, und sollte darunter ein diverser Prozentsatz von denen sich eingeschlichen haben, hat er viel mehr bewirkt.

Lizal (Ramtatta): Ich finde die Reaktion von manchen Leuten in der Hinsicht einfach total überzogen, statt dass man einfach mit den Leuten redet.....
Schulle: Ja ich find's auch total überzogen und auch traurig irgendwo. Wir hatten mit Toxpack bisher immer Glück gehabt. Und ich weiß es gibt immer so paar Typen, wenn z. B. ein paar Hooligans kommen, weißt du auch nie von vorne herein wie die ticken. Wir checken das auch immer genau ab.

Donald (Ramtatta): Ihr fallt ja auch für manche unter die Sparte "Deutschrock" und werdet nicht (mehr) als Punkband wahr genommen.
Schulle: Klar sind wir musikalisch auch im Rock und Metal anzusiedeln. Aber wir bezeichnen uns immer noch als Punkband. Unsere Roots sind "Punk und Hardcore".

Donald (Ramtatta): Also ihr seht euch da auch klar politisch? Ich kenne ja eure Songs und empfinde die auch als sehr politisch.
Schulle: Wir haben uns immer schon als Band klar dazu geäußert und haben dazu immer eindeutig Stellung bezogen. Jeder der uns kennt, der weiß ganz genau dass wir politisch sauber ticken. Wir sind ordentliche Typen, wir sind ordentlich erzogen, wir sind weder unpolitisch, noch Grauzone oder sonstiges. Wir haben alle einen einfachen gesunden Menschenverstand. Und jetzt auch mit dieser neuen Erkenntnis, mit diesem Song, sind wir auch bereit dazu, mehr darauf einzugehen.

Lizal (Ramtatta): Ihr seid ja jetzt dann auch auf Russland-Tour, habe auch schon viel gelesen, gehört, dass es dort bezüglich rechter Szene recht abgehen soll. Und es auch etwas gefährlich sein soll, dort eindeutig Stellung zu beziehen. Habt ihr dort selbst schon solche Erfahrungen gemacht?
Schulle: Also auch hier haben wir mit Toxpack immer Glück gehabt, wir arbeiten dort jeweils in Italien, auch Spanien überall mit Leuten zusammen, die haben da ihre Fronten und passen auf. Das rechte Lager tut sich schwer, dort Alarm zu machen. In Russland weiß ich es noch nicht. Aber Die Towerblocks haben vor 3, 4 Jahren in Russland ihre Erfahrung gemacht. Das war sehr übel mit Bedrohung, Überfallkommandos, etc.... Aber ich denke wir sind bei unserer Tour alle in guten Händen, da es genügend Leute sind. Wir sind auch bei den Jungs von der italienischen Band Payback in guten Händen, die haben dort eine sehr gut vernetzte Hardcore-Punkszene. Die haben wir immer eingeladen, die laden uns wieder ein. Russland wurde aber leider verschoben, weil `n Club weggebrochen is. Aber das wird dann Anfang nächsten Jahres wieder sein, da bin ich auch sehr gespannt und ich freu mich schon.

Lizal: Ihr seht das ja auch so, hey holen wir uns ein paar Bands aus der Subkultur um uns gegenseitig zu unterstützen?
Schulle: Genau, wir laden uns alle mal wieder gegenseitig ein, ist so ne Art von Brüderlichkeit. Eben jetzt heute auch auf Tour mit Eastside Boys, V8Wixxxxer und die Tourblöcke davor, Payback und Boykott.

Lizal: Trotz Platz 16 der deutschen Albumcharts, immer noch dem verbunden wo man herkommt....
Schulle: Ach ja, da war ja was....

