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Across The Border

10.07.2007 p-u-n-k.de

Weitere Informationen:
http://www.acrosstheborder.de/


Geschrieben von aaaaaprvdgrwwelt am 10.07.2007, 00:00 Uhr


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aaaaaprvdgrwwelt:
Kölsch, du bist Gründungsmitglied der 1991 gegründeten Folk-Punkband. Wie war das damals, wie kamt ihr ausgerechnet auf die Idee, diese beiden doch sehr unterschiedlichen Musikstile zu mixen und wie würdest du diese Band heute selbst einem Unbedarften beschreiben?

Kölsch:
Als wir 1991 anfingen, gab es in England bereits Bands wie die Levellers oder die Pogues die bereits in den 80er Jahren Folk und Punk mischten. Das waren in den Anfangstagen auf jeden Fall unsere musikalischen Vorbilder. Mit der Zeit kamen immer wieder neue Einflüsse hinzu, so dass irgendwann was eigenständiges dabei rauskam. Eben der unverwechselbare Across the Border
Sound.

Heute würde sehe die Band eher im Punkrock als im Folk-Bereich angesiedelt. Bei Amazon hat einer geschrieben: "Punkrock mit Akkordeon und Geige". Das triffts ganz gut. Allerdings decken wir musikalisch ein weitaus größeres Spektrum ab als eine reine Punkrock-Band. Es gibt z.B. auch mal ruhigere Momente bei den Konzerten und ich denke dies trägt auch zum großartigen Flair eines Across The Border Konzerts bei.



aaaaaprvdgrwwelt:
Ihr wart in den Jahren von eurer Gründung 1991 bis zur Auflösung 2002 als eine tourfreudige Band bekannt. Wie ließen sich die vielen Auftritte mit eurem Leben, sowohl privat als auch beruflich vereinbaren? Habt ihr mitgezählt, wie oft ihr in der Zeit aufgetreten seid? Kam da nicht irgendwann der Wunsch auf, mit massenkompatibleren Texten und Klängen irgendwann ganz von der Musik leben zu können?

Kölsch:
Wir haben ca. 300 Konzerte gespielt, viel geprobt und 6 oder 7 CD's aufgenommen. Die Doppelbelastung Band und Job führte dann 2002 zur Auflösung der Band. Wir hätten sehr gerne von der Musik gelebt, das würden wir auch heute noch gerne. Allerdings die Band deswegen massenkompatibel umzugestalten ist nicht unser Ding. Wir sind wie wir sind. Wir gehen auch nicht Klinkenputzen bei Labels oder Majors. Wenn jemand mit uns Geld verdienen will, muss er schon auf uns zukommen. Wir konzentrieren uns lieber auf das was wir können: Gute Konzerte spielen und zeitlose Musik zu komponieren. Wer das checkt hat Glück, wer das verpasst hat Pech.



aaaaaprvdgrwwelt:
Die zeitliche Komponente wird sich in den letzten fünf Jahren vermutlich nicht verbessert haben. Wie kommt es dann zu dem Entschluss, doch wieder gemeinsam spielen zu wollen? Ist beispielsweise geplant, weniger Konzerte zu geben als früher? Kann man überhaupt von einer wirklichen Auflösung sprechen, gab es doch selbst nach eurem Abschiedskonzert noch (seltene) Auftritte. Und was wird jetzt aus den Bands Tora Tora Bora und Ahead To The Sea, in denen noch ATB-Mitglieder spielen?

Kölsch:
Die zeitliche Komponente hat sich eher noch verschlechtert. Jochen wird ja weiterhin bei "Ahead to the sea" singen und Bieber wird weiterhin bei "Pascow" spielen. Wir haben uns so geeinigt, dass es ca. 10 Across the Border Konzerte pro Jahr geben wird. Das müsste funktionieren. Die Auflösung 2002 war damals schon ernst gemeint. Wir konnten nicht mehr. Burn-out! Und auch bei den Konzerten 2005 und 2006 war nicht von einer Re-Union die Rede. Allerdings haben wir, und ich denke auch das Publikum gemerkt, dass uns allen etwas gefehlt hat ohne Across The Border. Diese Konzerte gaben letztendlich den Anstoss für die endgültige Re-Union.



aaaaaprvdgrwwelt:
Neben den Konzerten habt ihr euch noch mehr vorgenommen. So ist bereits eine neue CD angekündigt. Wie ist hier der aktuelle Stand, sind schon Stücke dafür fertig, inwieweit hat sich der Sound zu den früheren Tonträgern entwickelt? Stehen gar schon Studio- oder gar Releasetermine?

