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Linkin Park - A Thousand Suns

Linkin Park - A Thousand Suns

CD Warner Brothers Records 14.09.2010
  1 / 10

 „Hey, ich habe da etwas für dich. Da du ja Platten besprichst, kannst ich dir ja einmal diese hier geben: Linkin Park – A Thousand Suns“. Es klingt nach einem grausamen und unwürdigen Ende einer langen und guten Freundschaft, stellt sich im Nachhinein jedoch als ein Szenario heraus, welches tatsächlich so stattgefunden hat. Auch wenn ich das fiese und hinterhältige Grinsen nicht übersehen habe, habe ich mich dennoch dazu durchgerungen diese Platte anzuhören und über sie zu schreiben…so schlimm kann es doch gar nicht sein. Oder?

Meine Mutter sitzt einfach nur herum und weint, meine Ohren beginnen Blutfontänen durch die Gegend zu spritzen und mein Hund liegt seit ungefähr 15 Minuten reglos auf dem Boden. Aufmerksame Leser werden es sich schon denken können: Ich bin mittendrin und habe jetzt schon absolut keinen Bock mehr weiterzumachen. Der anfängliche Wille, jeden Track komplett und sogar mehrmals durchzuhören, scheitert erbärmlich an der Realität und lässt mich mit der ganzen Härte des Lebens den Straßendreck der Musikindustrie fressen. Ich werde nun versuchen meinen Horrortrip durch die längsten 30 Minuten meines Lebens nachvollziehbar zu dokumentieren…

Es geht los. „The Requiem“ und „The Radiance“ sind zusammengenommen ein einziges Intro, welches in zwei seperate Teile gegliedert ist. Soll mir an der Stelle eigentlich ganz Recht sein, denn so wirken die 14 Tracks doch nicht mehr so schrecklich, weil mir die Band mit weniger Liedern durchaus einen großen Gefallen tun. Der Beginn des Albums wirkt irgendwie sehr seltsam, wenn man bedenkt, wie „Linkin Park“ zu Beginn ihrer Karriere waren. Harte Metal-Riffs, dunkler Bass, ein grandioses Schlagzeug und zwei Sänger, die ihr Handwerk durchaus verstanden haben. Aber warum höre ich nun eine komische und elektronische Frauenstimme? Und weshalb folgt daraufhin eine Art Radioansprache?
Noch bevor ich den Gedanken zu Ende denken konnte, ging auch das nächste Lied los. „Burning in the skies“ ist nun wirklich das, wo ich eine genaue Bewertung vornehmen kann. Und genau an der Stelle bleibt mir der Kloß im Halse stecken und meine Finger sind wie gelähmt. Ich beginne zu resignieren. Wo sind die harten Metal-Gitarren hin? Wo ist der Rest der Instrumente? Und verdammt nochmal, wo ist das Geschrei des zweiten Sängers geblieben, wodurch die Band ihre eigentliche Härte hat?
 Nach dem darauffolgenden „Instrumental“ (Ich weigere mich vehement dagegen, DAS ein Instrumental ohne Anführungszeichen zu benennen) folgt schon eine weitere Pleite.“When they come for me“ klingt wie ein billiger Limp-Bizkit-Verschnitt mit verdammt schlechten musikalischen „Qualitäten“ in Form von billigen elektronischen Effekten. Die Krönung kommt aber erst beim Refrain, den ich mal versuche so zu beschreiben: Denkt euch bitte eine orientalische Sängerin, die „Aaahhhaaaahhh“ singt. Nun stellt euch vor, dass diese Frau sowohl eine Geschlechtsumwandlung, als auch eine (misslungene!) Stimmenband-Transplantation hinter sich bringt und dann versucht diesen Refrain nochmal hinzubekommen. So in etwa klingt es dann. Nur halt ein bisschen besser.
Ich habe tapfer durchgehalten, aber ich werde zunehmend schwächer…das Lied „Robot Boy“ beginnt aus den Boxen zu rollen. Warum muss ich auf einmal an die Backstreet Boys denken? Poppiges „Uuuhuuu“-Gejaule im Hintergrund sind nur der Anfang des verzerrten und Boygroup-Ähnlichen Gesangs. Schrecklich, da fühle ich mich doch glatt um 15 Jahre zurückversetzt, wo es der größte Teil der Weltbevölkerung unter 13 Jahren „cool“ gefunden hat diese Musik zu hören. Und das soll ich mir 4:29 Minuten lang antun? Ohne mich!! Nächstes Lied!
Nun bin ich unentschlossen. Das Lied ist zwar nur 1:39 lang, aber dennoch nimmt es sich mit dem Vorgänger „Robot Boy“ nicht viel. Nur mit weniger Gesang und mehr miserablen Sounds.
 Endlich mal ein Lied, das mir aus der Seele spricht! „Waiting for the end“. Ja, ich warte sehnsüchtigst auf das Ende dieses Silberlings. Bestärkt wird dieser Wunschtraum durch den Gesang, der mit jedem Lied irgendwie immer schlimmer zu werden scheint. Ich halte das Desaster gerade mal wenige Minuten durch, bis ich seufzend das nächste Lied starte…
 Was ist denn jetzt los? Nach weiteren unnötigen und schlechten Effekten startet ein Rap, der sogar etwas aggressiv klingt und dann ENDLICH einen kleinen Lichtblick bringt. Der zweite Sänger der Band scheint die Tür zum Studio endlich gefunden zu haben und beglückt mich für wenige Sekunden mit Geschrei! Das tut echt gut, nach den ganzen Pleiten, die ich bisher ertragen musste, denn nach Schreien ist mir auch zumute. Doch leider bricht das Vergnügen so schnell ab, wie es gekommen ist, denn billige Scratch-Effekte zerstören das weitere Programm und leiten den öden und lausigen Sänger der vorhergegangenen Titel wieder ein. Er ist so verlässlich und konsequent schlecht, dass auch das Lied „Blackout“ im gedanklichen Mülleimer verschwindet. Eine ganz große Enttäuschung! Ich darf nicht vergessen den gedanklichen Mülleimer in meinem Kopf sofort zu leeren, rituell zu verbrennen und mir schnellstmöglich einen neuen zuzulegen.
Jawoll, weitere 1:38 Minuten mit seltsamen Ansprachen. Abgesehen von der inflationär gebrauchten Computerstimme (die mir gelinde gesagt langsam echt auf den Sack geht!) ist nichts wirklich schlecht…außer der Tatsache, dass genannte Stimme das „Instrumental“ dominiert.

