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GANKINO CIRCUS - DIE LETZTEN IHRER ART

GANKINO CIRCUS - DIE LETZTEN IHRER ART

CD BESTE UNTERHALTUNG 08.12.2017
  9 / 10

Weitere Informationen:
https://www.gankinocircus.de/
https://www.facebook.com/gankinocircus/
https://www.youtube.com/watch?v=TwS_h5Cdjio


And now, something completely different.

Heute mal kein Punkrock, Ska oder artverwandtes.

Heute gibt es Volksmusik. Ja, richtig gehört.

Volksmusik ist, nach Aussage von GANKINO CIRCUS, Musik vom Volk für das Volk oder politisch korrekter, Musik von Menschen für Menschen. Dabei werden alte Lieder genauso gespielt, wie neue Einflüsse und eigene Kompositionen.

Seit 10 Jahren gibt es die Band aus Dietenhofen nun schon. In diesen 10 Jahren hat die Band vier Alben veröffentlicht, “Die letzten Ihrer Art“ ist das vierte Album. Sie haben als Support von Eläkeläiset gespielt, sie waren in Kasachstan und Kirgistan und haben dort mit Unterstützung des Goethe Instituts eine Tour gespielt. Seit den letzten Jahren sind sie vermehrt auf Kleinkunstbühnen unterwegs und spielen fast jedes Wochenende.

Ich selbst habe die Band kennengelernt, als sie Support für Eläkeläiset waren. Das hat mich so begeistert, dass ich seitdem das Tun der Band verfolge. Die letzten drei Alben wurden ebenfalls für ramtatta.de besprochen. Zum Nachlesen sind hier die Links:

DAS POTPOURRI DES HERRN BARON VON GUNZENHAUSEN

http://www.ramtatta.de/s/reviews/f/details/id/3969/

ZUM ERSTEN MAL IN IHRER STADT

http://www.ramtatta.de/s/reviews/f/details/id/3996/

FRANKONIAN BOOGALOO

http://www.ramtatta.de/s/reviews/f/details/id/6985/

Das neue Album hat den gleichen Titel wie die Tiersendungen von und mit Andreas Kieling. Gibt es da eine Verbindung? Nun, zumindest was den Stil der Band angeht. Dieser ist durchaus als einzigartig zu beschreiben. Kein Schlager, keine grenzdebile Volksmusik, keine Folk-Musik...sondern irgendwas dazwischen.

Die Texte handeln von den kleinen und großen Geschichten von den Menschen, verortet auf dem Land. Sie handeln von dem kleinen und großen Glück, von den Sehnsüchten, von den traurigen Momenten. Das ist für Großstädter vielleicht zu belächeln, aber es ist auch eine Art von Sehnsucht oder vielmehr einer Melancholie eines fast surrealen aber dennoch real existierenden Landlebens. Einer Sehnsucht nach Glück, Liebe, Zufriedenheit und innerer Ruhe...und da sind wir alle gleich, egal wo wir herkommen. Wir definieren die Ziele unterschiedlich, aber die tiefen Gefühle sind die selben.

Gerade in dieser Atmosphäre wo das Glück und das Pech so nah beieinander stehen, dass man sie kaum noch auseinanderhalten kann, kommt der Humor zum Tragen, der irgendwo zwischen Kunst, Nonsens und Rebellentum zu Hause ist. Ich denke da an den zweiten Song der Scheibe. Dieser heißt “Tauben“ und handelt davon, was man alles (besser) machen muss. Und dann sitzt man einfach auf der Parkbank und schaut den Tauben beim scheißen zu. Das ist so großartig, fast dadaistisch und eben auch so anders, dass es auf einer ganz eigenen Basis eben auch wieder Punkrock ist. Ich bleib hier, ich mach mein Ding und was ihr anderen sagt, das ist mir egal.

“So oder So“ ist ein Song dessen Text sicher jeder nachvollziehen kann. Wenn aus einem leichten Schwipps (Seidla, in der Mundart) ein Rausch wird und man einfach abschmiert.

Dann ist auch die “Marie“ der ich immer glaub, aber sie glaubt mir nie. Warum nur?

Weil sie “Horch(t), was kommt von draußen rein“? Dieses bekannte Volkslied gibt es als kurze Folk-Punknummer, die keinen Menschen mit Rhythmusgefühl still sitzen lässt. Ja vielleicht geht es auch um “Scheiss grosse Eier“, den der Rock´n´Roll ist wie Medizin.

Ich glaub noch niemand hat bisher so charmant Eier auf Dreier gereimt. Ja, da geht’s um bei den Herren Musikern. Da legst da nieder.

Am Ende der Scheibe kommt mit “So lang ich hier bin“ zum Abschluss ein wirklich trauriger Song, dessen Handlung sich real bestimmt oft genau so zugetragen hat.

GANKINO CIRCUS haben sich ab ihrem dritten Album “Frankonian Boogaloo“ einen anderen Stil zugelegt, der sich von den beiden ersten Alben deutlich unterscheidet. Dieser Stilwechsel war kein schlechter. Das hört man auf “Die letzten ihrer Art“. Es ist allerdings auch ein Album was gehört und entdeckt werden will, zumindest wenn man der fränkischen Mundart nicht mächtig ist und die Texte lesen muss um alles zu verstehen.

Es ist aber auch ein Album, dass sich musikalisch recht angenehm anhört und man somit verleitet werden kann, die Platte als seicht und die Texte als belanglos zu sehen.

Das wäre ein Fehler!

Musikalisch spielt die Band nach wie vor auf hohem Niveau und textlich zeigen sie auch, dass sie sowohl gute Beobachter, Analysierer als auch gute Schreiber sind.

So ist das Album “Die letzten ihrer Art“ eine Perle geworden, vielleicht erwachsener als die vorherigen Alben, vielleicht lebenserfahrener aber auf jeden Fall etwas Besonderes.

Verpackt ist die Scheibe in einem sehr ansprechenden Digipack mit schönem Booklet.

Nur schade, dass die Band sich mehr im Bereich der Kleinkunst bewegt, aber vielleicht finden sie ja auch mal wieder den Weg auf die Bühnen von Straßenfesten und kleinen Clubs, den auch da passen sie wunderbar rein. Das Konzert im Badehaus in Berlin ist nach wie vor unvergessen.

P.S.: Zum Song "Marie Marie" gibt es folgendes Video:
https://www.youtube.com/watch?v=TwS_h5Cdjio
Viel Spaß.


Geschrieben von Frank am 12.01.2018, 10:05 Uhr


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