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Borrachos - Punkrock für lau
Seit August 2008 präsentieren die Borrachos (spanisch, auf deutsch: Säufer), drei Jungs aus Mönchengladbach, ihr neuestes Werk „Punkrock für lau“. Dabei halten sie, was sie versprechen, denn der Albumtitel ist hierbei Programm: Es ist eindeutig deutscher „Punkrock“ und „für lau“ ist er auch. Doch ist es sogar mehr als sie versprechen.
Vorurteile sollten vor dem Hören ausgesperrt werden, denn nur, weil das Album kostenlos ist, entspricht es qualitativ allen Anforderungen an ein professionelles Studioalbum. Laut den Interpreten wurde es in monatelanger Arbeit produziert – dies hört man.
Die Borrachos kann man voll und ganz als ernst zu nehmende Band mit ernst zu nehmenden Texten (15 Lieder des Albums sind auf deutsch und zwei auf englisch verfasst) und Aussagen akzeptieren, wie zum Beispiel anhand ihrer Gesellschaftskritik. So stellen sie unter anderem unsere heutige Wohlstandsgesellschaft an den Pranger und dass der Sinn für das wirklich Wichtige laut ihnen diesbezüglich längst verloren ist: „Ich sehe Promi-News und Castingshows doch nie das Tageslicht und dass ich hier unten sitzen muss, das interessiert euch nicht“ („Freiheit 2008“) oder weiterhin im selben Lied die Zeilen „Für euch da draußen ist das Leben eine Selbstverständlichkeit – Und ihr wisst es nicht zu schätzen, dass ihr freie Menschen seid“. Erinnert dieses Lied eher an die damaligen Tagtraum mit ihrer allgemeinen Grundtraurigkeit, schaffen die Borrachos es, nicht sentimental zu werden oder im Selbstmitleid zu versinken, da sie sich neben solch ernsten Botschaften nicht zu fein sind für amüsante Stimmungslieder mit Textzeilen a la „Ich werd` Pornostar - So wie Opa – Ficken vor der Kamera - Find` ich super“ („Pornostar“). Derartige Lieder sind in einem gesunden Verhältnis zu eher ernsthaften Liedern, man kann ihre Musik deshalb also nicht als reinen Fun-Punkrock bezeichnen, Monotonie kann man ihnen folglich auch nicht vorwerfen.
Beweisen die Borrachos eine textliche Vielfalt von ernsthafter Kritik bis hin zur Selbstironie, so zeigt sich auch eine gewisse Abwechslung in der musikalischen Gestaltung des Albums, da sich ungewohnterweise zum Beispiel ein Blockflötensolo („Eure Welt“) oder ein sakrales Orgel-Intro (ironischerweise im Lied „Ode an den Punkrock“) erhören lässt.
Weiterhin fällt auf, dass die Borrachos mit ihrer Musik ehrlich und glaubhaft wirken, man nimmt ihnen ihre Texte ab, das Album wirkt nicht überproduziert und es erscheint wahrscheinlich, dass sie ihre Musik, so wie sie sie auf der CD präsentieren, auch live umsetzen können.
Versteckt sich auf dem Album auch ein Skalied mit Bläsersatz („Rock-Arzt“), so ist es trotzdem durchgängig Punkrock pur mit einem großen Einfluss von reinem Rock. Gut eingesetzter Backgroundgesang verstärkt die Eingängigkeit der Refrains, die teilweise auch zu Ohrwürmern werden können, ohne dabei stumpfen Parolencharakter aufzuweisen.
Beim Hören zwingt sich mir oftmals musikalisch genauso wie textlich der Vergleich zu den namhaften Herren von Supernichts auf, die eine ähnliche Art der Selbstironie und Komik in den Texten pflegen und ihre politische und gesellschaftliche Kritik in ähnlicher Art und Weise äußern. Bei diesem Vergleich ziehen die Borrachos angenehmerweise nicht den Kürzeren.
Fazit: Zwar werden die 17 Lieder der Borrachos nicht über Wochen in meiner Anlage hoch und runter laufen, betrachtet man das Werk jedoch mit dem Hintergrund, dass es nichts kostet, so ist es trotzdem auf jeden Fall eine Empfehlung wert, sorgt alle Mal für Ohrwürmer, kleine Lacher und Aufmunterung. Und zumindest das Lied „Freiheit 2008“ wird mich hoffentlich noch lange begleiten.
Lobenswert ist vor allem auch die soziale Grundeinstellung der Band, aus ihrem Werk keinen finanziellen Profit zu schlagen, sondern es jedem frei zur Verfügung zu stellen. Außerdem finde ich es sehr beachtlich, dass die (virtuelle) Platte innerhalb von lediglich vier Monaten über 10.000 Mal runter geladen wurde, dies spricht schon für sich.
Keinesfalls Musik von „Säufern“,
deshalb Daumen hoch für die 45 Minuten Beschallung!
Geschrieben von Chris am 11.01.2009, 00:00 Uhr
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