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The Soundabout - Nooit Genoeg

The Soundabout - Nooit Genoeg

CD Selbst / iMusician Digital 01.05.2014
  7 / 10

Weitere Informationen:
http://soundabout.nl/


Wer es sich als Schreiberling leicht machen will, der arbeitet einfach in einem Dutzend Zeilen die beliebtesten Vorurteile ab, packt sie in bildhafte Formulierungen und kann sich gewiss sein, dass auch der Leser sich freut. Wer bekommt nicht gern bestätigt, was er zu wissen glaubt?
Wie wäre es zum Beispiel hiermit: Ska wird von Jamaikanern gespielt, von Skinheads gehört, und stellt im Grunde eine Offbeat-Version von klassischem Soul dar. Die Musik ist fröhlich, gut tanzbar und in ihrer Eigenschaft als Unterhaltungsprodukt textlich unbedarft. Die Bands haben des weiteren Namen, in denen auf unlustige Weise der Name des Genres verbaut ist.
Spätestens die Summe dieser Eigenschaften würde bei mir die berüchtigte „Skallergie“ auslösen (falls es das noch nicht als Bandnamen gibt, bitte schön, könnt ihr geschenkt haben).

Passt zum Glück bei der Vorliegenden CD schon nicht so recht. THE SOUNDABOUT kommen aus Amsterdam im schönen Holland und singen auch in der Landessprache. Wo wir gleich bei einem weiteren Vorurteil wären: Niederländisch sei keine Sprache, sondern eine Halskrankheit. Mal ganz ehrlich, wie oft habe ich mir im Ausland anhören müssen, meine Sprache klänge wie Hundegebell, von Leuten, die Deutsch in ihrem Leben vielleicht einmal in einer Doku über Hitler vernommen haben... Und so, wie man auch auf Deutsch seiner Liebsten zärtliche Wörter ins Ohr säuseln kann, ohne dass sie Reißaus nimmt, so kann man auch auf Niederländisch texten, singen und rappen, ohne nach einer Käsereibe zu klingen (Da, schon wieder! Wer findet das Klischee?).
Das lässt sich gut hören, auch wenn man es nicht versteht, es hat Flow, Melodie und einen funky Rhythmus. Und wer des Niederländischen mächtig ist oder wie ich Google um Übersetzung bittet, kommt gar dahinter, dass die Texte eben nicht belanglos sind, sondern auf eine clevere Weise sozialkritisch. Es werden Perspektiven verschiedener Personen angenommen und so die täglichen Widersprüche in unserem modernen Leben verdeutlicht: Zwischen arbeiten wollen und nicht dürfen, sich abrackern bis zum Burnout, alles kaufen wollen auf Pump bis zum Crash, sich selbst darstellen und die Hoffnung auf einfache Lösungen für diffuse Ängste in der Tagespolitik wird in sechs Songs erstaunlich viel transportiert.
Bleibt noch die Musik, und da ist es eben so, entweder man mag Ska, oder nicht. Ich konnte mir die sechs Stücke in 23 Minuten ohne Langeweile anhören, da ist auch genug Abwechslung. Herausragend fand ich dabei das Titelstück, welches zugleich das langsamste ist. Es ist, genre-untypisch, nicht fröhlich, sondern nachdenklich und hat im Refrain als einziger Song eine gezielt platzierte verzerrte Gitarre, welche genau den richtigen Druck erzeugt, um die Stimmung extra zu unterstreichen. Aber auch sonst sind die Lieder durchgehend gut geschrieben, immer sind interessante Ideen, sind Riffs und Hooks dabei, die hängenbleiben. Bei einer Band, die seit acht Jahren tätig ist, kann man das wohl auch erwarten. Eigentlich schade, dass man sich sprachlich bedingt auf ein relativ überschaubares Publikum konzentriert, aber das ist eben auch für deutsche Bands oft die Frage – singe ich in meiner Muttersprache, in der ich die Dinge so ausdrücken kann, wie in keiner anderen, oder richte ich mich gleich an die ganze englisch sprechende Welt?
Wer statt meiner vielen Worte jetzt endlich mal die Mucke selbst schmecken will, der kann sich ein lekker Video oder gleich die ganze CD in digitaler Form zu Gemüte führen, denn die gibt es auf der Bandsite zum Streamen und Downloaden. Pick it up!

P.S.: Der Transparenz im Fanzine-Wesen schulde ich es, öffentlich zu kennzeichnen, dass ich mit dem Posaunisten der Band vor etwa 7 Jahren den Surf Club Haarlem gegründet habe. Dessen Existenz sollte vor allem das Hören von Surfmusik bei gleichzeitigem Whiskeykonsum befördern, darüberhinaus war die Mitgliedschaft exklusiv uns beiden vorbehalten und verpflichtete uns, unter keinen Umständen wirklich surfen zu lernen. Cowabunga!

Geschrieben von King Kraut am 15.09.2014, 23:13 Uhr


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