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SLIME

15.08.2017

Weitere Informationen:
http://www.slime.de
https://www.facebook.com/slimepunk


SLIME aus Hamburg sind für den deutschsprachigen Punkrock eine der einflussreichsten Bands. Spätestens seit ihrer ersten Re-Union und der Veröffentlichung der Alben “Viva La Muerte“ und “Schweineherbst“ sind sie auch jüngeren Generationen bekannt. Insbesondere das Album “Schweineherbst“ hat die damalige Zeit exakt beschrieben.
Mit “Sich Fügen heißt Lügen“, hat SLIME sich wieder zurückgemeldet. Ein Album mit vertonten Texten von Erich Mühsam. Eigene Texte waren auf dem Album nicht zu finden. Es war ein viel diskutiertes Album.
Nun kommt ein neues Album heraus.
Mit eigenen Texten! Seit 1994 das erste Album von SLIME mit eigenen Texten!
Zu dem neuen Album sprach ich am 15.08.2017 mit Christian (Gitarre) und Elf (Gitarre).

Geschrieben von Frank am 13.09.2017, 12:46 Uhr


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Frank: Auf eurem neuen Album habt Ihr Songs mit eigenen Texten. Wie kam es dazu, dass Ihr eigene Texte genutzt habt?

Christian: Das ist ja nur beim letzten Album, welches größtenteils Texte von Erich Mühsam hatte, eine Ausnahme gewesen. Insofern war “Sich Fügen heißt Lügen“ eher ein Projektalbum.
Eigene Texte gehören eigentlich zu der Band dazu. Das ist eigentlich immer auch der Ausdruck gewesen, wie wir die Umgebung um uns herum wahrgenommen haben. Und einfach auch ein adäquater Ausdruck.

Elf: Das “Sich Fügen heißt Lügen“ - Album das haben wir halt gemacht, weil wir damals gedacht hatten, nach fast 1 ½ Jahren Re-Union-Tour quasi, wenn wir jetzt weitermachen wollen, dann wäre es eigentlich geil, wenn wir was
rausbringen. Und in der kurzen Zeit...
Es gab ein paar Songs die ich schon gemacht hatte irgendwie, das waren aber nicht genug und auch nicht alle Texte haben allen gefallen. Wir stimmen uns da ja schon mehr oder weniger dann ab. Wenn dann mehrere dagegen
sind, die Mehrheit dagegen ist, dann fliegt der Text halt raus und wird nicht genommen. Und deswegen kam dann die Idee, dieses Mühsam-Ding zu machen. Das war einfacher. Die Texte lagen einfach da. Das wusste ich schon vorher, das könnte gut passen. Das habe ich den Jungs dann vorgeschlagen. Wir haben Demos gemacht und dann konnte man das halt schnell umsetzen. Innerhalb eines halben Jahres waren wir uns einig,:
“Geil, das kann man machen. Gute Idee!“.
Dementsprechend hat es jetzt natürlich etwas länger gedauert. Es ist ja auch schon gut 4 ½ Jahre her, das Mühsam-Album. So ein Ding mit guten, eigenen Texten hinzubekommen, das war halt schon ein größerer Kampf, sage ich mal. Vor allem, dass alle mit allen Sachen zufrieden sind.

Christian: Die wichtige Frage war einfach, gar nicht die Themen, die klassische Themen von Slime sind, also Widerstand und wirklicher Protest, Nicht- Einverstanden-sein mit vielen Dingen die die Gesellschaft betreffen, sondern vielmehr auch einfach der Prozess der notwendig wahr um uns selbst, uns fünf, irgendwie...
Zu dem Bandthema “Slime“, was die Geschichte ausmacht. Was die bedeutet. Wo stehen wir da eigentlich jetzt, im Jahr 2016 / 2017? Das war
eigentlich ein zentraler Punkt. Wir sind natürlich eben keine 16 mehr. Die Texte und unsere Haltung haben sich einfach geändert. Um autenthisch zu sein, das ist ein sehr wichtiger Punkt bei uns, und daran für uns textlich auch auf den Punkt zu kommen, hat es einfach gedauert.

