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DIE SKEPTIKER
Weitere Informationen:
https://www.dieskeptiker.com/
https://www.facebook.com/DieSkeptiker
40 Jahre DIE SKEPTIKER!
Das muss man erst einmal sacken lassen.
40 Jahre PUNKROCK!
Wie geht das?
In der DDR gegründet, hat sich die Band durch die Wendewirren gespielt, langsam aber stetig auch außerhalb von Ostdeutschland Fans gewonnen und ist mittlerweile eine Institution in Sachen Punkrock geworden. Das liegt nicht alleine daran, dass es nur wenige Bands gibt, die so alt geworden sind. Es liegt vor allem daran, dass die Texte, die Eugen Balanskat als Sänger und Kopf der Band schreibt, nach wie vor relevant sind. Dazu ist die Band musikalisch keinen Deut ruhiger geworden. Eher das Gegenteil ist der Fall. Es gibt ja auch wahrlich mehr als 1000 gute Gründe dafür.
Eugen war so freundlich mir ein paar Fragen zu 40 Jahre DIE SKEPTIKER und dem Hier und Jetzt zu beantworten.
Die Band ist dieses Jahr auf großer Jubiläumstour!
Hingehen ist für alle mehr als Pflicht!
Geschrieben von Frank Heute, 22:20 Uhr
E: Das ist schon eine fette Hausnummer, die mich wirklich extrem erfreut.
Wenn man als junger Mensch beginnt, seinen Weg im Leben erst zu suchen
und dann zu gehen, kann man eine solche Zeitspanne weder erhoffen,
geschweige denn überblicken. Das Leben verläuft selten geradlinig und es wirkt
fast wie ein Wunder für mich, daß meine Hauptfreude, die Musik, so lange schon Bestand hat und mich trägt.
Auch wenn viele Kolleginnen und Kollegen erfolgreicher geworden sind, befinde
ich mich mit meiner Band doch in einer Qualitätsnische, die uns bis heute
Zulauf bei unseren live Konzerten verschafft und somit eine
Daseinsberechtigung in der Musikwelt ermöglicht. Davon zu leben war uns nicht
vergönnt, aber Lebenssinn und Freude hat mir das Musizieren immer gegeben.
Wenn man für etwas brennt, muss man es durchziehen, gegen alle
Widrigkeiten, sonst ist man nur ein Strohfeuer, und das sind Die Skeptiker
nach nunmehr 40 Jahren nun wirklich nicht.
Ich fand das 35 jährige Jubiläum schon toll, aber ein runder Geburtstag ist
irgendwie noch mal spektakulärer und ich bin darüber sehr glücklich.
F: Du hast mit DIE SKEPTIKER in der DDR angefangen und hast einen
kompletten Systemwechsel erlebt. In den letzten Jahren wächst die AfD
immer stärker und das Klima wird rauer. Hast du Angst, dass es wieder zu
einem Systemwechsel hin zu einer rechtskonservativen, möglicherweise
diktatorischen Regierung kommen kann?
E: Wenn die CDU mit der AfD gemeinsame Sache macht, was sie ja teilweise
schon tut, dann war es das mit der Demokratie. Es ist einfach unsäglich
das so ein neuer Nazihaufen in einer aufgeklärten Gesellschaft Zulauf erhält.
Was die neuen Nazis vorhaben, hat Höcke in seinem Buch anschaulich beschrieben, und das unterscheidet sich nicht sehr, von den Grausamkeiten des Dritten Reiches, er verbrämt es nur etwas, mit angelehnter Sprache, die noch etwas umschreibend formuliert. Die Unmenschlichkeiten sind daraus aber eindeutig rauszulesen, einfach unfassbar, dass so ein menschenverachtender Typ nicht in der Klapse sitzt.
Selbst Weidel und Konsorten sollten sich nicht all zu sicher fühlen, siehe "Röhm
Putsch", "Die Nacht der langen Messer", nur mal so, als historischer Verweis.
Vor einem Systemwechsel im Allgemeinen hätte ich keine Sorge, vor einer
neuen rechten Diktatur allerdings durchaus. Die Geschichte hat gezeigt, wohin das führt, wie es abläuft und endet, das bringt nichts Gutes.
Ich bin durchaus auch unzufrieden mit der aktuellen Politik, die sich von der CDU
geführten Regierung immer weiter nach rechts verschiebt, unter zuschauendem Nichtstun der SPD, bzw. deren Tolerierung der Schleifung sozialer Errungenschaften.
Trotzdem ist das niemals ein Grund eine Partei zu wählen, die zutiefst inhumane Ziele verfolgt und eine neue Diktatur errichten will. Mir hat schon die vergleichsweise harmlosere Version der DDR gereicht, eine neue Nazidiktatur will ich keinesfalls erleben.
F: In Berlin sind dieses Jahr Wahlen. Was erhoffst du dir von diesen
Wahlen?
E: Hoffnungen verbinde ich damit nicht wirklich, nur den Wunsch, daß der aktuelle
Regierende Bürgermeister sein Amt verliert, samt seiner unsozialen Partei und beide in der Versenkung verschwinden mögen.
