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PEACH F.T.L. - Supernova
"Supernova" verwöhnt die Anhängerschaft der Neo-Metal-Formation Peach F.t.l. aus Montpellier gleich doppelt: Zur CD gibt es auch eine Making-Of-DVD mit durchaus neckischen Videos, in denen sich die Band überzeugend cool als Anti-Rockstars gibt und sich zum Beispiel auf einer Cocktailparty vom vorrätigen Schlampenmaterial nicht weiter vom Weltschmerzpoltern ablenken lässt. Beim ersten akustischen Eindruck drängt sich solch Schalkhaftigkeit aber keineswegs auf. Im Gegenteil: "Supernova" scheint sich Noch-Zeitgenossen anzudienen, von denen es in den Nachrichten im Fall des Falles regelmäßig heißt, sie wären unauffällig gewesen und hätten im Treppenhaus stets freundlich die Nachbarn gegrüßt, bevor sie sich bei ihrem vorzeitigen Schulabbruch im Klassenzimmer die allerletzte Kugel selbst gaben. Songtitel wie "On meurt ensemble" oder das horrorschwangere Cover tragen zu solchen (Fehl-)Interpretationen das Ihrige bei, wie auch die wie Schüsse schwirrenden Beats oder der oft folternd verschleppte Rhythmus, über den sirenenhafte Gitarrenkaskaden stürzen, wobei von Werteverlust, schwelendem Zorn, aufgestauter Wut auch mal spartenüblich gebrüllröchelt wird. Gut gemacht ist das schon, sogar überdurchschnittlich gut, virtuoser als von anderen Socken aus der Metal-Schublade, auch bringt das vokalreiche Französisch eine eigene musikalische, für dieses Genre unbedingt originelle Farbe mit ein. Doch die meisten Songs, und das ist das Verstörende, kratzen an großen Gefühlen, die aber nicht zum totalen Ausbruch, zum "großen Knall" gelangen. Dieses Unbehagen löst sich erst ganz am Schluss, in Form einer echten Pointe, im Finale der CD, "Juste une histoire", dem letzten der 13 Songs: Er kehrt nach minutenlangem Verstummen im Gewand eines klassischen Punkrock-Thekenhauers zurück. Uff, da rennt der Hase, eine echte Erleichterung. Beim zweiten Reinhören klingt "Supernova" dann schon unverfänglicher und taugt durchaus zur Beschallung des Leerens einer Rotweinflasche, und zwar am offenen Fenster, während eines Wolkenbruchs, nachdem man beschlossen hat, eine bestimmte Telefonnummer nie mehr zu wählen. Wenn die Welt schon schäbig und banal ist, dann kann ihr das Beklagen ein wenig Würde und Anmut verleihen - das ist vielleicht die Botschaft dieser Kapelle. In ihrer Heimat sind Peach F.t.l. eine richtige Hausnummer, haben in den elf Jahren ihres Bestehens zahlreiche Preise abgeräumt, kamen auch schon zu MTV-Ehren, sind aber vor allem durch das Soundbett eines TV-Werbespots bekannt geworden. Dass diese Band strikt französisch singt, macht die Erweiterung ihres Einflussgebiets leider nicht leichter, und das ist schon schade. Man hat es hier nämlich nicht nur mit einer Band zu tun, sondern mit Typen. Verquer, reiz- und geheimnisvoll, weil sie womöglich noch mehr zu sagen und zu denken haben als auf dieses Album passt. Erschienen ist "Supernova" bei Spectre Records.
Geschrieben von Cheidi am 14.10.2008, 00:00 Uhr
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