Frank: Ihr habt ja textlich auch ein gewisses Erbe zu tragen. Ist das beim Schreiben der Songs im Hinterkopf gewesen? Wie seid Ihr damit umgegangen? War es schwer neue Texte zu schreiben?

Elf: Wie man damit umgehen kann? Naja, das ist ja klar das wir nicht zurückfallen auf die ersten zwei LPs (“Slime“ 1981, “Yankees Raus“ 1982, Anm. d. Verfassers) von der Form der Texte her. Das parolenhafte was da ja eher am Start war, mit “Deutschland muss sterben“, “Bullenschweine“ oder so was. Das geht natürlich nicht. Das wollen wir auch gar nicht.
Wir wollten eine andere Qualität erreichen. So wie bei der zweiten Platte in den 90zigern (“Viva La Muerte“, Anm. d. Verfassers). Das ist nicht ganz so einfach. Wenn jemand wie Stefan Mahler (Schlagzeuger und Textschreiber, Bandmitglied von 1981-1983 und 1992-1994, Anm. d. Verfassers) nicht mehr dabei ist, muss man halt sehen wie man das anders hinkriegt, in einer ähnlichen Art und Weise. Weniger parolenhaft und sich trotzdem gut auszudrücken, aber eben auch ohne das es plump und peinlich wirkt.
Anders als eben bei vielen Deutschpunkbands, wie ich finde. Es gibt ja viele Bands, die covern eigentlich nur das erste Slime-Album, musikalisch und auch von der Form der Texte.

Frank: Ihr seid immer noch ein großer Einflussgeber auch für jüngere Bands.

Elf: Wir wollen auf dem Level bleiben, wo wir in den 90zigern mal angelangt waren. Das Mühsam-Album hat natürlich noch mal eine ganz andere lyrische Qualität, weil er einfach ein großer Dichter war, der Mann.
Da kann man dann einfach nicht mehr darauf zurückfallen, wie “Jetzt machen wir wieder sowas wie “Bullenschweine““.

Christian: Es ist ja gerade genau das, was ich eben schon gesagt habe. Es geht darum autenthisch zu sein. Es geht weniger darum, “Das könnte jetzt ein Slime- Thema sein. Da müssen wir jetzt mal einen Text machen“. Wenn man so arbeitet, ist es wie eine Projektarbeit die man dann schreibt. Das kann es bei uns einfach nicht sein!
Also, bei uns kommt dann einfach zusammen, eine gewisse Wut, Unzufriedenheit, die sich daran äußert...bestimmten Dingen gegenüber und dann die Wahl der Werkzeuge. Was die Songs angeht, wo wir musikalisch stehen, was wir gut finden und eben auch, welche Bilder wir in den Texten benutzen. Das unterscheidet sich selbstverständlich von den Sachen aus den 80zigern oder den ersten beiden Platten.

Frank: Was ich bei euren Texten, vor allem bei den älteren Texten, sehr krass finde, im Kontext zum Hier und Jetzt, das die immer noch eine große Aktualität haben. Es hat sich wenig geändert.
Wie ist das für euch, wenn Ihr die alten Texte seht, die politische, soziale Umstände beschreiben und diese auch noch live rüberbringt, zu wissen, dass diese noch aktuell sind?

Elf: Das sagt ja der neue Song “Unsere Lieder“.
Uns wäre es lieber, die alten Texte wären nicht mehr aktuell. Die alten Texte sind aber doch noch aktuell, viele zumindest. Die Welt hat sich nicht zum besseren verändert. Also, der Rechtsruck, der ist ja nicht nur in Deutschland.
Der Rechtsruck ist in anderen Ländern noch viel krasser, wie in Frankreich und Ungarn. Der “Brexit“ ist auch so eine Nummer. Das ist ja auch ein Rechtsruck. Wenn Rentner das Land aus der EU rauswählen...
Wobei die EU im Großen und Ganzen auch nicht so das Wahre unbedingt ist, aber besser als einzelne Nationalstaaten.

Frank: Was bietet das neue Album “Hier und Jetzt“?

