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THE OFFENDERS


Nach dem Erscheinen Ihres aktuellen Album “X“ was ich auch bei ramtatta.de besprochen hatte (die Review der Scheibe ist einsehbar unter: http://www.ramtatta.de/s/reviews/f/details/id/7523/ ), dachte ich mir, dass es zum zehnjährigen Bandjubiläum mal an der Zeit wäre, den Wahlberlinern ein paar Fragen zum Album und zu “10 Jahre The Offenders“ zu stellen. Der Sänger Valerio war so freundlich mir meine Fragen auch zu beantworten. Die Antworten sowie meine Fragen möchte ich euch nicht vorenthalten.

Geschrieben von Frank am 21.01.2016, 21:30 Uhr


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F: Ihr habt im Jahr 2015 euer 10jähriges gefeiert. Wie wichtig ist das neue Album für euch? Und ist das neue Album “X“ die Essenz eures Stils den Ihr die letzten 10 Jahre gespielt habt?

V: Das Album ist uns mehr als wichtig. Ich habe nie gedacht, dass ich dieses Album so machen konnte. Das wäre ohne die letzten 10 Jahre auch nicht möglich gewesen. Ich habe die letzten 10 Jahre mein ganzes Leben der Band gegeben und die Band hat mir sehr viel zurückgegeben. Und das ist kein romantisch, verklärter Scheiß, sondern Tatsache.
Das Album “X“ repräsentiert all unsere Einflüsse und definiert perfekt den Sound von The Offenders. Es ist mehr als dieser Standard 2Tone-Sound den wir noch auf unserem ersten Album gespielt haben. Unser Sound ist schneller, intensiver und tanzbarer geworden. Er zeigt Einflüsse von Streetpunk, Soul und Mod Revival-Sound. Irgendjemand hat mal gesagt, wir spielen “Hooligan Reggae“. Das stimmt so aber nicht, denn wir spielen weder Reggae noch sind wir Hooligans, aber unser erster “Hit“ hatte genau diesen Titel und wir sind stolz auf diesen Song auf darauf, den Stil der Band weiterentwickelt zu haben.

F: Die letzten 10 Jahre habt Ihr permanent getourt. Und wenn Ihr nicht auf Tour wart, dann wart Ihr im Studio. Wo ist dein zu Hause?

V: In Kreuzberg, glaube ich.
Würde es dich wundern, wenn ich dir sagen würde, dass ich noch mehr touren möchte, als wir es aktuell tun? Also, liebe Promoter auf der ganzen Welt, bucht uns, es stimmt nicht, dass wir schon so viele Shows spielen, wir wollen noch mehr spielen!
Natürlich ist auch das “Out of Sapce“ - Studio in Göttingen unser zu Hause, weil wir dort seit 2010 unsere Platten aufgenommen haben. Tom, der Produzent und Herrscher über das Mischpult ist uns ein großer Bruder.
In jedem Club wo wir spielen, sind wir für einen Abend zu Hause. Es gibt einige Clubs in Deutschland wo wir uns sehr wohl fühlen und noch mehr im Ausland.
Nicht zu vergessen ist unser blauer Tourbus, in dem wir sehr viel Zeit verbringen unser zu Hause. Er ist leider nicht so bequem wie wir es gerne hätten, aber vielleicht werden wir ja in ein paar Jahren reich und dann werden wir so komfortabel reisen wie U2. Jeder in einem eigenen Privatjet...

F: Ihr habt eine Tour in China gespielt. Wie habt Ihr die Tour organisiert und wie war die Tour?

V: Unser alter Tourmanager und Freund Frank Keil kam mit dieser Idee als wir am Flughafen waren um das erste Mal nach Russland zu fliegen um dort zu spielen. Er sagte “Hey Leute, warum Russland? Warum nicht China? Ich kenne dort ein paar Leute. Ich kann da was organisieren“.
Ob es der Reiz war, in einem kommunistischem Land zu spielen, oder etwas anderes. Auf jeden Fall gibt es dort in China eine kleine Booking-Agentur die auf den Namen “Fortune Chookie“ heißt. Der Typ der diese Agentur hat, hat schon in den USA für die “Vans Tour“ gearbeitet und er hat uns einen sehr guten Deal angeboten. Da haben wir uns dazu entschlossen, das zu machen. Die Tour ging 2 Wochen. Für die Tour haben wir eine Art “Best Of“ gemacht. Eigentlich mehr ein offizielles Bootleg als eine richtige CD. Vielleicht wird die ja mal ein Vermögen wert, aber momentan ist sie nur ein Stück Plastik.
Unsere Tour startete wie eine Tour kaum besser starten kann. Das erste Konzert spielten wir in Peking, in einem ausverkauften Club. Die Besucher haben unsere Songs laut mitgesungen. Ich muss sagen, das war ergreifend.
Ich muss allerdings sagen, dass der Rest der Tour nicht so gut war, wie das Konzert in Peking. Es gibt außer in Peking und in ein paar großen Städten so gut wie keine Szene, geschweige den eine Subkultur.
Und, du musst wissen, dass das Wort “Freiheit“ dort eine andere Bedeutung hat, als die, die wir kennen.

