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COR - Herztier
Weitere Informationen:
http://www.ruegencore.de/
http://www.myspace.com/ruegencore
„Rügencore“. Diese Bezeichnung dürfte einem Jedem schon einmal untergekommen sein, wenn er etwas von der Band „COR“ gehört hat. Vielleicht hat diese Eigenbezeichnung ja auch ihren Sinn, denn wie handelsüblicher „Hardcore“ klingen die vier Herren nun auch wieder nicht. Denn sowohl der markante Gesang, als auch die instrumentale Untermalung haben eine gewisse Einzigartigkeit an sich, bei der man leicht zu sagen pflegt: „Ja, die Stimme kenne ich von irgendwo her. Das ist „COR“, oder?“. Warum soll es dann also kein neues „Genre“ geben, in dem man sich selber gut zurechtfindet, weil man es selber für sich definiert hat? Genau dieses Genre wird im neuen Silberling der Inselbewohner gehalten, wobei es natürlich auch ein paar neue – und vor allem interessante – Aspekte gibt.
Der Anfang des Albums gestaltet sich so, wie man es eigentlich von dieser Band im Vornherein erwarten würde: Schnell, unkompliziert und direkt! Obwohl sich das erste Lied „Herztier“, also der Namensgeber des Albums, ein wenig künstlich gestreckt anhört, charakterisiert es doch die eigentlichen Gedanken und den Stil der Band. Denn Individualismus und Freiheit wird bei den Rügenern gerne und oft groß geschrieben, was sich textlich natürlich immer wieder anmerken lässt. Auch mit Liedern wie „Lass sie nicht rein“, „Bastard“ – zu dem es auf der Homepage übrigens ein Video gibt - oder „Fallen lernen“ wird gerne eine härtere Seite angeschlagen, die sich gut anzuhören versteht. Wer Konzerte der Rügencore-Musikanten schon einmal miterlebt hat, kann sich vor seinem geistigen Auge sicherlich lebhaft vorstellen, wie diese Lieder live ankommen würden. Pogo und Verletzungsgefahr wären wohl die zwei Dinge, an die man als erstes denken würde. Momentan sieht es so aus, als ob alles beim Alten geblieben wäre…
Doch was ist das? Beginnt man nämlich den vierten Song anzuhören, erwartet einen eine ganz neue Melodie, eine ganz andere Dimension, wie man sie von COR noch nicht gewohnt war: Mittlere Geschwindigkeit, fast-melancholischer Gesang und ein träumerischer Text, der vom Ausbrauch eines Einzelnen aus der Gesellschaft handelt. Das Lied „Paul“ bildet wohl den emotional stärksten Kern des gesamten Albums, der nicht nur zum Schließen des Auges einlädt, damit man getrost mit dem Gefühlsstrom mit schwimmen kann, sondern auch zum „selber ausmalen“. Das Innere eines jeden einzelnen Menschen wird hier womöglich angesprochen werden, selbst wenn es nur den kleinsten Kern treffen sollte. Textzeilen wie „Von Ruhe und Schönheit, der Meere und Wälder, vom ewigen Eis und wie endlos es ist“ kommen dank der akustischen Untermalung sehr genial rüber und zeigen auch, dass die Vierergruppe weitaus mehr kann, als nur schrammeln und schreien. Experimentierfreudigkeit und Flexibilität scheinen nun eine weitere Stärke der Band zu sein, die sich in den folgenden Jahren hoffentlich noch ein paar Male durchsetzen wird.
Diejenigen, die sich zuerst die Bewertung und dann erst das Review anschauen mögen sich an der Stelle wundern: Warum erlangt diese Scheibe nur 8 von 10 möglichen Punkten, wo doch an vielen Ecken und Enden gelobt wird? Der Grund ist ein ganz einfacher: Das Album muss sich mit Größen wie „Tsunami“ oder „Freistil, Kampfstil, Lebensstil“ messen, die die wahren Qualitäten dieser vier Herren repräsentieren. Denn trotz des positiven Feedbacks und all den Perlen, die „Herztier“ zu bieten hat, kann es mit dem alten Glanz der früheren Alben nicht mithalten. Es wird vieles richtig, vieles gut und auch einiges anders gemacht, aber „besser“ ist es nur an wenigen Baustellen. Die übliche Härte und Aggressivität scheint sich im Laufe der Zeit wohl ein wenig abgekühlt zu haben, was sich nun ein wenig bemerkbar macht. Das muss zwar nicht zwangsläufig schlecht sein, aber der eigentliche Charakter, mit dem man die Band kennen und lieben gelernt hat, geht auf diese Art und Weise ein kleines bisschen verloren. Wer es also einen Gang höher mag und die Platte „Tsunami“ noch nicht sein eigen nennt, sollte dieser Platte wohl den Vorzug gegenüber „Herztier“ geben (wer jedoch auf andere Stärken setzt, kann auch mit diesem besser beraten sein, aber das ist eine persönliche Entscheidungssache). Aber man muss auch fair sein und an der Stelle sagen, dass es sich hierbei um Kritik auf hohem Niveau handelt, denn die neue Compact Disk aus Rügen ist nicht nur gut, sie ist eine verdammt gute Investition für jeden, der auf direkten und schnellen Individual-Hardcore steht! Ach, hätte ich es doch glatt vergessen! Eigentlich heißt es doch „Rügencore“…
Geschrieben von ChaosZx2 am 30.05.2011, 00:00 Uhr
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