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Yps #1258

Yps #1258

CD Egmont Ehapa Verlag 11.10.2012
  3 / 10

Weitere Informationen:
http://yps.de/


Es begab sich zu einer Zeit, als der Zeitschriften-Markt noch überschaubar war. Auch das Angebot an Comic-Veröffentlichungen war begrenzt. Da machte sich ein kleines Heftchen auf, die Welt für alle naseweisen Kinder zu revolutionieren. Das Yps machte vor, was heute bei Jugendzeitschriften gang und gäbe zu sein scheint. Unter der transparenten Verpackungsfolie verbarg sich neben dem Lesestoff noch ein Gimmick, meist irgend ein Quatsch aus billigstem Plastik, konnte dieses doch häufig mit blumigen Worten zu einer Weltrevolution hoch stilisiert werden, ohne deren Besitz die Kinder den nächsten Tag nicht mehr erleben würden.

Doch die Jahre gingen ins Land, das Alleinstellungsmerkmal wurde von immer mehr Konkurrenzprodukten kopiert. Die Auflage sank in den Keller, so wurde das Yps folglich wenige Tage vor seinem 25jährigen Bestehen aufgrund ungenügendem Verkaufserfolgs eingestellt. Seither gab es noch ein paar Versuche, sich mit Neuauflagen, welche sich damals nicht mehr an die Minderjährigen, sondern an 23 – 32 Jahre alte Kindsköpfe richtete, erneut am Markt zu etablieren. Diese verschwanden allerdings allesamt schnell wieder in der Versenkung.

Nun wurde im April des Jahres 2012 also ein weiterer Neuanfang verkündet. Das Yps Heft sollte zurückkehren für die Kinder von damals, womit man nun ausdrücklich die heute 30- bis 45jährigen anspricht. In einer Auflage von 120.000 Stück will man zunächst testen, ob sich eine regelmäßige Auflage finanziell rechnet. Eine halbjährliche Erscheinungsweise ist angedacht, wobei man sich erhofft die Frequenz bei entsprechendem Erfolg zu erhöhen.

Am Erscheinungstag wurde den Zeitschriftenhändlern als Reaktion auf die im Vorfeld betriebene Promotion förmlich die Bude eingerannt. Nach einem Tag war das Heft deutschlandweit quasi ausverkauft. Ich selbst hatte bereits Nachmittags am Bahnhofskiosk ebenso wenig Erfolg wie bei diversen weiteren Läden, denen ich einen Besuch abstattete.

Ja, als eifriger Konsument in der Blütezeit der Zeitschrift wollte ich zumindest die Erstausgabe probelesen. Doch keine Chance, wie mir ging es vielen, die ihren Unmut auf der Facebook Seite des Yps zum Ausdruck brachten. Ein Nachdruck schloss sich aufgrund der Tatsache aus, dass das beiliegende Gimmick in der Kürze der Zeit nicht mehr in ausreichender Menge beschafft werden konnte.

Da wären wir also bei meinem ersten Kritikpunkt, bevor ich überhaupt einen Blick in das Heft werfen konnte. Als Verkaufsargument wurde nämlich auf die bis dato beliebteste Beilage, die sogenannten Urzeitkrebe zurück gegriffen. Dabei handelt es sich um Eier der Artemia salina, auf Deutsch auch Salinenkrebs genannt. Dieser wird häufig von Aquarianern als Fischfutter gezüchtet bzw. bereits als Frostfutter im Zoohandel verkauft. Ein Leben, um gefressen zu werden, nicht schön aber immerhin ein relativ natürlicher Lauf der Dinge. Ganz und gar nicht natürlich ist es, von tausenden Unwissenden zum Spaß heran gezüchtet zu werden, um durch mangelnde Kenntnis oder einfach fehlendem Interesse der Besitzer meist aufgrund falscher Wasserwerte elend einzugehen oder die Toilette hinunter gespült zu werden. Wer diese Tierchen also tatsächlich züchten möchte, sollte sich vorher ordentlich informieren, sich eine anständige Aufzuchtanlage zulegen und kann die Eier dann günstiger im Zoofachhandel erwerben. Aber nein, als Spielzeug sollten Lebewesen wirklich nicht angeboten werden. Oder könntet ihr euch vorstellen, einen Hundewelpen als Beilage in die Folie zu schweißen? Was gibt euch dann das Recht, das Leben dieser Krebse geringer zu werten?

Zurück zum gedruckten Teil. Inzwischen konnte ich mir zumindest eine Ausgabe zum Durchblättern organisieren und bin nun ganz froh, den stolzen Preis von 5,90 nicht ausgegeben zu haben. Die kurzweilig zu lesende Geschichte mit Daten und Fakten zum Yps hätte nämlich durchaus als nostalgischer Nachruf genügt. Aber der Faden zieht sich durch sämtliche einhundert Seiten des zumindest vom Material hochwertig anmutenden Neubeginns. Schon bei den Kleinanzeigen, die scheinbar so auf der Facebook Fan-Seite gesammelt wurden verflüchtigt sich der positive Ersteindruck. Nicht nur, dass die Anzeigen sehr sinnfrei sind, wird hier wie an diversen Stellen immer wieder auf das soziale Netzwerk des Herrn Zuckerberg verwiesen. Viel zu häufig wird immer und immer wieder auf dieses nervtötende Netzwerk verwiesen. Schade, dass man zwar eine Verbindung vom Papier zum Internet herstellt, dann aber keine eigene Homepage bereit stellt, sondern die Datensammelwut des US-Unternehmens aktiv unterstützt.