Lizal: Prost erstmal darauf!!!! (Whiskey wird nachgeschenkt)

Schulle: Ja ich muss sagen, wir konnten das erst gar nicht glauben, haben uns richtig erschrocken, weil wir gar nicht damit gerechnet haben. Es schlug ein wie `ne Bombe und wir war`n alle baff! Aber ich denke es war einfach `ne sehr gute Release Woche wo unser Album sehr gut ab verkauft wurde. Aber Hallo?? Mainstream sind wir noch lange nicht, haben wir auch nicht vor. Es gibt Leute da draußen die diesen Begriff auch sehr schnell verwendet haben, wo herausgekommen ist, Toxpack sind mit „Friss!“ auf Platz 16 der Albumcharts gelandet. Aber Leute, denkt mal drüber nach, wir verkaufen heute ein paar Scheiben mehr, sind dadurch aber noch lange nicht maßen tauglich, verdammt das wollen wir auch nicht! Also, recherchiert mal unter den Begriff „Mainstream“, Danke! Wir werden immer unser Ding durchziehen und arbeiten unsere Sachen immer so aus, wie wir sie wollen. Aber nicht um in die Charts zu kommen. (Schulle reicht Donald Feuer für seine Kippe).

Donald: (steckt sich Kippe an!)
Lizal: Prost! (stoßen an)
Schulle: Prost! hicks, cheers - Das musst du aber genauso in s Interview schreiben!!!

Donald: Die Sachen sind im Interview sehr wichtig!!!

Lizal: Was is tourmäßig dann der Plan für 2015?
Schulle: Also wir machen jetzt erst mal die Releasetour 2014 zu Ende. Die ersten Blöcke liefen ja gut an, wir hatten ne sehr kurze Zeitspanne gehabt, von der Release bis zum Tourstart! 5 Tage ist schon sehr wenig, lag aber wiederum daran, dass die Tour ja schon fest stand, und die Platte sich um 2 Monate verschob. Aber man merkt langsam, die Leute werden wach und das Album kommt an! 2014 sind jetzt noch 2 großartige Shows mit 4 Promille in Leipzig und Eisenach, am 12. und 13. Dezember. Dann ham wa ja noch unsere Auslandsgeschichten in Italien und Spanien, sowie unser Heimspiel am 27. im Huxleys in Berlin (*siehe auch Flyer anbei). Ja und dann gucken wir, dass wir 2015 auf ein paar Festivals kommen, auf denen wir vorher noch nicht waren. Also ich kann dir 2 Festivals sagen, die mich persönlich reizen würden: Das Vainstream Festival (mehr alternativ, Punk-Hardcore) oder das Elb-Riot (mehr Metal). Ja dann evtl. wieder das Spirit from the Streets, Endless Summer, das With Full Force oder die eine oder andere Überraschung. Das ist gerade alles noch in Planung. Also 2015 wird auf jeden Fall ein tolles Festivaljahr und vielleicht machen wir zwischendrin auch noch coole Clubshows. Könnte interessant werden.

Lizal: Schulle ich bedanke mich für das coole Interview, viel Erfolg mit eurem neuen Album und auf der Tour. Was gibt es denn heute im Backstage zu trinken??? Kein Augustiner?
Schulle: Nee nur König Ludwig Bier, schmeckt aber auch. Ich trink überhaupt gern bayrisches Bier.

Lizal: Selbstverständlich wird das ins Interview aufgenommen, du weißt es zu schätzen. PROST!

Bilder

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1 Kommentar

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Shrek Shraube (unregistriert)
Geschrieben am 30.10.2014, 21:26 Uhr
Gute Anti-Nazi-Message, aber mir jetzt den Onkelz-Basser als Speerspitze des Antifaschismus verkaufen zu wollen, finde ich ganz schön dick aufgetragen. Ehrlicher wäre gewesen, zu sagen: Wir sind schon lange Onkelz-Fans und wollten mal mit Weidner in einem Video die harten Kerle spielen, ohne gleich in die rechte Ecke gerückt zu werden. Wenn es wirklich um die Sache ginge, hätten sie bei ihren Kumpels von den Broilers mal lernen können, wie man sich so einem Thema nähert, ohne dabei sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen.

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