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Alvin Zealot - Tears of St.Lawrence

Alvin Zealot - Tears of St.Lawrence

CD Chevalac Recordings 21.05.2010
  6 / 10

Weitere Informationen:
http://www.alvinzealot.com/
http://www.myspace.com/alvinthezealot


Wie schön das wieder ist! Da liegt wieder ein Päckchen vor mir, welches wohl die lang erwartete CD von „Alvin Zealot“ enthält. Lange Zeit habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen, welche Musikrichtung die Schweizer wohl einschlagen würden, um meinen bescheidenen Gehörorganen zu schmeicheln. Ich tippe – da ich von der Band wirklich noch NIE etwas gehört habe – einfach mal auf „Hardcore“ und hoffe, dass mich mein sonst so verlässliches Bauchgefühl nicht im Stich lässt…

Männer sind größtenteils Pragmatiker. Na gut, zumindest kann ich das von mir behaupten. Wenn ich nämlich schon einmal auf dem Klo sitze, nehme ich gerne sogar mal das Booklet von neuen Scheiben mit und lass erstmal alles auf mich wirken. Aufmachung, Texte und sonstige kleine Überraschungen, die mich erwarten könnten. Während ich daran denke, merke ich, dass die Kacheln wirklich blitzeblank geputzt sind…ja, das sind sie wirklich. Ich merke das aus einem enttäuschenden Grund: Die „Tears of St.Lawrence“ hat kein verdammtes Booklet! Das ist in meinen Augen sehr schade, weil ich wirklich als Allererstes die kleinen Büchlein begutachte und mir ein erstes Urteil bilden kann. Ein schwacher Trost ist aber jedoch, dass wenigstens die Aufmachung der Verpackung sehr nett ist. Es sieht nach einer Art Märchen oder Geschichte aus, die ich jedoch nicht zuordnen kann. Ob das eine Anspielung ist? Wenn ja, begreife ich sie nicht. Und wer oder was soll überhaupt „St.Lawrence“ sein? Wird sich das Rätsel womöglich noch auflösen können? Aber erst mal zur CD…

Mein Bauchgefühl ist echt scheisse. Ich lag mit „Hardcore“ ziemlich falsch und versuche den vor mir liegenden Tonträger vernünftig einzuordnen. Im beigelegten und (waurm eigentlich?) rosa farbenden Zettel steht etwas von „Alternative-Band“. Doof an der Sache ist nur, dass sich fast alles „alternativ“ nennen darf und dabei doch so anders klingt, wie andere Kollegen aus dem Genre.
 Auffallend und meines Erachtens auch charakteristisch für die Band ist die durchgehend clean gespielte Gitarre, die keine wirklichen Verzerrungen hat verlauten lassen. Der Bass klingt ein bisschen nach „Blues“ und das Schlagzeug haut im typischen Rock-Stil brav auf die Trommeln. Abgesehen von der Gitarre verleiht besonders der Gesang der Band ihren Charme, den ich mittlerweile als „Post-Rock-aus-den-70’ern“ nennen würde. Es klingt teilweise wie alter Rock, der noch zur Zeit unserer Eltern gespielt wurde, wenn man auf dem Abschlussball seines Schuljahrgangs getanzt hat. Die Musik von „Alvin Zealot“ dient von daher gut als Musik, um bei größeren Veranstaltungen vielleicht das Tanzbein schwingen zu lassen und um für nostalgische Rock’n’Roll-Momente zu sorgen. Dabei achten die vier Schweizer darauf, dass sie stets ihre Linie halten und dennoch Songs machen, die wirklich Wiedererkennungswert haben. Besonders Lieder wie „The Dust and his massive Chaos“, „No Vibration“ oder „Gravitation’s Fool“ sorgen im Laufe des Liedes  ordentlich für Tempo und auch gute Laune. Das reicht dann wiederrum weit über die Tanzfläche hinaus und lädt einen auch dazu ein, das ein oder andere Lied mal laut im Auto zu hören oder einfach mal aus Spaß in die Anlage einzuwerfen. Die anderen Lieder sind klangtechnisch gut ausgearbeitet, haben sich in meinem Ohr jedoch ein bisschen Zeit gelassen, um sich und ihren eigenen Charakter zu entfalten. Aber wenn man sich ein bisschen reingehört hat, dann läuft die Platte ziemlich rund.