Kölsch:
Wir haben momentan 4 neue Songs in der Mangel. Vom Sound her wird sich nichts ändern, es werden typische Across The Border Gassenhauer. Eine Ballade ist auch geplant und auch eine weitere Cover-Version. Studio ist noch nicht gebucht, wird wohl Winter werden bis alle Songs fertig sind. Release-Termin steht noch nicht fest.



aaaaaprvdgrwwelt:
Eure Konzerte in den letzten beiden Jahren waren immer propevoll, so wie auch euer Abschiedskonzert. Gesetzt dem Fall, das bleibt auch weiterhin so, haltet ihr trotzdem strikt an der selbst aufgesetzten Marke von etwa 10 Konzerten fest oder lasst ihr euch da auf längere Sicht alle Freiheiten offen? Weiter gedacht, der gegenteilige Effekt würde eintreten und ihr spielt nur noch vor einer handvoll Alt-Fans, kann ATB als Studioband existieren?

Kölsch:
Die Anzahl der Konzerte hängt wie gesagt vom Zeitplan der einzelnen Bandmitglieder ab. Aber ich könnte mir vorstellen, dass wenn es wirklich sehr gut laufen sollte, wir auch mehr Konzerte geben werden. Across The Border kann als Studioband nicht existieren. Eine Band wie wir muss Konzerte spielen um bekannter zu werden, da wir ja von Radio und TV nicht mit Unterstützung rechnen können. Ausserdem machen Konzerte auch viel mehr Spass als Studioaufnahmen.



aaaaaprvdgrwwelt:
Wie sieht es in eurem Umfeld aus, Freunde, Bekannte, Verwandte, aber auch im Beruf, wissen da alle von eurer Aktivität in der Band? Und wie wird das dort aufgenommen? Irgendwann bekommt man doch unweigerlich solche Aussagen zu hören wie "Inzwischen bist du für so etwas doch viel zu alt. Mach lieber etwas vernünftiges in deiner Freizeit wie Gartenarbeit oder Töpfern." Habt ihr Probleme damit, vor einem Publikum zu spielen, das im Schnitt deutlich jünger ist als ihr?

Kölsch:
Im Beruf ist es bei mir so, dass meine Kollegen musiktechnisch nicht interessiert sind. Across The Border ist also überhaupt kein Thema. Kann eigentlich keiner was mit anfangen. Im Bekanntenkreis wird es positiv aufgenommen, da die meisten immer gerne auf die Konzerte im Umkreis gegangen sind. Die kommen auch jetzt alle wieder mit.

Das Alter von unserem Publikum ist doch ganz OK. Von 16-35. Was will man mehr? Jochen und ich waren übrigens auch mit 16 auf unserem ersten Punk-Rock-Konzert. Das war 1985 bei den Toten Hosen in Karlsruhe (Unter falscher Flagge Tour).



aaaaaprvdgrwwelt:
Stichwort Tote Hosen. Was hört ihr privat für Musik? Und was haltet ihr von der Mainstream Musik?

Kölsch:
Bei sechs Bandmitgliedern gibt es natürlich 6 verschiedene musikalische Vorlieben. Der gemeinsame Nenner ist ganz klar Punk-Rock. Ich persönlich höre gerne die Beatsteaks, die Pogues, Social Distortion oder Manu Chao. Mainstream Musik ist mittlerweile schwer einzuordnen. Sind z.B. Green Day Mainstream? Alternative-Rock ist ja mittlerweile auch schon Mainstream aber trotzdem gut. Und ich denke über Quatsch-Bands wie die No Angels, Sugarbabes und Konsorten müssen wir uns hier nicht unterhalten.



aaaaaprvdgrwwelt:
Nach so vielen Jahren auf der Bühne, was war da bisher euer peinlichstes Erlebnis, über das ihr niemals, unter gar keinen Umständen mehr reden möchtet? Was für Momente bleiben ewig im Gedächtnis?