Ich finde Berlin hatte schon lange keinen guten Regierenden Bürgermeister mehr und die zunehmende soziale Verrohung im Politikbereich ist wirklich zum Haare raufen.
Mieten steigen, Klubs müssen aufgeben, es geht nur noch um's Geld, kulturelle
Schutzräume kann ich nicht erkennen, wenn man von Elitenkultur wie der Oper mal absieht.
Gegen rechte Aktivisten wird viel zu wenig unternommen, stattdessen bläst man
zum Kampf gegen alles Linke, obwohl die Probleme vom rechten Lager verursacht werden.
F: Kommen wir zu DIE SKEPTIKER. Ich würde gerne wissen, wie du es
schaffst, immer noch so viel Vitalität und Kraft auf der Bühne auszustrahlen und mit so einer kräftigen Stimme zu singen.
E: Ich habe bis Mai letzten Jahres einen Beruf in der Veranstaltungsbranche
ausgeübt, der auch körperlich oft herausfordernd gewesen ist, vielleicht
hat mich das fit gehalten, denn seit ich mit nunmehr 67 Jahren in Rente bin, habe ich doch etwas zugelegt, was vorher durch sehr viel berufsbedingte Bewegung kein Thema war. Fit bin ich aber immer noch, wofür ich der Natur natürlich dankbar bin, und eines will ich auf gar keinen Fall, dass ich oder die Band wie eine Rentnergruppe auf der Bühne rüberkommt.
Punk ist wilde Energie, die zelebriert werden will, und sollte das irgendwann nicht mehr gehen, dann war es das mit live Konzerten für mich.
Für die Stimme ist tägliches Üben angesagt, damit sie geschmeidig und
verwendbar bleibt, und ich hoffe, sie hält noch ein Weilchen durch.
F: Euer Gitarrist hatte im letzten Jahr eine Verletzung am Handgelenk.
Kann er wieder uneingeschränkt spielen?
E: Ja das kann er schon, aber so richtig gut ausgeheilt ist die OP nicht.
F: Wie läuft die Tour “40 Jahre DIE SKEPTIKER“ bisher?
E: Wir stehen ja erst am Anfang unserer Konzerte aber die, die bisher gespielt
wurden, waren aber absolut großartig, sowohl vom Zulauf, als auch von
der Stimmung her. So darf es gerne weitergehen im Jubiläumsjahr.
Es ist einfach toll, nach so langer Zeit immer noch so wertgeschätzt zu
werden.
F: Gibt es Songs die dir bei DIE SKEPTIKER besonders wichtig sind?
E: Eigentlich sehr viele, aber um mal einige Songs zu nennen:
Der Rufer in der Wüste schweigt
Dada in Berlin
Pierre und Luce
Titania
Wann oder wie
40 Jahre...
F: Auf der Toursingle die wahrscheinlich weg geht wie warme Semmel ist
auf der Seite B der Song “Kenne deinen Feind“. Ich beziehe den Song
stark auf eine Partei, aber der Text ist wahrscheinlich bewusst offen
gelassen, warum?
E: Nun es war schon immer mein textlicher Ansatz, Dinge so zu formulieren, daß
sie eine Allgemeingültigkeit bekommen, damit sie nicht verderben, wie eine Tagesnachricht.
Der Aufreger von heute ist das Vergessene von morgen, und ich möchte jeweils das Übergreifende oder Allgemeingültige daraus festhalten. Das war mein Ansatz schon zu DDR Zeiten, und dass er funktioniert beweist ja schon allein die
Tatsache, dass wir selbst die Stücke aus frühester Zeit auch heute noch ohne Probleme spielen können. Nicht weil sie beliebig sind in den Texten, sondern weil meine Arbeitsweise selbst über gesellschaftliche Umbrüche hinweg Relevanz besitzt. Das ist kein Zufall, sondern wurde von mir bewusst so angelegt.
Mir fehlt oft die Leichtigkeit, Dinge lax und flott von der Hand zu formulieren, für mich soll es immer einen gewissen Anspruch erfüllen oder Sinn ergeben.
Mit sogenannten Fun-Punkbands konnte ich zum Beispiel nie etwas anfangen, obwohl die natürlich auch ihre Berechtigung haben.
Eine Zeile von ZSK lautet: "Alle meine Freunde hassen die AFD."
Klar das ist eine gute Aussage, aber sollte diese unsägliche Hetzpartei in der Versenkung verschwinden, wäre das Musikstück irrelevant und würde wahrscheinlich nicht mehr gespielt werden. Deshalb würde ich eher allgemeiner gegen alle rechten Parteien, wovon es ja einige gibt, formulieren, so wie ich es auch in "Kenne deinen Feind" getan habe.
In "Kenne deinen Feind" sind auch unsägliche Personen mit diktatorischen
Ambitionen gemeint, und das auch nicht nur auf Deutschland bezogen.
Es ist also aus meiner Sicht vielfältiger gefasst.