Elf: Die B-Seite der Single“Unsere Lieder“ ist ganz anders als die A-Seite. Da geht es in Richtung Black Flag, Circle Jerks und vielleicht auch No Means No. Der Text ist auch komplett anders von der Art. So zieht sich das durch das ganze Album. Das Album ist musikalisch und von den Texten her sehr abwechslungsreich.
Es ist mehr wie die “Viva La Muerte“ die ja auch sehr abwechslungsreich war.Die “Schweineherbst“ war weniger abwechslungsreich.

Christian: Man könnte es, glaube ich, sogar so sagen:
Das neue Album ist so abwechslungsreich wie die “Viva la Muerte“ aber so geschlossen wie die “Schweineherbst“.
Das neue Album ist auch wirklich geschlossen.

Elf: Ja.

Christian: Es ist ein Block, letztendlich, der zusammenschmilzt.

Frank: Das klingt gut. Die “Viva La Muerte“ ist ja wirklich stilistisch sehr abwechslungsreich. Für mich auch ein Themen-Album.

Christian: Ja, weil es mit dem Bild arbeitet “Viva La Muerte“. Dem immer wieder durchgeführten Missbrauch von Macht. Das Album war eine Ansammlung von Stücken die zu der Zeit für uns wichtig waren. Es war ja das Re-Union- Album.

Elf: Auf dem Re-Union-Album waren wir uns alle noch nicht so gemeinsam vollkommen klar, wo es hingehen soll. Wir haben es einfach gemacht, wie es gerade kam! Wir haben Songs genommen, die jedem Einzelnen eingefallen sind. Das ist dabei rausgekommen.
Ich meine, ich finde es immer noch ganz geil. Wenn ich mir das Album anhöre so zwischendurch, da haben wir auch ein paar richtig gute Sachen zusammengebastelt. Von der Abwechslung her finde ist das geiler als das Album “Schweineherbst“. Aber egal, das ist Geschmackssache, wie immer.
Wie Christian schon sagte, das neue Album ist schon abwechslungsreich, aber es hat mehr eine Linie. Alleine auch vom Sound her.
Wir haben das neue Album selber aufgenommen. Also Christian hat im Studio die Aufnahmen geleitet, in seinem eigenen Tonstudio in Berlin.
Gemischt hat es jemand anders. Olli Zülch heißt der Mann. Der hat auch schon mit Die Ärzte zusammengearbeitet. Der hat, glaube ich, schon zwei Alben von Die Ärzte gemischt. Das letzte Album von Hass hat er auch gemischt. Der macht also auch solche Sachen, Punkrock!
Sportfreunde Stiller hat er auch schon gemacht.

Christian: Und Eisenpimmel.

Elf: Ja! Der macht solche Sachen, glaube ich, oft.
So, dass er fertige Aufnahmen bekommt, also die fertigen Soundfiles und dann sagt man ihm in welche Richtung das gehen soll und dann lässt man ihn machen. Dann hört man sich die ersten zwei, drei Songs an die er anbietet und sagt was einem daran gefällt oder was vielleicht noch verändert werden muss und dann lässt man ihn wieder arbeiten. Man sitzt da nicht mehr selber dabei, sondern lässt sich positiv überraschen. Der hat es einfach drauf, die Songs in die Richtung zu bringen in die man sie haben will.

Christian: Er hat das wirklich super gemacht.

Elf: Und dann ist das eine Richtung! Der ganze Sound, das passt. Das ist aus einem Guß, sozusagen.
Damals, die “Viva La Muerte“ die klingt als ob sie in zehn verschiedenen Studios aufgenommen wurde.
Es waren drei, oder?

Christian: Es waren einige Studios.
Man hört der Platte an, dass da sehr lange daran rumgebastelt wurde, an jeder Station der Produktion.
Das neue Album ist genau das Gegenteil!
Wir sind ins Studio gegangen und haben die Songs nicht geprobt vorher. Sondern, es gab einfach Demos. Wir haben dann im Prinzip im Studio sehr schnell Entscheidungen getroffen, was wir noch ändern wollen. Haben das dann auch umgesetzt und so gelassen. So ähnlich ist dann auch gemischt worden. Ohne genaue Vorgaben. Eben nicht so, wie man das von einer Band wie uns erwarten würde. Wo so alte Säcke genau wissen wie der Hase läuft, weil sie eigentlich alle Produktionsprozesse beherrschen. Alles genau durchleuchten, alles genau auf den Punkt ist.
Gerade das eben nicht!
Es ist teilweise roh und ein bisschen ungelenk. Es ist einfach so gelassen.
Das macht das neue Album am Ende so frisch.