Nachdem ein paar mir größtenteils unbekannte Prominente ein kurzes Statement zu ihren Kindheitserinnerungen abgeben konnten und einer viel zu kurzen Anleitung über die Behandlung der Artemia folgt das, was sich wohl als Lifestyle Magazin bezeichnen lässt. Zumindest habe ich diesen Begriff irgendwo gelesen, was ich von derartigen Zeitschriften nicht behaupte kann. Wohl aus gutem Grund, denn die Vorstellung von selbst umrührender Kaffeetasse und Pizzasäge ermüden bestenfalls.

Interviews unter anderem mit dem Albatros Michael Groß oder dem Zeichner von Yinni und Yan lesen sich mal mehr, mal weniger spannend. Das Gespräch mit zuletzt Genanntem ist mein persönliches Highlight, stellt sich Herr Höpfner doch als Schrecken jedes Interviewers heraus, dem weniger Informationen aus der Nase zu ziehen sind als der kleinen Anneliese beim Kinderquatsch mit Michael. Eine ungewollte Komik, wohl gerade deshalb so urkomisch.

Die neuen Comics sind in Ordnung, wobei sich der Ausschnitt aus Zombillenium, als Fortsetzungsgeschichte angepriesen, eher als Verkaufsshow anbiedert. Denn wenn die nächste Ausgabe erst in einem halbe Jahr geplant ist macht das doch höchstens Sinn, um den Absatz der entsprechenden Bücher des selben Verlags anzukurbeln.

Über die weiteren Lückenfüller wie der kindische Artikel „Akte Y“ über die beliebten Geheimagenten-Gimmicks oder der Vergleich von Fahrrädern, Armbanduhren oder Coladosen aus den Achtzigern mit denen von heute möchte ich keine großen Worte mehr verlieren. Auch der Text aus Rüdiger Nehbergs Buch „Sir Vival“ mutet wieder mehr wie eine ausgedehnte Werbeanzeige an. Herauszuheben vielleicht noch der Bericht über die Entwicklung der Homecomputer, wohingegen man den Vergleich irgendwelcher Autos von damals und heute ohne weitere Informationen dazu zu packen gleich unter den Teppich des Schweigens kehren sollte.

Ganz lächerlich die Zaubertricks, bei deren Vorwort sich der Verfasser nicht entscheiden konnte, wen er da gerade anspricht, Kinder oder kindische Erwachsene. Einem gereiften Menschen zu erklären, dass man einen magischen Yps Klub gründet, dessen Mitglieder sich verpflichten keine Tricks zu verraten ist mehr als peinlich. Besser werden die eigentlichen Tricks dann nicht, handelt es sich doch um nichts anderes als billige Partygags, an denen spätestens nach der ersten Vorführung eh nichts mehr geheim ist.

Was die Modeshow mit Känguru Yps und Kollegen bedeuten soll begreife ich beim besten Willen nicht. Dumme Kommentare der Protagonisten, dazu stellt man irgendwelche Designer-Klamotten vor. Ist das jetzt Werbung? Ist das lustig? Ist das notwendig?

Zu guter Letzt 20 Seiten mit originalen Comics aus den alten Heften. Bei Yinni + Yan frage ich mich, wie ich das damals als Kind mit Begeisterung lesen konnte. Vielleicht konnte man über die Logiklücken wie den klischeemäßigen Bösewicht mit anfänglich gebrochenem Deutsch, der dann später zu perfektem Hochdeutsch überwechselt oder den pflichtbewussten Müllmännern, die fünf Sekunden, bevor der „Müll“ in ihren Container rutscht das Weite suchen – damit die Geschichte nicht gleich wieder zu Ende ist, hinwegsehen. Besser gefällt die Story Hombre, von dem ich mich nicht erinnern kann das jemals in einem alten Heft gesehen zu haben.

Abschließend muss ich leider sagen, dass ich mir eine weitere Ausgabe nicht zulegen möchte. Die Nostalgie ist verflogen, die alten Comics taugen ab einem gewissen Alter nicht mehr, die Neuen machen zu wenig Inhalt aus. Und auf den ganzen Lifestyle-Quatsch kann ich absolut verzichten. Auch wird man bei einer häufigeren Erscheinungsweise nicht ewig auf die alten Zeiten zurück blicken können, da müssen sich die Macher etwas Neues ausdenken. Gespannt bin ich, was man im März als Gimmick beipacken wird. Vielleicht ja einen Eierwärmer für die gealterte Leserschaft oder der Rogen zur Aufzucht echter Fische im Senfglas mit einer Überlebensgarantie von bis zu drei Tagen.

Mittlerweile hat der Verlag auf das Flehen leer ausgegangener Fans reagiert und eine IPhone/IPad App für knapp vier Euro zum Download gestellt. Dafür, dass man sich hier zur Zeit exklusiv auf Apple Produkte konzentriert direkt nochmals ein Punktabzug. Fair wäre eine universell nutzbare eBook Version gewesen. Mit einem Schuß Nostalgie ist mir das Ganze höchstens drei Punkte wert. Da steckt der Bonus eines früheren Fans noch mit drinnen. Immerhin habe ich jetzt eine ungefähre Ahnung davon, was ein Lifestyle-Magazin sein soll und weshalb ich so etwas nicht lesen möchte.


Geschrieben von aaaaaprvdgrwwelt am 24.10.2012, 00:00 Uhr


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