F: Ihr nehmt gerade ein neues Album auf. Was erwartet uns auf dem Album?
Kannst du schon einen kleinen Einblick geben?
E: Ich denke das ist ein ganz guter Bogen von flotteren Nummern, bis hin zu
einem Stück, das sich anfühlt wie von Black Sabbath. Es freut mich auf
jeden Fall auch, textlich nicht nur aktuelle Themen aufgegriffen zu haben, sondern in zwei Stücken sehr weit in die Antike und auch in biblische Zeit zu gehen. Themen wie Krieg und Vergewaltigung sind leider Dauerbrenner in der menschlichen Geschichte und selbst in Erzählungen über Götter sehr präsent.
Musikalisch von Punk bis groovig, teilweise überraschend, irgendwie
vielleicht anders als erwartet.
F: Am 20.06.2026 spielt Ihr beim Ostrock-Festival in Neuruppin.
Dort spielen neben euch u.a. Stern Combo Meissen, IC Falkenberg und auch Sandow oder auch die Rainbirds.
Was verbindet euch mit diesen Bands, die auf den ersten Blick recht wenig mit Punkrock zu tun haben?
E: Nicht sehr viel, bis auf die Herkunft aus der untergegangenen DDR, außer die
Rainbirds natürlich, die ja aus dem ehemaligen Westen kommen.
Stern Combo Meißen z. B. sind eine qualitativ sehr hochwertige Gruppe die schon seit einer gefühlten Ewigkeit existieren, über 50 Jahre mittlerweile - Respekt dafür. Sie haben hochwertige Kompositionen und Texte und mit Manuel auch einen tollen jungen Sänger und Komponisten, der ihr Niveau auf Top-Level hält.
Mit Sandow kann ich nichts mehr anfangen, sie waren als junge Band früher mal
interessant für mich, aber je mehr sie sich vom erdigen Rock´n´Roll verabschiedeten, um so irrelevanter wurden sie aus meiner Sicht, aber das können ihre Fans natürlich durchaus anders empfinden.
Es geht ja bei diesem Festival nicht um meinen Geschmack, sondern darum aktive Künstler von einst bis heute zu präsentieren.
Mit IC Falkenberg verbinde ich gar nichts, klar ein fähiger Musiker, aber
nicht meine Baustelle.
Auf die Rainbirds freue ich mich wiederum, weil ich sie bei Ihrem Konzert auf der Radrennbahn in Berlin Weissensee, zum Ende der DDR, erleben und auch in Teilen persönlich kennenlernen durfte.
Das Festival ist ja auch kein Punk-Festival, sondern eine Präsentation von zu
DDR-Zeiten gegründeten Bands, bis auf die Rainbirds, die als Gäste geladen
sind. Insofern geht das für mich auch in Ordnung so, mit dem musikalisch gespannten Bogen.
F: Eugen, du schreibst seit Jahren Gedichte, hast unter deinem Namen ein
Rock-und ein Symhonic-Album veröffentlicht und bald kommt ein neues
Album von DIE SKEPTIKER. Was hast du für die nächste Zeit noch alles
geplant?
E: Zum Herbst diesen Jahres will ich ein weiteres Soloalbum herausbringen, dass
aber sehr balladesk gehalten sein wird. Ich mag halt sowohl die krachigeren Stücke bei DIE SKEPTIKER, als auch besinnlichere Töne. Das ist nicht etwa dem Alter geschuldet sondern eher der Vielfalt, die präsentiert werden soll.
Nach meinen zwei Gedichtbänden, steht nun eine Bandbiographie als
nächstes an. Ob die allerdings noch 2026 erscheinen wird, kann ich momentan nicht absehen oder überblicken, da die Konzerte, auf die ich mich sehr freue, doch viel Zeit in Anspruch nehmen. Ich setze mich da nicht unter Druck, Hauptsache es wird in absehbarer Zeit fertig.
F: Was erwartet uns, wenn Ihr 40 Jahre DIE SKEPTIKER auf der Bühne
zelebriert?
E: Die raue Energie und der Spaß des Punk-Rock. Wir haben einige Titel im
Programm ausgetauscht und auch durch neue ergänzt, so z.B. die Tour Single "40 Jahre" und eine Nummer, die auf dem neuen Studioalbum erscheinen wird. Auch haben wir einen Titel mit dem Namen "Berlin" von dem Album" Frühe Werke" mit im Programm, der zu DDR-Zeiten einer meiner Lieblingstitel gewesen ist, weil er die Teilung der Stadt zum Thema hatte. Den Text musste ich dafür etwas
aktualisieren, was aber kein Problem dargestellt hat.
Es soll ein energiegeladener Abend werden, bei dem wir uns in Berlin auch auf
unsere Gäste freuen, als da wären "Freunde der Italienischen Oper"
und "Brutal besoffen". Nicht zu vergessen DJ Vossi der danach noch
zünftige Punk Klassiker auflegen wird.
Wir freuen uns schon sehr auf den Abend in Berlin, wie auch natürlich auf all die anderen Konzerte.
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