Elf: Ja, da fiel mir gerade zu ein, ich hab neulich, zufällig einen Ausschnitt gesehen aus einer Dokumentation über die Broilers. Die haben da erzählt, Sammy war das, glaube ich, der Sänger von den Broilers. Da saß der im Studio bei Vincent Sorg (Produzent, u.a. vom Album “Noir“ von Broilers, Anm. d. Verfassers) wo die Toten Hosen, die Broilers und sonstwer produzieren, und sagte, dass sie da drei Monate dabei sind, so ganz locker. Die proben davor noch monatelang und schreiben die Songs natürlich auch schon vorab.
Aber dann sitzen die noch zwei bis drei Monate in diesem Studio rum und feilen da irgendwie an jedem einzelnen Ton rum.
Also, das haben wir zum Beispiel nicht gemacht!
Wir haben zwar jetzt nicht live eingespielt, sondern erst das Schlagzeug dann Bass und die Gitarren. Wie Christian schon sagte, alles in relativ
schneller, kurzer Zeit, im Vergleich zu so was. Wir haben vielleicht zwanzig Tage insgesamt gebraucht. Pro Song quasi ein Tag, so ungefähr.

Christian: Ja genau, so ungefähr

Elf: Das hat relativ noch so einen...fast so einen Live-Touch.

Christian: Das zu unserer Produktion.
Dann haben wir auch einige Gäste auf dem neuen Album.
Wir schließen auf zu Bands und anderen Musikstilen die heute einfach so unsere Inhalte wie wir sie in den 80zigern transportiert haben, heute transportieren. Beispielsweise aus dem Hip Hop. Da ist ein Song wo Swiss von “Swiss und Die Anderen“ seinen Gastpart hat sowie der Pablo von Irie Revoltes. Da geht es um das Thema Patrioten.
Dann haben wir einen Song dabei, “Let´s get united“ heißt der. Da geht es einfach darum...um das Thema linker Widerstand. Was ist überhaupt links?
Und beschäftigt sich so ein bisschen mit dem Thema “Linke Zersplitterung“. Es geht darum einfach zusammenzukommen und positives zu sehen. Eigentlich auch ein Thema was tatsächlich für uns als Band, die sich immer identifiziert gegen etwas zu sein, tatsächlich das Ganze umdreht, und jetzt sagt, dass es auch positive Dinge gibt. Wir müssen auch zusammenstehen!
Solidarität! Darum geht es.

Elf: Zu dem Song “Let´s get united“ haben wir auch Gäste eingeladen.
Wir haben den Enrico, das ist der Sänger von Los Fastidios, dabei. “Antifa Hooligan“ ist ja der “Hit“ der Band. Und The Wakes aus Glasgow. Das ist eine befreundete Band die haben auch im Vorprogramm von uns schon mal gespielt. Die kennen wir schon lange, weil das Celtic Glasgow-Fans sind.
Dirk (Sänger von Slime, Anm. d. Verfassers) und ich sind große FC St. Pauli- Fans. Es gibt eine Fan-Freundschaft zwischen den Celtic und den Pauli- Fans, seit 20, 25 Jahren. Wir haben die Jungs vor Jahren schon mal kennengelernt Das ist eine geile Band. Die machen so Folk´n´Roll mit ein bisschen Punk-Attitude und sind politisch.
Die erste Strophe in dem Song “Let´s get United“ singt dann Dirk auf deutsch. Dann kommt Einrico und singt italienisch und die dritte Strophe singt dann der Schotte auf englisch.
Zusammen singen wir den englischen Refrain “Let´s get united“.
Die Musik geht in Richtung Streetpunk. Ist schon so Oldschool.
Bei dem anderen Song, den Christian gerade erwähnt hat, mit den beiden Rappern, der Song ist halt...ja...der hat halt zwei Hip Hop-Parts. Die fallen total raus. Das würde erstmal keiner erwarten, von SLIME, das da sowas passiert. Den Elektro-Punk-Hip-Hop-Beat, bei den beiden Hip Hop-Parts, hat ein Freund von uns noch gebastelt, da sind unsere Gitarren völlig raus. Die beiden rappen dann auf den Beat. Dann kommt der Refrain und den singen dann alle zusammen.
“Baut eine Mauer um jeden Patrioten. Lasst ihn stolz sein auf dem Platz auf dem er steht“.

