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COR - LEITKULTUR

COR - LEITKULTUR

CD Rügencore Records 06.10.2017
  9 / 10

Weitere Informationen:
http://www.ruegencore.de/
https://www.facebook.com/ruegencore


COR von der Insel Rügen haben eine neue Platte veröffentlicht.

Zwei Jahre nach der Veröffentlichung von “Lieber tot als Sklave“, die der Band viel Anerkennung gegeben hat. Dieses Album war nach fünf Jahren das erste Album mit wirklich neuen Songs und zeigte wie COR sich im Songwriting und in der Musik nochmal verbessert hatten.

Mit “Leitkultur“ knüpfen sie genau dort an.

Die elf Songs sind in dem musikalischen Gewand das man von COR erwartet. Metallgitarren, ein druckvolles Schlagzeug und der markante Gesang von Friedemann. Das bekannte Gewand ist Trash, Punkrock, Hardcore und Rock´n´Roll a la Motörhead.

Trotz des bekannten Gewandes, ziehen sich die Jungs von Rügen auch wieder ein paar neue Sachen an. Diese neue Sachen machen das Album extrem interessant, weil es zeigt, was COR musikalisch mittlerweile können. Diese Abwechslung ist das, was viele Songs markant macht. Trotzdem ist das Album nicht sperrig. Ganz im Gegenteil. Das Album ist vom Sound so harmonisch wie bisher kaum ein Album von COR.

Die Band hat neben einem Fokus auf den Sound einen noch viel größeren Fokus auf die Texte gelegt, die in einem kleinen Posterbooklet der CD beiliegen.

Die Texte sind sprachlich recht hart, teilweise sehr provokant und in ihrer Art sehr radikal.

COR üben mit diesem Album massiv Systemkritik. Kritik am System des Kapitalismus. Kritik an der Konsumgesellschaft. Kritik an den Menschen. Das tut manchmal richtig weh, weil man sich selber nicht nur angesprochen, sondern ertappt fühlt. Ganz besonders sei hier der Song “Die Anderen“ genannt. Hier wird thematisiert, dass es immer die anderen sind die was machen. Aber, wer sind die Anderen? Sind wir nicht “Die Anderen“? Wenn wir etwas nicht tun, machen es dann die Anderen? Und machen sie es dann so wie wir es uns wünschen? Statt den Fokus auf die anderen Menschen zu legen, sollten wir bei uns anfangen, denn die vermeintlich Anderen, das sind wir!

“Gift“ geht knallhart an so gut wie jeden von uns. Wo Dritte Wahl noch in “Rausch“ den Text sangen “Lass uns zusammen den Rausch probieren“, geht COR direkt in die andere

Richtung. Wir nehmen Gift und Dreck zu uns um der Realität zu entfliehen und fühlen uns dann frei oder zumindest besser, aber was passiert mit uns, wenn wir immer mehr davon wollen? Unser Lebenszentrum mutiert zu einer bunten Scheibe. Regierung und Konzerne haben uns somit fein im Griff. So sieht Protest nicht aus.

Etwas metaphorisch geht es dann auch gegen die Meinungsmache (der AfD und anderen), deren Quellen jedoch nie explizit genannt werden. Hierzu sei “Propaganda“ genannt und die Hardcore-Nummer “Vollkontakt“. Live wird “Vollkontakt“ ein absoluter Brecher werden, davon bin ich überzeugt.

Mit “Mach mich Sauber“ bringt COR einen recht abstrakten Song der in vielerlei Hinsicht verstanden werden kann.

Überhaupt die Texte, insgesamt gesehen sind sie eine düstere Abrechnung mit der Menschheit und dem System in dem wir und viele andere Menschen existieren.

Ich würde mir wünschen, dass es in die Zukunft mehr in Richtung “Vom Glück das alles endet“geht, eben ein Neuanfang der mit der Überzeugung etwas besseres zu schaffen angegangen wird, als “Gras“. Über uns und unsere Städte wird sonst irgendwann Gras wachsen, die Wunden die wir der Welt zugefügt haben werden irgendwann verheilen....

Wir haben uns dann allerdings schon lange selber vernichtet.

COR blicken mit dem Titeltrack “Leitkultur“ in eine andere Richtung, wie viele andere Bands die sich zu diesem Thema geäußert haben. Wenn die Menschen schon nach einer Kultur schreien die sie leitet, warum dann nicht diese, die Frieden, Gerechtigkeit und weniger Hass in sich trägt. Warum immer böser und härter werden? Weil die Welt so ist? Mag sein, aber genau das widert doch viele an. Wir wollen an sich anders leben, also warum nicht damit anfangen?

COR haben mit “Leitkultur“ den Soundtrack dieser Zeit geschrieben.

Ein Soundtrack der wenig Hoffnung, viel Wut, viel Verzweiflung in sich trägt.

Ein vor kurzem geführtes Interview von Mini vom Kamikaze-Radio mit Matze (Bass) von COR ist hier zu hören: http://www.ramtatta.de/s/interviews/f/details/id/8076/


Geschrieben von Frank am 21.11.2017, 10:50 Uhr


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