Kurze Pause. Der Arzt hat angerufen: Meine Familie erlitt nur ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und kann nach 3 Monaten Wachkoma die Intensivstation verlassen. Die Ärzte fragen nach der Ursache dieses schrecklichen Vorfalles. Voller Schuldgefühle lüge ich dem Doktor vor, dass ich von nichts wüsste. Schlechten Gewissens lege ich auf und mache mich wieder an die Arbeit.

So langsam frage ich mich, ob ich eine Rap-Metal-Band höre oder aus Versehen den CD Schrank eines 7-Jährigen Mädchen geplündert habe. Es kommt wirklich nur noch Geheule und Elektro aus den Boxen! „Iridescent“ soll wohl so etwas wie eine Ballade sein, aber im Anbetracht der ganzen Platte wäre ich damit wirklich vorsichtig. Ich bin mir echt bei gar nichts mehr sicher!
„Fallout“ bedeutet „Radioaktiver Niederschlag“. Und so fühle ich mich auch. Verstrahlt, niedergeschlagen und dem Ende nahe…ein Instrumental, das wirklich mal nur von Klängen dominiert wird, der mal keinen Ohrenkrebs verursacht.
 „The Catalyst“. Ein sehr unscheinbar wirkender Name, muss ich zugeben. Aber es ist einfach nur noch traurig mit anzusehen, was „Linkin Park“ da zusammengeschustert haben. Genau derselbe „Spaß“, wie zuvor: Boygroup-Gesänge, elektronische Effekte und…5:39 Minuten. Hilfe!
Endlich! Das allerletzte Lied! Ich habe es fast geschafft und ersehne schon den berühmten Lichtblick am Ende des Tunnels. Während ich tränenerfüllt dem Ende entgegenlaufe, höre ich eine Akustikgitarre…eine Gitarre? Auf diesem Album? Ja, es ist mal eine Gitarre zu hören, die mich wirklich mal anspricht. Doch bevor ich mal gedanklich Pause machen kann, legt der Gesang los. Ich beginne die Beine in die Hand zu nehmen und fliehe weiter dem Licht entgegen…doch das Lied lässt nicht locker. Wenn mal nicht gesungen wird, brüllt der zweite Sänger in das Mikrophon. Und nein, anders, als beim Lied „Blackout“ klingt es NICHT GUT! Verdammt, mir reicht es!
Ich stoppe die Aufnahmen und beginne zu weinen.

Was ist nur aus „Linkin Park“ geworden? WAS? Vom harten Metal-Rap und dicker Crossover-Action geht es über zu einem Album, dessen Existenzberechtigung bei einer Skala von 1 bis 10 im Minusbereich anzusiedeln ist. Selbst für eine Disko ist das Album einfach zu schlecht und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass irgendein Mülleimer freiwillig so etwas in sich dulden würde. Da wünschte ich mir, dass ich gemäß des Albumtitels „Thousand Suns“ zur Verfügung hätte, um dieses Monstrum vom Antlitz der Erde verschwinden zu lassen.

Komischerweise heißt es auf Wikipedia: „Von vielen Kritikern wurde es als Meisterwerk bezeichnet […]“. Ich weiß ja nicht, was diese „Kritiker“ sonst so an Material vorgesetzt bekommen, aber wenn es im Vergleich zu „A Thousand Suns“ den Kürzeren zieht, dann will ich nicht noch weiter in den Abgrund schauen!

Wer sich diese CD trotz allem zulegen möchte, der kann sich auf glattgebügelten Pop-Mist mit miserabler akustischer Untermalung und einem Gesang freuen, der Kriege auszulösen vermag. Als Fan der Band wird man jedoch maßlos enttäuscht.
Ich persönlich gebe der Platte – auch wenn ich ihre alten Stücke gut leiden konnte – keine Sterne auf dieses Album, denn für Arbeitsverweigerung gibt es normalerweise nichts. Doch selbst wenn es Punkte geben könnte, würde ich sie nicht verteilen, weil selbst diese 0 verteilten Punkte zu viel wären. Tut mir Leid, wenn ich eure kostbare Aufmerksamkeit und Zeit gestohlen habe, aber begnügt euch mit dem Gedanken, dass der Autor dieser Zeilen dafür durch die Musik-Hölle gegangen ist. Um das Review jedoch etwas ansehnlicher zu machen und um von Anfang an klarzustellen, wie diese Platte zu beschreiben ist, werde ich 1 darauf geben. In Wirklichkeit jedoch kann man von diesem einen Punkt noch mal 5 oder 6 abziehen. Oder mehr, je nach Geschmack.

Entschuldigt mich nun, ich muss einen werten Freund kurz zwischen die Beine treten...


Geschrieben von ChaosZx2 am 23.08.2011, 00:00 Uhr


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