Frank:  Wie schätzt Ihr euren Einfluss auf die linke Szene ein?

Christian: Welche linke Szene den?

Elf: Einfluss auf die linke Szene? Ich glaube nicht, dass wir einen Einfluss da irgendwie haben. Das kann ich mir nicht vorstellen!
Also, wir sind bestimmt für viele Leute die sich als links begreifen, durchaus ein Soundtrack zu...whatever. Auf Partys?!
Vielleicht auch... Auf Demos werden wir bestimmt immer mal wieder gespielt, auf Demo-Wagen. Das kann sein.
Aber einen Einfluss als solchen? Wirklich...keine Ahnung.
Was kann man mit politischen Protestliedern erreichen?
Das ist eine gute Frage.
Ich weiß es nicht genau. Als Soundtrack für bestimmte...
Also Denkanstösse die kann man geben, vielleicht. Das ist wichtig.

Christian: Ja, auch für Menschen die wir ansprechen wollen. Menschen die etwas von unserem Selbstverständnis teilen.
Wir sind ja keine so starre, linke Band. Genau deshalb auch, weil wir in keine musikalische Schublade passen. Wir machen das was uns Spaß macht. Unsere fünf Persönlichkeiten, was die Musik angeht, fließt da mit ein. Das hört man einfach auch. Das ist Open Minded.
Die Texte sind geballt. Das spricht einfach viele Leute an. Wenn es die sind, die damit etwas anfangen können, um so besser.
Mit dem Begriff “Linke Szene“ agieren wir ehrlich gesagt nicht

Elf: Was soll das sein?
Wir haben zum Beispiel auch noch nie eine Partei unterstützt!
Außer DIE PARTEI natürlich. Das ist aber keine richtige Partei.
Wir sind da eher sowas wie Spontis...Anarchos. Aber auch das nicht in einer bestimmten Ausprägung, die man politisch ganz klar begründen kann.
Vielleicht sind wir mittlerweile auch eher so wie Konstantin Wecker und Hannes Wader. Mit Konstantin Wecker habe ich gerade zufällig noch ein Interview gesehen, in einer Talkshow. Der hat einfach auch geile Sachen erzählt. Der sagt was er denkt, auch wenn er in so einer Spießer-Talkshow sitzt. Da kann ich was mit anfangen. Der ist auch, glaube ich, 70 Jahre alt, oder so. So alt wie Udo Lindenberg. Der haut aber noch ganzere Statements raus als der Panik-Udo.
Ich glaube wir sind dann eher in so einer Tradition, obwohl das nicht das gleiche ist, musikalisch und so, aber inhaltlich.
Der Hannes Wader war auch mal schwerer Kommunist irgendwie. Der war DKPler und so. Da steht er mittlerweile wahrscheinlich auch nicht mehr dahinter. Das kann ich mir nicht vorstellen. Eher so “Freiheit! Was soll der ganze Nationalstolz und Patriotenscheiß?“ Alleine diese Haltung hat Wecker jetzt geäußert in dieser Talkshow. Das ist genau unser Ding, zum Beispiel.

Christian: Da zum Beispiel kann man auch Erich Mühsam anführen, weil der war halt genau auch das! Der saß zwischen alle politische Stühlen und hat es auch mal krachen lassen. Der hat eine Haltung, der hat ein Leben gehabt...wenn man das betrachtet, das passt einfach gut zu uns.
So etwas grenzenloses, das machen wir uns auch zu eigen.

Frank: Ihr hattet eure Gäste auf dem neuen Album ja schon angesprochen. Dirk hat in letzter Zeit auf vielen anderen Alben von Bands auch mitgewirkt. Warum macht ihr das?