Allerdings hat die Linientreue der Band auch ihre Nachteile, wie sie andere Bands auch miteinander teilen. Alle Lieder haben eine „Grundfeste“, die den Stil und die Einstellung des Quartetts wiederspiegelt. Ähnlich wie bei meinem „Rawside“-Review, geht es auch bei „Alvin Zealot“ zu. Der Stil nutzt sich bei Nicht-Fans des Genres schnell ab und wird daher nur sporadisch seinen Einsatz auf der heimischen Anlage finden. Jedoch wird bis zum Abnutzungsdatum dafür gesorgt, dass man das ein oder andere Lied dennoch im Hinterkopf behält und öfters durchlaufen lässt. Auch das Album selbst verschießt sein Pulver nicht auf einem Schlag, sondern braucht es immer ein bisschen auf, wodurch man sich durchaus auf ein paar Durchläufe des Albums einstellen kann.

Wer auf Platten dieser Art nicht steht, der wird mit „Alvin Zealots“ nicht viel anfangen können. Manch einer könnte sogar dazu verleitet sein zu denken, dass die Jungs den Ausbruch aus ihrem Keller wagen und sich bei MTV oder VIVA breit machen wollen würden. Anhand ihres Stils käme das sogar durchaus in Frage, aber das ist alles Zukunftsmusik. Anhänger des „Alternative-Rocks“, die mal ein bisschen Musik haben wollen, bei denen der „Overdrive“-Knopf auf „Off“ steht, können definitiv einen Blick wagen und vielleicht eine echte Perle für sich entdecken. Rein hören lohnt sich ganz sicher!

Da Reviews ziemlich subjektiv sind kommt es natürlich vor, dass man mit Punktzahlen einer Band womöglich Unrecht antut.
Ich habe nach langer Überlegung doch 6 Punkte auf das Album vergeben, wobei es ganz knapp an der „7“ vorbeigeschrammt ist. Der Grund ist einfach der, dass ich diese Art von Musik nur „okay“ finde und sie mir auch eher in unregelmäßigen Abständen antun kann. Allerdings möchte ich das natürlich alles ein bisschen „objektiver“ gestalten, damit man nicht zum Anfang hin denkt, dass die 6 Punkte für Mittelmäßigkeit stehen. Das tun sie ganz gewiß nicht (und wer meine Reviews fernab der Punkte auch wirklich liest, weiß das)! Als Fan kann man jedenfalls getrost den einen oder anderen Punkt noch oben drauf setzen und sich glücklich schätzen, mit „Tears of St.Lawrence“ einen kleinen persönlichen Schatz in seinem CD-Schrank zu wissen. Es wird schließlich sauberer und toller Rock gespielt, der zwischen „Rock’n’Roll“, „Classic Rock“ und einigen Mini-Einflüssen (ich glaube nämlich zu wissen sogar einmal ganz kurz Reggae gehört zu haben) einiges zu bieten hat, die bei vielen Geschmäckern sicher weit über 6 Punkte gehen werden. Bei mir persönlich trifft es den Geschmack leider weniger, was nicht heißt, dass ich nicht dennoch ein paar Titel definitiv in meine Sammlung mit aufnehmen werde.

Achja, und wer „St. Lawrence“ nun sein soll, weiß ich immer noch nicht. Vielleicht der Typ auf dem Cover?...naja, vielleicht kommt mit dem Alter ja die Demenz. Oder die Weisheit, wer weiß?


Geschrieben von ChaosZx2 am 28.08.2011, 00:00 Uhr


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