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LOVE A - EIGENTLICH

LOVE A - EIGENTLICH

CD ROOKIE RECORDS 14.10.2011
  9 / 10

Weitere Informationen:
http://www.love-a.de/
http://www.myspace.com/love-a


Das Kölner Label ROOKIE RECORDS hat mir freundlicherweise die Debütscheibe von LOVE A aus Trier zugesandt, mit der Bitte ein paar Zeilen darüber zu schreiben.

Ja, eigentlich nichts leichter als das, aber “Eigentlich“ der Trierer ist vielschichtig, kontrovers; aufrüttelnd und nicht jedermanns Geschmack.

Beim zweiten Hören der Scheibe wurde ich angeraunzt, dass ich die Scheiß-Studentenmusik ausmachen soll. Mein Einwand, dass aber die Texte gut sein, zählte nicht wirklich.

Nichtsdestotrotz zeigt dieser kurze Dialog dass große Konfliktfeld auf, in dem sich die Band aus Rheinland-Pfalz befindet.

Die Musik ist tatsächlich ziemlich studentisch. Erinnerungen an Kettcar und die ganze intellektuelle Hamburger Schule kommen auf. Eine laute Gitarre, ein leicht schepperndes Schlagzeug und ein Beat der keine große Schlagzeugausbildung benötigt. Das ganze im Midtempo gehalten, damit der Psychologiestudent nicht rot wird und Gefühle zeigt mit seinem Instrument. Dazu gesellen sich hier und da ein paar Effekte, die wahrscheinlich eine kleine Batterie an Effektgeräten beim Livekonzert erfordern. Musikalisch ist das nichts, was es nicht schon gibt. Es gibt nichts was an diesem Studentensound herausragend oder erwähnend wäre. Indierock, NDW-Anleihen, eine Prise Power-Pop und ein bisschen Noise, mehr nicht

Standard, kennt man. Fertig.

Insoweit ist die oben getroffene Aussage korrekt, aber da oben ein Dialog zitiert wurde, kommen wir zum zweiten Teil, nämlich den Texten.

Die Texte sind tatsächlich das, was die Band einzigartig macht. Hier erwartet einen nicht verkopfte, fragmentarische Texte, die entweder im Delirium oder vom Psychologiestudenten im zehnten Semester geschrieben wurden, sondern Lyrics die voller Wut, Provokation und Zynismus sind, dabei ist die Band aber keineswegs engstirnig oder verbissen.

Toll sind solche Textzeilen wie:

…Ihr fahrt in den Urlaub, damit Ihr rauskommt, aber Ihr kommt immer wieder heim…

…Ihr seid so hässlich in euren Herzen…

…Ihr seid nicht die Ramones, denkt euch was Neues aus. Alles was Ihr heute sagt, war gestern schon gelogen…

Diese Perlen kommen alle aus dem Text “Ramones“. Dieser Song ist ein Rundumschlag gegen alle Spießer, Neo-Spießer und Leute die Materialismus mit Wohlstand gleichsetzen.

Es ist ein Text, der auch von einer Punkband stammen könnte.

Weiter geht es mit “Individuell“. Der Song macht da weiter, wo “Ramones“ aufgehört hat, aber eben auf die einzelnen Menschen bezogen und nicht die Gesellschaft.

…Ihre Tattoos machen sie sicher, auf den Straßen ihrer Stadt. Und sie dachten, dass sich nie was ändern wird. Teenage-Angst beginnt zu schwinden.

…folgen dem Trend und machen mit. Doch dieser ist tagein, tagaus immer einen Schritt voraus.

Geht es noch besser?

JA!

Nehmen wir “Säge“.

…Sie sind d´accord mit der Regierung…( irre,oder ?)

Noch besser, weil persönlich nachvollziehbar ist folgendes:

…manchmal halte ich meine Klappe, weil ich zu müde bin. All die Wut, all deine Tränen. Ich kam da her, du willst da hin.

Schöne Selbstreflektion von Jemandem, der schon ein paar Jahre dabei ist, in der Szene oder wo auch immer und weiß, dass da auch nicht alles Gold ist was glänzt.

Als letzter Song soll noch “Nachbar“ genannt werden, der genau da ansetzt, wo viele diese Band sehen, nämlich im Studentenmilieu. In dem Song besingen sie ihre Nachbarn, die sie hassen, weil sie Kettcar hören und das Intro im Abo haben. Das ist nicht mehr Pöbeln, was die Jungs in dem Song machen, sondern richtiger Hass. Richtiger coole Geschichte, zu Mal eben auch die Ecke in die die Band gesteckt wird, dadurch reflektiert wird.

Der Song “Originell“ erinnert mich sogar teilweise an den Song “Aufregende Party“ von The Bottrops aus Berlin, was den unkonventionellen Songaufbau und die dortige Provokation angeht, für die Leute die immer auf der Suche nach “der Party“ sind, dabei sollten sie erstmal selber nicht nur gucken sondern machen.

Es geht bei den nächsten Songs immer so weiter. Es ist wirklich was Neues, was die Jungs hier machen.

Als einziges Manko muss man sagen, dass der Sänger schon eine recht markante Stimme hat und wenn man diese nicht mag, dann wird man mit der Band nicht warm werden.

Wem die Stimme zusagt, der kann hier bedenkenlos zugreifen.

LOVE-A machen was Neues!

Ich eröffne hiermit die neue Stilschublade ”Post-Deutschpunk“ und packe LOVE-A hinein.


Geschrieben von Frank am 02.11.2011, 00:00 Uhr


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