F: In welchem Land würdest du gerne noch eine Tour spielen?

V: Sagen wir so, wir sind dabei etwas wirklich Großes zu planen, aber bei unserem Glück, kann ich wirklich nicht sagen, ob es was wird. Sagen wir, es könnte die Erfüllung eines großen Wunsches sein.
Ich hoffe es klingt nicht zu abgedroschen, wenn ich sage, dass ich gerne überall spielen wollen würde. Das Leben ist zu kurz um überall auf der Welt zu spielen. Aber ich möchte so viele Orte auf dieser Welt wie möglich kennenlernen mit der Band. Es ist das größte, in einer Band zu spielen, die viel tourt.
Ich muss zugeben, ich würde sehr gerne in Japan und Mexico spielen. Mexico könnten wir vielleicht sogar realisieren, zumindest haben wir dort Fans.

F: Wie seid Ihr auf die “St. Pauli Swing Jugend“ gekommen, die Ihr auf eurer aktuellen Platte “X“ besingt?

V: ich wollte mal über etwas anderes singen. Über so was wie eine “vergessene Geschichte“. Über einen Menschen oder eine Gruppe die in diesem Land geboren sind, in dem ich seit Jahren lebe. Ich hab den Film “Swing Kids“ (Infos zum Film unter https://de.wikipedia.org/wiki/Swing_Kids) gesehen. Der Film spielt in Hamburg während der Nazizeit. Ich fand die Story toll, obwohl sie natürlich auch sehr romantisch ausgeschmückt ist. Da war eine Gruppe junger Menschen, die zu dieser Musik getanzt haben und Spaß hatten, die die Nazis verboten hatten. Diese Leute wurden zu Staatsfeinden abgestempelt. Dabei waren die jungen Leute mit keiner politischen Gruppierung oder Partei verbunden. Einfach nur das Hören von Swing oder Jazz hat ausgereicht um sie als subversive Elemente zu sehen, die verfolgt werden müssen. Natürlich waren die Menschen die Swing oder Jazz hörten keine Rassisten, sie hörten kein Wagner und glaubten nicht die Sachen die ihn das Naziregime erzählte.
Soweit ich weiß wurde zwar keiner dieser Leute für lange Zeit ins Gefängnis gesteckt, aber sie wurden immer wieder festgenommen, geschlagen, gefoltert, nur weil sie anders waren. Ganz besonders hat es die Nazis geärgert, dass diese jungen Leute statt “Sieg Heil“, “Swing Heil“ gerufen haben.
Diese Menschen waren Rebellen auf ihre Art. Das sollte nicht vergessen werden, vor allem von der jüngeren Generation nicht. Wenn die jüngeren Menschen weiterhin so einen Schrott an Musik hören, irgendwelchen schlechten Ghetto-Reggae oder Hipster-Techno, dann kann man nur sagen “Danke“.
Und zwar “Danke“ dafür, dass sich Leute früher gegen Zensur und das herrschende Regime gestellt haben, ja gegen jedes Regime das sie beherrschen wollte. Dann “Danke“ dafür, dass Ihr euch so verhält, wie das Regime es möchte.

F: Ist die “St. Pauli Swing Jugend“ mit der heutigen Subkultur vergleichbar?

V: Ich möchte nicht die Vergangenheit mit der aktuelle Zeit vergleichen. Alles verändert sich immer. Die Zeit bleibt nicht stehen.
Es wäre aber schön, wenn wir eine ähnliche Energie entwickeln können, die damals die Menschen zu einem “Nein“ motiviert hat. “Nein“ zu dem was uns die Gesellschaft und die Medien als Ideale verkaufen.

F: Wie schätzt du die Situation in Berlin momentan ein, mit den Veränderungen der Stadt und den Verdrängungen bzw. der Gentrifizierung?

V: Es ist fürchterlich. Es ist fürchterlich, wie alle Arten von Spekulationen, alle Arten von Plänen die von Geschäftsleuten gemacht werden, von privaten Investoren oder großen Konzernen und nicht von den Menschen die davon betroffen sind.
Aber anscheinend stört es die Leute nicht. Gib ihnen eine stumpfe Show im Fernsehen, ein Einkaufscenter, einen neuen Flatscreen-TV und das neue I-Phone und sie sind glücklich, ohne zu merken das sie dafür ihre Seele verkaufen. Sie fühlen sich wohl, so wie sie sich dem Konsum unterordnen.
Die Freiheit des Konsums, ist nicht die Freiheit die wir meinen!

F: Welche Pläne habt Ihr für 2016?

V: So viel live spielen wie es geht, innerhalb der EU und vielleicht auch außerhalb und natürlich unsere Platte promoten. Und natürlich kommt die Arbeit an einem neuen Album auf uns zu. Heißt es nicht, dass man als Band jedes Jahr eine neue Platte veröffentlichen muss?

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