Kölsch:
Unser peinlichstes Erlebnis war als wir ein Konzert nach 30 Minuten wegen Trunkenheit eines Bandmitgliedes abbrechen mussten. Ist aber schon lange her und seither auch nicht mehr passiert. Also Trunkenheit schon, aber kein Konzertabbruch deswegen.

Große Momente waren sicherlich unsere beiden Auftritte beim FEST in Karlsruhe, oder auch unsere Deutschland-Tourneen mit OysterBand oder mit Big Bag of Sticks. Und natürlich als wir zusammen mit DeeDee Ramone in Freiburg spielten. Oder unsere beiden Auftritte beim Force-Attack-Festival. Oder unsere legendären Weihnachts-Konzerte in Karlsruhe. Natürlich die Abschiedskonzerte im Karlsruher Substage. Es gibt eigentlich unzählige gute Momente die man auf über 300 Konzerten erlebt hat.



aaaaaprvdgrwwelt:
Beim Thema Trunkenheit fällt mir die Situation im Substage ein, als Jochen zur Mitte des Konzerts hin plötzlich anfing, zwischen den Liedern nach einem Fahrer zu suchen, der euch heim chauffiert. \"Das ist jetzt echt kein Witz, wir sind alle zu betrunken um noch fahren zu können. Wenn sich niemand meldet kommen wir heute nicht mehr heim\". Weißt du noch ob und wie ihr damals nach Hause gekommen seid? War es grundsätzlich schwierig, einen Fahrer zu bestimmen?

Kölsch:
Klar sind wir heimgekommen. Aber dieses Thema ist nach jedem Konzert ein Problem. Meistens fahren dann die Frauen bzw. Freundinnen, wenn sie dabei sind. Wenn nicht haben wir tatsächlich ein Problem oder 2-3 beleidigte nüchterne Fahrer.



aaaaaprvdgrwwelt:
Euer erstes Konzert nach der Reunion findet ausgerechnet am 07.07.07 in Rastatt statt. War das extra so geplant mit dem Datum um euch in 30 Jahren noch daran erinnern zu können oder purer Zufall? Habt ihr für das Konzert schon viele schöne Überraschungen für eure treuen Fans geplant, die extra von weit her anreisen...?

Kölsch:
Das Datum der Re-Union ist reiner Zufall. Für Überraschungen sind wir ja immer gut. Die sind dann aber ungeplant. Extra was überlegt haben wir uns nichts, ausser dass es mindestens so gut werden muss, dass wir nicht wissen wie wir heimkommen.



aaaaaprvdgrwwelt:
Euer erstes Konzert nach der Wiedervereinigung habt ihr jetzt hinter euch gebracht. Beim 777er Festival in Rastatt war die Menge vor der Bühne vom ersten Lied an in Bewegung. Da stellt sich unweigerlich die Frage - spürt ihr das Konzert jetzt stärker in den alten Knochen als früher?

Und die zweite Frage: Wie war's?

Kölsch:
Nein. Wenn man den nächsten Tag zum ausruhen hat, ist das überhaupt kein Problem. Kritisch wirds ab 3 aufeinander folgenden Konzerten. Ab da wirds dann anstrengend und man merkt dass man keine 20 mehr ist. Das Konzert gestern hat uns sehr gut gefallen. Das Publikum ging gut mit, Wetter war gut, Organisation hat gut geklappt. Jetzt freuen uns schon riesig auf unser Heimspiel in Remchingen am 27.10.07. Bis dahin werden wir uns verstärkt aufs Songwriting für die neue CD konzentrieren.



aaaaaprvdgrwwelt:
Dann warten wir jetzt gespannt auf die Fertigstellung eures neuesten Werks. Jetzt nach ein paar Abschlussworten zu fragen wäre wohl verkehrt, da ihr doch erst am (Neu-)Anfang steht. Oder?

Kölsch:
Genau! Weiterrocken!!!
And always remember: Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da!

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