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Paul Ansell's Number Nine - Money And Lies

Paul Ansell's Number Nine - Money And Lies

CD I Sold My Soul Media 25.08.2011
  9 / 10

Weitere Informationen:
http://www.no9rockin.co.uk/
http://www.myspace.com/paulansellofficial


Lieber Leser, ich muss leider ein Eingeständnis machen, das womöglich skandalös wirken könnte. Der mächtige ChaosZx2, in all seiner Weisheit und Herrlichkeit, hat seine Grenzen. Wie ich darauf komme, fragt ihr?
Es geht in diesem Review nämlich um „Paul Ansell’s Number Nine“ mit dem Album „Money And Lies“ und präsentiert sich als reine Country-Scheibe. Au Backe, da kommt ja was auf mich zu.
Da ich von Country in etwa so viel verstehe, wie von Quantenmechanik oder Höherer Mathematik, musste ich mir etwas einfallen lassen, diese Platte trotzdem besprechen zu können. Und siehe da: Ich werde meine mächtigen Fähigkeiten dazu einsetzen, mich in das Gehirn meines Vaters – welcher ein richtiger Country-Fan ist - hineinzuversetzen, da es sich bei ihm um einen waschechten Fan handelt. Mal sehen, was ich seinem Kopf so entnehmen kann…

„Was hat mir meine Brut denn da angeschleppt? „Paul Ansell’s Number Nine“? Ich bin skeptisch, da ich von meinem Sprössling eher Krach und Geschrei gewohnt bin, aber das Cover sieht doch etwas anders aus, als ich es erwartet hätte. Ein Mann mit Akustik-Gitarre und Cowboy-Hut schmücken das Cover und eine sehr stilvolle Schrift kleiden Vor- und Rückseite des Behältnisses…vielleicht sollte ich ihm doch eine Chance geben? Na da wollen wir doch mal hören…aber wenn der mir da irgendeinen Mist angedreht hat, dann kann der was erleben!

Ich bin begeistert! Wahnsinn! Ich komme aus dem Lobgesang gar nicht mehr heraus! Mein Sohn mag zwar ein Tagedieb und Tunichtgut sein, aber diese CD entschädigt so gut wie alle Missetaten!
Ganze 19 Lieder spendiert die Combo aus dem Vereinigten Königreich, welche wirklich ein dickes Polster sind. Normalerweise sind es 16, die drei letzten Songs sind lediglich ein kleiner Bonus. Trotz der Hülle und Fülle an Liedern habe ich mich bereits durchgehört und kam aus dem Staunen nicht heraus, was ich wohl daran merke, dass der Stundenzeiger der Wanduhr plötzlich ganz woanders steht. Von der ganzen Bandbreite gibt es vielleicht drei Lieder, die meinen Geschmack nicht getroffen haben, aber der Rest ist absolut grandios! Besonders die Spanne zwischen dem zweiten bis zum sechsten Lied sind der absolute Hammer.
Was sagte meine Frau noch ganz passend? „Eine Stimme wie Milch und Honig“. Wahrlich, da hat sie voll ins Schwarze getroffen! Die Stimme erinnert stark an Elvis Presley und wird dabei noch musikalisch wunderbar begleitet. Die Instrumente sind klar verständlich, sehr schön aufeinander abgestimmt und würden mich am liebsten tanzen lassen, wenn ich nicht noch in meinen Arbeitsklamotten stecken würde…die ich übrigens von Anfang an trage. Unglaublich, wie sehr mich die Musik bis dahin gefesselt und abgelenkt hat.
  Ich werde dieses Wunderwerk auch meinem begeisterten Country-Freund zeigen, sowas muss er auch gehört haben. Ich bin sicher, dass er ebenfalls Gefallen daran finden wird. Mensch Mensch, was würde ich für einen Aufenthalt im Western geben, in dem ich im Saloon sitze, diese Musik im Hintergrund höre und bei einem kühlen Bier den tanzenden Schönheiten nachschauen könnte. Alles wäre atmosphärisch absolut stimmig und nichts wäre fehl am Platze! Stattdessen könnte ich aber auch aufstehen und mit meiner Frau das Tanzbein schwingen, denn dazu fühle ich mich ebenfalls eingeladen.  Aber in meinem Alter sitze ich erstmal lieber schweigend auf dem Sofa, lausche den wundervollen Klängen und der sehr sanften Stimme und wippe dazu mit meinem Fuß im Takt… diesen Moment gönne ich mir!“.

Wow, das hätte ich nicht gedacht…seit wann denkt mein Alter in den Worten „Tracks“ oder „Combo“? Und was soll das mit der Fantasie der „tanzenden Schönheiten“? Bäh, hätte ich das doch besser gelassen!!

Na gut, da kann man wenig machen. Fakt ist aber, dass die Platte auf einen Schlag sofort zwei alt eingesessene Musik-Liebhaber für sich gewonnen hat. Und das hat schon sehr viel zu bedeuten. Wenn ich meine Mutter an der Stelle zitieren darf: „Weißt du, das ist gruselig. Dieser „Paul Ansell“ klingt so, wie die Helden aus unserer Kindheit und schafft es sogar, teilweise noch viel besser zu klingen. Das ist echt gruselig“. Wie mein Vater zu diesem Werk steht, brauche ich wohl nicht weiter auszuführen. Auch er ist dem Zauber der Paul Ansell-Truppe verfallen.

An dieser Stelle dürfte jedoch eines klar sein: Wer mit Akustikgitarren, bluesigem Bass, sanftem Schlagzeug, einer Country-Stimme und auch Klavieren nur sehr wenig anfangen kann, der brauch es bei dieser CD gar nicht erst versuchen. Hier bekommt man den Wilden Westen in Reinform geboten. Und stilistische Abweichungen wird man ebenfalls vergeblich suchen. Wobei ich auch zugeben muss, dass ich als Nicht-Anhänger des Country-Kultes den einen oder anderen Song wirklich super finde. Vielleicht gibt es auch den einen oder anderen, der tatsächlich etwas mit „Paul und seiner Viehtreiber-Truppe“ anfangen kann…und seien es nur zwei oder drei Stücke.
  Der Rest jedoch, also diejenigen, die ein etwas höheres Alter aufweisen oder diese Art von Musik einfach lieben, kann ganz getrost zugreifen. Es wird Musik auf sehr hohem Niveau angeboten und weiß sowohl kurz-, als auch langfristig zu unterhalten. Also los, ihr Cowboy’s- und –girls, nehmt den nächstbesten Bullen (nicht den in Uniform) oder die freie Dampflokomotive, fahrt zum nächsten Musikhändler eures Vertrauens und lasst euch von „Paul Ansell’s Number Nine“ verzaubern. Ob ihr nun tanzen oder einfach nur mit der Klangwelle reiten wollt, „Money And Lies“ ist genau der richtige Wegbegleiter dafür.

Yeeehaw!


Geschrieben von ChaosZx2 am 18.09.2011, 00:00 Uhr


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