» Übersicht
» Neuigkeiten
» Reviews
» Interviews
» Konzertberichte
» Links
» Suchen
» Kontakt
» Über uns
» Datenschutz
» Impressum
E FOR EXPLOSION - REINVENTING THE HEARTBEAT
Wallende Keyboardschwaden, zirpende Riffs, whiskyweiche Akkorde, very british anmutende Verse über vorauseilenden Liebeskummer und akneromantische Weltverleugnung, parfümiert mit dem diskreten Charme der Psychiatrie. Da bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als die zurechtgelegten Metaphern zwischen "Granate", "Rohrkrepierer" und "Blindgänger" in die Tonne zu kloppen und mit INDIE POP das Einmachglas zu etikettieren, bevor man "Reinventing The Heartbeat" zum anderen Eingedosten ins Kellerregal stellt, und zwar in die Nähe der Multicoloured Shades oder was man sonst noch so aus den späten 80ern gehortet und sich dem melidiösen Langzeitgedächtnis entzogen hat. Fragt sich nur: Wie indie sind E For Explosion eigentlich? Wie sehr indie sind sie noch?
Mastermind von "E For Explosion" ist nämlich der amerikanische Singer/Songwriter Jamison Covington, der bereits mit zarten 18 Jahren als Hälfte von JamisonParker bei einem Major Label unterkam und auch schon stolze 30.000 Alben in den USA verkaufen konnte. Ein Talent, ein großes sogar, vielleicht sogar ein BRAVO- und VIVA-Gesicht, ganz bestimmt aber jemand, der ein Marktsegment und eine Zielgruppe bedienen kann. Die Hauptkundschaft von "Reinventing The Heartbeat" dürfte aus jungen Damen bestehen, so in etwa zwischen 23 und 28 Jahren, die das Red Bull-Wodka-Alter bereits überschritten haben, zwar noch nicht mit der Wärmflasche auf dem Sofa liegen, aber schon häufiger in brennende Kerzen starren. Wer nicht zu dieser Klientel zählt, darf auch beim zweiten Reinhören in dieses Album einiges getrost nerven. Da ist zum Beispiel diese seltsam verhaltene und gepresste, gesanglich doch arg limitierte Stimme von Mister Corvington. Doch scheint der Makel des "couragierten Flüsterns" Markenzeichen zu sein. So heißt es in "I Explode": "Damn this voice... The cowards shout".
Die Liebeslyrik Corvingtons kommt meistens händchenhaltend banal und ziemlich weicheirig daher. Das Spannendste dieses Albums macht aber die Diskrepanz zwischen Form und Inhalt, hier: Sound und Text aus. Das spätpubertäre Klagen wurde in durch die Bank fein, geradezu zärtlich arrangierte Klangarchitekturen gegossen. Es ist schon enorm, wie viel an Raffinesse und ausgeklügeltem Unterbau in diesen Songs steckt, ohne dass diese jedoch überladen oder gar klobig klingen. So larmoyant sich Corvington in seinen Texten gibt, umso selbstbewusster offenbart er sich als Komponist. Möglicherweise hat ihn das Label Eyeball Records zu sehr sein eigenes Ding erlaubt - auf gängige Refrains wurde offenbar bewusst verzichtet. Aber man scheint in New Jersey zu wissen, was man an Jamison Corvington und "E For Explosion" hat. "Reinventing The Heartbeat" könnte die Ouvertüre zu einem wirklich großen Popjuwel sein.
Geschrieben von Cheidi am 12.08.2008, 00:00 Uhr
Kommentieren
Weitere interessante Reviews
Lord Bishop Rocks - Tear Down The Empire
Geiler Typ, wie konnte der so lange unter meinem Radar fliegen? Über 30 Jahre rockt LORD BISHOP schon, war unterwegs mit Superstars der harten Stromgitarren und ist auch äußerlich ein...
Kreator - Krushers Of The World
Wie die Zeit vergeht. Schon wieder 4 Jahre her, dass ich KREATORs Hate Über Alles besprechen durfte. Die alten Herren hauen aber fleißig Alben neue Alben raus . Krushers of the World ...
THE AUTOCRATICS - NO TIME TO WASTE
THE AUTOCRATICS sind eine japanische Ska-Band die sich 2007 in der Hauptstadt Tokio gegründet haben. Die Ska-Szene ist eng vernetzt und Entfernungen spielen keine Rolle,. So haben die Japaner...
THE WALTONS - IT´S CHRISTMASTIME
Zu Weihnachten immer die gleichen Lieder? Das muss nicht sein! Endlich gibt es Abhilfe zu den schnöden Weihnachtsliedern der Kirchenchöre. THE WALTONS haben sich die Weihnachtsmütze auf...
SWISS & DIE ANDEREN - PUNK IST TOT
PUNK IST TOT! Wie viele Menschen haben das schon gesagt? Nun sagt SWISS & DIE ANDEREN das auch, dabei sind sie mit und durch Punk groß und bekannt geworden. Ist das Nekrophilie? Nein, Punk...
BENJAMIN ST. BABYLON - VOLKSMUSIK
Vor mehr als sechs Jahren schrieb ich eine Review für ramtatta.de über das Buch von BENJAMIN ST. BABYLON. Das Buch hört auf den schönen Namen “Gedankenjazz“ und die Review ist hier zu...