Elf: Du meinst jetzt, weil Dirk so Gast-Geschichten macht?

Frank: Ja, oder auch umgekehrt.

Elf: Diese Crossover-Geschichte also “Hip Hop meets Rock“, diesen Song gab es schon vor zwei Jahren, als “Mobilmachungsclip“ für eine Anti-Nazi-Demo in Magdeburg. Mit einem anderen...komplett fast nur Hip Hop. Erst am Ende kommen wir mit unserem Teil, der jetzt auch so stehen geblieben ist. Das ist der Refrain, sozusagen. Das Ding wollten wir benutzen...

Christian: aber mit einem anderen Text.

Elf: Wir haben jetzt einen ganz anderen Text auf dem Ding. Aber es war klar, das wäre geil, zwei von diesen Hip Hop-Jungs irgendwie ranzuholen um so eine Mischung hinzukriegen. Wir kennen die beiden jetzt schon ein bisschen länger. Wir finden das geil was die machen! Die haben natürlich auch ein jüngeres Publikum. Die machen sowas, wie wir es in den 80zigern gemacht haben. Das ist einfach geil, das zu verbinden.

Christian: Aber wie kommt sowas zustande?
Das ist ja kein Konzept oder eine Idee wo man so denkt “Wie können wir das ganze Thema so designen, das wir möglichst viele Leute erreichen?“. Sondern es geht eher darum, das wir auf Konzerten oder sonstwo, Kollegen, Freunde treffen und dann kommt man ins Gespräch und dann wird man gefragt. Auch, weil man das cool findet, was die anderen machen. So entstehen die Zusammenarbeiten dann letztendlich.
Wobei bei “Let´s get United“ zum Beispiel, da war es tatsächlich so, dass Dirk die Idee hatte. Dirk hatte diesen Refrain, diese Textzeile und die Idee: Da fragen wir einfach mal die und die. Das waren dann The Wakes und Los Fastidios. Am Ende passte auch alles. In dem Fall stand schon eine Idee dahinter. Da geht es dann aber eher um inhaltliche Dinge.

Frank: Am 16.12.2017 spielt Ihr mit DRITTE WAHL in Dresden zusammen. Was verbindet euch mit DRITTE WAHL?

Elf: Ich, zum Beispiel, kenne die auch schon seit den 90zigern.
Auf dem “Force Attack“-Festival habe ich diverse Male mit Die Mimmis oder Rubberslime gespielt. Da haben die auch immer gespielt. Seitdem kennt man sich eigentlich ganz gut.
DRITTE WAHL sind neben DIE SKEPTIKER, die geilste Band aus dem
Osten!
Das sind Superjungs! Unser Schlagzeuger Alex ist mit dem Gunnar von Dritte Wahl ganz gut befreundet. Wobei, der wohnt ja jetzt nicht mehr im Osten, sondern irgendwo bei Münster, glaube ich. Die sehen sich beide öfter. Die haben auch beide Kinder. Das passt dann irgendwie auch.
DRITTE WAHL sind gute Leute, die geile Sachen immer gemacht haben. Die haben gute Texte geschrieben, gute Musik. Die machen gute Shows, da geht es ab. Das ist manchmal schon fast zu viel partymäßig.
Die sind aber auch große Fans von SLIME. Das passt irgendwie gut zusammen. Dann kommt man halt mal auf sowas und macht solche Geschichten zusammen.

Frank: Wie wird es nach der Veröffentlichung des Albums und der Tour mit SLIME weitergehen? Spielt Ihr Festivals in 2018?

Elf: Das wird sich dann herausstellen. Also, Festival-Booking muss man dieses Jahr irgendwann auch noch anfangen. Das macht ja auch Alex, unser Trommler. Der will sich dahinterklemmen. Und dann mal gucken, wie das Album insgesamt ankommt. Ob das dazu führt dass man doch mal auf irgendwelchen Festivals spielt. Früher haben wir schon mal auf dem “Deichbrand-Festival“ gespielt.

Christian: Dieses Jahr gibt es noch die Tour bis Dezember und nächstes Jahr werden wir definitiv noch einige Konzerte spielen und auch einige Festivals.

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