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Fliehende Stürme - Warten auf Raketen

Fliehende Stürme - Warten auf Raketen

CD Major Label 29.04.2011
  9 / 10

Weitere Informationen:
http://www.myspace.com/fliehendestuerme
http://www.myspace.com/fliehendestuerme


Man könnte meinen, dass ich ein Trauerkloß wäre. Naja, zumindest manchmal. Man hängt einfach nur herum, starrt ziel- und sinnentleert durch die Gegend und fragt sich nur: „Warum?“. Komischerweise werden solche Momente auch durch bestimmte Musik unterstützt, die doch seit den letzten Malen schon ähnlich klang; tiefe Stimme, relativ langsamer Rhythmus und der Einsatz von Synthesizern. Das kommt mir noch bekannt vor…

Und genau an der Stelle kommt man der Sache schon deutlich näher. Ja, sowohl die Stimmung, als auch die musikalische Untermalung treffen vollends zu und beschreiben so manchen Moment in meinem Leben ziemlich genau. Denn oft wird diese Laune durch die allseits bekannte Band „Fliehende Stürme“ verursacht (oder verstärkt). Die ChaosZ-Nachfolger sind schließlich für ihren melancholischen „Depro-Punk“ bekannt und haben schon seit vielen Jahren eine treue Fankultur hinter sich gebracht. Nun wird es Zeit, wieder die Geschütze auszufahren, denn es wird Zeit, die Raketen abzufeuern…

Ja, ich gebe es zu: Das Wortspiel, um eine Verbindung zum Albumtitel herzustellen, ist mir gänzlich misslungen, tut mir Leid! Aber mir fällt halt einfach nichts ein. Aber gut, wem kann man es verübeln? Beim Albumtitel konnte ich mir nicht wirklich vorstellen, was ich unter „Warten auf Raketen“ zu verstehen hätte. Aber gut, mittlerweile weiß ich es schon: Ich weiß, was ich davon zu halten habe. Das ist auch nicht schwer, wenn man sich das Album selbst einmal angehört hat. Wer die Band sowieso schon kennt, der kann sich das im Vornherein schon denken.

Denn die Stürme sind für melancholischen und depressiven Dark-Wave-Punk bekannt, der immerzu eine tiefe Seite anschlägt und dabei keine Gelegenheit auslässt, einem negative Emotionen zur Schau zu stellen. Das hat sich im neuen Album „Warten auf Raketen“ nicht geändert.

Die Geräuschkulisse – also die Instrumente und der Gesang – erzählt einem unterschwellig etwas von Endzeit, von Untergang und Zerstörung.  Die Lieder schleppen sich über die Lautsprecherboxen, die Stimme scheint aus den Tiefen von Abgründen menschlicher Herzen zu singen und man merkt dabei selber gar nicht, dass man schon längst in ihren Bann geraten ist. Es passiert nicht selten, dass man auf Lieder stößt, die das berühmt-berüchtigte „Nur-noch-ein-einziges-Mal-anhören“-Syndrom in sich tragen. Es mag komisch klingen, aber viele Songs haben einfach eine magische Anziehungskraft, die den Zuhörer geradezu fesseln und in eine völlig andere, in eine verzerrte und fremde Welt reinziehen.  Plötzlich verengt sich das eigene Weltbild auf einen ganz alleine und man beginnt träumerisch mit dem Strom zu schwimmen (auch wenn man das sonst weniger zu tun gedenkt).

Textlich muss man eigentlich gar nicht viel dazu sagen. Eigentlich ist jedes Lied, das eine Band macht (sofern es Text beinhaltet), ein Gedicht. Mit dem Unterschied, dass es musikalisch untermalt wird. Aber bei Fliehende Stürme ist es der Fall, dass man zu sagen pflegt: „DAS sind wirklich Gedichte!“. Getreu dem Motto „Stay your ground“ ist auch dieses Album eine Ansammlung von unglaublich tiefgründigen, bildlichen und vor allem „dunklen“ Zeilen. Schon alleine die Titel erzeugen eine gewisse Vorahnung, was auf einen zukommt:  „Sterne“, „Stahl“, „Tiefe“, „Still“, „Schatten“. In den Liedern wird der Weg konsequent zu Ende gegangen, denn mit Worten wie „Wahn“, „grausam“, „Einsamkeit“, „Bedeutungslosigkeit“, „Vergessen“ oder „Kummer“ werden die lyrischen Ergüsse gespickt, welche das Album noch einmal ganz rund machen. Man merkt, dass eine gewisse „Liebe“ zum Detail besteht, die diese Band so einzigartig macht. Wie immer spielen „Fliehende Stürme“ textlich gesehen auf einem Niveau, das man so mit anderen Bands nicht vergleichen kann. Das perfekte Zusammenspiel von Text, Melodie und Atmosphäre macht diese Band und auch diese Platte so unverwechselbar.

Allerdings gäbe es auch noch etwas zu meckern, wobei dies natürlich gänzlich von demjenigen abhängt, der sich die drei Herren anhört. Durch ihre „Stay your ground“-Mentalität sind die Musikanten stark in ihrer Experimentierfreudigkeit eingeschränkt. Es gibt höchstens zwischen den Alben das ein oder andere Lied, das noch wirklich „aggressiv“ klingt. Da denkt man doch gleich daran, dass die Jungs ihre alten ChaosZ-Zeiten wieder ehren. Allerdings dürfte dies die einzige Abwechslung darstellen. Fliehende Stürme – und somit auch „Warten auf Raketen“ – bleiben Depro-Punk. Punkt und aus! Obwohl sie diese Möglichkeit meines Erachtens nach sehr schön ausschöpfen, könnte es für den einen oder anderen langweilig sein (sofern er die anderen Lieder kennt). Ich persönlich schätze aber, dass die treuen Fans auch diese Lieder zu würdigen wissen!

Apropos Lieder: Die typische Angewohnheit, dass jedes Album nur 10 Titel enthält, wird auch in diesem Falle wieder eingehalten. Es mag nach wenig klingen, allerdings wird dieses Defizit durch die Länge des Songs ausgeglichen. Die meißten gehen nämlich über ihre vier Minuten hinaus, andere sogar über fünf oder auch sechs. Selten kommt es vor, dass mal ein Lied unter die Vier-Minuten-Marke rutscht. Trotz allem scheint mir – obwohl ich das auch nicht wirklich „weiß“, sondern mehr ein Gefühl ist -, dass dieses Album einen kleinen Tuck kürzer geraten ist, als die anderen. Aber wie gesagt, das sollte man nun wirklich für sich selbst entscheiden…womöglich sieht das an einem anderen Tag wieder völlig anders aus.

Letztendlich kann ich nur jedem, der wunderschöne und großartige Texte mag und auch negative Emotionen in einem Lied zu schätzen weiß, dieses Album empfehlen! Es kann zwar nicht mit den Giganten, wie „Himmel steht still“ oder „Hinter Masken“ mithalten, aber das sollte auch nicht der Anspruch sein. Es hat seine eigenen Qualitäten und überzeugt auf ganzer Linie!

In dem Sinne: Danke für eure Prinzipientreue! Krasse Platte!


Geschrieben von ChaosZx2 am 28.06.2011, 00:00 Uhr


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