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Kreator - Krushers Of The World

Kreator - Krushers Of The World

CD Nuclear Blast / Warner 16.01.2026
  8 / 10

Weitere Informationen:
https://www.youtube.com/watch?v=xPRvLYHKD-I
https://www.youtube.com/watch?v=ZXGKDM2mjjs
https://www.youtube.com/watch?v=rv9arEpXBLE


Wie die Zeit vergeht. Schon wieder 4 Jahre her, dass ich KREATORs Hate Über Alles besprechen durfte. Die alten Herren hauen aber fleißig Alben neue Alben raus. Krushers of the World setzt dort an, wo das letzte aufgehört hat, wirkt aber in der Produktion transparenter und direkter. Die ersten beiden Songs, Seven Serpents und Satanic Anarchy, kommen mit der Wucht und dem Tempo, die man von KREATOR erwartet: Double-Bass-Drums, die wie ein Presslufthammer auf die Ohren einschlagen, und Gitarrenriffs, die sich mit der Präzision eines chirurgischen Skalpells durch die Stille schneiden. Hier zeigt sich sofort, warum die Band seit Jahrzehnten zu den unangefochtenen Meistern des Thrash gehört. Die Aggressivität und das Tempo dieser Stücke sind genau das, was den Reiz des Genres ausmacht: ungebremste Energie, die mich sofort mitreißt.

Das Songwriting auf Krushers of the World bleibt bewährten Mustern treu, und das ist gut so. Die einfachsten Rezepte sind oft die besten, und KREATOR beherrschen ihren Werkzeugkasten perfekt. Rasende Riffs und ein unerbittliches Drum-Dauerfeuer wechseln sich mit hymnischen Refrains ab, die durch Melodien und Chöre einen fast epischen Charakter erhalten. Selbst subtile Keyboards sind zu hören, die den Songs eine zusätzliche Tiefe verleihen. Genau, diese anstrengenden Geräte aus den 80ern, die eigentlich im Metal verboten sind.

Das Titelstück Krushers of the World selbst bewegt sich dann in Richtung Midtempo-Marschmusik. Wie ein gewaltiger, stampfender Koloss, der langsam, aber unaufhaltsam voranschreitet. Dieser Song bietet eine willkommene Abwechslung und zeigt, dass KREATOR nicht nur auf reine Geschwindigkeit setzen, sondern auch mit dynamischen Tempowechseln spielen können.

Ein besonderes Highlight ist Tränenpalast, das durch die Gastsängerin Britta Görtz von Hiraes eine zusätzliche Dimension erhält. Während Sänger Mille Petrozza wie ein wütender Metal-Warrior klingt, fügt Britta Görtz eine fast dämonische Stimme hinzu, die den Song in eine andere Sphäre hebt. Es ist schade, dass die Texte nicht vorliegen, da der Tränenpalast als historischer Ort im Berlin der DDR eine besondere Symbolik trägt. Dennoch bleibt der Song ein faszinierendes Hörerlebnis, das durch die Kombination der Stimmen und der düsteren Atmosphäre besticht.

Überhaupt, die Texte von KREATOR. Sie sind oft von bildhafter Symbolik, die eher der Stimmung dient als einer klaren Botschaft. Vielleicht liegt darin auch der Reiz. Sie lassen Raum für Interpretation und schaffen eine düstere, fast mythische Atmosphäre. Ob der Autor dabei tiefere Bedeutungen im Sinn hat oder einfach nur ein Gefühl transportieren will, bleibt seine Geheimnis. Das ist vielleicht auch nebensächlich, und am Ende zählt die Wirkung der Musik. Wir sind hier nicht im Literaturkurs.

Ein weiterer Höhepunkt ist Blood Of Our Blood, das mit einem Gitarren-Battle aufwartet, das an die besten Zeiten von Bands wie JUDAS PRIEST erinnert. Solche Momente zeigen, dass KREATOR nicht nur auf rohe Gewalt setzen, sondern auch handwerkliches Können und musikalische Feinheiten zu schätzen wissen.

Das Album bietet auch 6/8-Schunkelmetal, der überraschend gut funktioniert. Ein durchgehendes Gaspedal würde das Album ermüdend machen, und so sorgt die Abwechslung für einen angenehmen Fluss. Die Speed-Metal-Riffs überwiegen, und das abschließende Loyal To The Grave entlässt den Hörer mit einem dick aufgetragenen Weltuntergangs-Pathos. Kleines Detail am Rande: Hat der Drummer tatsächlich eine Kuhglocke in den Song geschmuggelt? Falls ja, zeigt das, dass KREATOR trotz aller Härte ihren Humor nicht verloren haben.

Insgesamt ist Krushers of the World ein Album, das KREATOR als Meister ihres Fachs bestätigt. Sie zeigen, dass sie nach wie vor in der Lage sind, ihren Thrash Metal mit Präzision und Leidenschaft zu spielen, ohne sich in Experimenten zu verlieren. Keine Ahnung, was Fans der ersten Stunde dazu sagen – ich als relativ neuer Hörer kann mir das gut geben und werde mir auch die Live-Umsetzung zu Gemüte führen.

Das kuriose Video zu Seven Serpents rundet das Erlebnis ab. Eine irgendwie kitschige, KI-generierte Medusa trifft auf Herr der Ringe, und der Song vereint bereits alle Qualitäten des Albums in sich. Wer das mag, wird das ganze Album lieben. Und wer KREATOR mag, wird dieses Album sowieso lieben. So einfach ist das.


Geschrieben von King Kraut Gestern, 23:56 Uhr


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