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Deutsch rockt!

Deutsch rockt!

CD Bournout-Records und Cargo Records 27.08.2011

„Deutsch rockt!“. Wenn es irgendjemanden in der 11.Klasse eingefallen wäre, mir diese Binsenweisheit während des unliebsamen Deutsch-Unterrichts als „wahr“ verkaufen zu wollen, dann hätten wir womöglich eine Existenz weniger, die die Renten dieses Landes mit finanzieren würden. Da sich die Lage aber auch durchaus ändern kann, konnten es die Jungs von „Bournout-Records“ unbeschadet wagen, mir den gleichnamigen Sampler zukommen zu lassen. Und anders als bei meinem Review von „Kalte Sterne“ oder „Aggropunk Vol.2“ wage ich mich hier an Material, bei dem ich nicht allzu bewandert bin.

Der „Deutsch rockt!“-Sampler rollt mit insgesamt 32 verschiedenen Bands und Liedern an, um den Zuhörer mal die druckvolle und rockige Seite der BRD zu zeigen. Es besteht eine Mischung aus Oi!, Punkrock, Hardcore oder „normalen Rock“. Auch hier unterscheiden sich die Lieder noch einmal, denn einige sind hart und schnell, andere sind etwas ruhiger und langsamer. Mal ist Euphorie und gute Stimmung angesagt, wo die andere Seite über Sehnsucht und nachdenkliche Sachen schreibt. Mal geht es um Kritik, das andere Mal ist sowas nicht von Belang. Eine vielseitige Mischung also, die sicher einiges zu versprechen weiß…

Es werden auch hier wieder bekannte und unbekanntere Bands in einen Topf geworfen und kräftig umgerührt: Mit „Engel in Zivil“, „Kneipenterroristen“, „Berserker“ oder „Kärbholz“ rollen nicht nur bekannte Namen an, sondern auch jene, die man am ehesten – wie so oft in letzter Zeit – mit den Onkelz verbindet. In Sachen „Oi! und Punk“ erweisen uns „KrawallBrüder“, „Absturz“ und „BRDigung“ die Ehre. Diese und noch viele andere Musiker wollen den Zuhörern zeigen, wo der musikalische Hammer zu hängen hat: Nämlich um die Schulter eines Gitarristen!

Um dieses Vorhaben zu erreichen hauen die Bands natürlich ordentlich in die Saiten – und überraschen mich sogar ein wenig. Von Samplern habe ich immer einen gesunden Abstand gehalten, da ich von solchen eher Mittelmaß oder Gefühlsachterbahnen gewohnt war, allerdings kann sich dieser hier im überdurchschnittlichen Bereich oben halten. Die Musik ist durchgehend in relativ guter Qualität gehalten und lässt einen keine wirklichen qualitativen Mängel vernehmen.
Musikalisch gesehen klingt die Doppel-Platte ganz in Ordnung, wobei natürlich auch hier wieder das Unwohl-Gefühl á la „Hab ich schon einmal gehört“ zum Vorschein kommt. Einiges klingt abgekupfert oder vertraut (genau so, wie meine Reviews) und verhindert somit, dass alle Bands irgendwie voll zur Geltung kommen können. Ich mache das mal so deutlich:
  Krawallbrüder, Grober Knüppel, Serum 114, Kärbholz, Killerton, Berserker, Thekenproleten, C’est la vie, Kneipenterroristen, Junge Reemer und Störte-Priester klingen allesamt sehr ähnlich. Nur wenige dieser genannten Bands fallen mir persönlich anders (und positiv) auf, der Rest fällt gesangstechnisch und musikalisch weniger auf und nerven mich mit dem inzwischen salonfähig wirkenden „Prollgesang“. Ansonsten gibt es hier und da immer wieder Songs, die mich sehr überrascht und neugierig gemacht haben.

So sind beispielsweise „Raven Henley“ positiv aufgefallen. Eigentlich komisch, da das Lied ein typisches Liebeslied ist, was textlicher nicht hätte ausgelutschter sein können. Doch die Band macht eine super Arbeit bei der Übermittlung ihrer Gefühle, womit sie ganz klar bei mir punkten können. Ein schönes Liebeslied für jene, die einfach mal da sitzen und trauern möchten.
Die Band „8MM“ steht im krassen Gegensatz dazu und haut lieber ihre Instrumente drauf und brüllt etwas ins Mikrophon, anstatt auf Sentimentalitäten zu setzen. Hier bekommt man eher Lust um sich zu schlagen und den Pogomob durch seine Masse zu bereichern, während man die Faust erhebend in den Himmel brüllt.
A.O.K. überzeugen und schmeicheln mit einem unsinnigen und lustigen Text, wofür die Jungs aber auch bekannt sind. Ein bisschen Schwachsinn zwischendrin ist immer ganz gut und ist auch hier sehr schön platziert worden.
„Grober Knüppel“ sind auch dieses Mal schön sympathisch. Ich weiß auch nicht warum, aber irgendwie gefällt mir diese Band ziemlich gut. Sie verstehen es bei mir die passende Laune zu erzeugen und haben auch Ahnung ihre Instrumente dementsprechend zu behandeln.

Eine Punktevergabe spare ich mir ein weiteres Mal, da auch hier eine Bewertung schlichtweg sinnfrei wäre. Allerdings lohnt sich das Probehören hier definitiv, da jeder, der Rockmusik im Entferntesten etwas abgewinnen kann, sicher etwas vorfinden wird, was ihm gefällt. Ich konnte hier lediglich meine bescheidene Meinung zu einem kleinen Teil der Doppel-CD abgeben. Auch wenn ich auf einige Bands speziell eingegangen bin, heißt das nicht, dass der Rest nicht hörbar ist. Es gibt auch zwischen all diesen Liedern andere Klänge, die des Hörens mehr als würdig sind.

„Deutsch rockt!“ rockt stellenweise also wirklich, wie versprochen! Allerdings muss das nicht immer etwas Positives heißen, aber das liegt ganz im Auge des Betrachters. Für mich allerdings ist der Sampler guter Durchschnitt mit einem relativ gut ausgewähltem Mix. Super geeignet für Zwischendurch oder für Zusammenkünfte, bei denen Alkohol keine unwesentliche Rolle spielt. Naja, oder zum Rocken.


Geschrieben von ChaosZx2 am 14.10.2011, 00:00 Uhr


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