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Michael Feldmann - Hades-Syndrom

Michael Feldmann - Hades-Syndrom

Comic THENEXTART Verlag
  7 / 10

Weitere Informationen:
http://www.thenextart.de/verlag/index.html
http://www.thenextart.de/verlag/hades_syndrom/hds_auswahl.html


Hades-Syndrom von Michael Feldmann ist eine Independent-Comic-Serie im Heftformat erschienen im THENEXTART-Verlag.
Pro Ausgabe sind es zwischen 24 und 36 Seiten. Bisher sind 6 Hefte und eine Vorgeschichte erschienen.

Zeichnerisch ist er etwas durchwachsen, aber für Leute, die selbst Comics zeichnen evtl. sehr interessant, da man den künstlerischen Werdegang in den 5 Comics, die ich gelesen habe, sehr gut verfolgen kann. So haben mich Ausgabe 1 und 2 vom Künstlerischen noch nicht sehr begeistert: Ich bin ja bei den Heften irgendwie Marvel-Standard gewohnt ;-) aber während ich im Lesen der Hefte vertieft war bemerkte ich irgendwann, dass der Zeichner sich wirklich steigerte.

Außerdem ist mir aufgefallen, dass die Geschichte von Ausgabe zu Ausgabe an Farben verliert. Heft 1 kommt noch recht bunt daher mit dicken Filzstift-Outlines, Ausgabe 2 wirkt schon eher wie Bleistiftzeichnungen, aber immer noch recht bunt, Ausgabe 3 wurde recht „sepiahaft“ bearbeitet und Rot, Grau und Gelb dominieren die Seiten, Heft 4 ist fast nur noch Grau mit leichten Farbnuancen, in meinem letzten Heft herrschen fast nur noch Bleistiftzeichnungen auf Grau und wenn Farbe, dann fast nur noch Rot. Ein Blau, Grün und Gelb hab ich auch auf ein paar Seiten noch entdecken können. Ob dieser Stil mit der Farbreduzierung von Ausgabe zu Ausgabe gewollt war kann ich nicht beurteilen. Viel mehr vermute ich, dass es dem Zeichner zu viel Arbeit wurde die Sachen auch auszumalen. Trotzdem gefallen mir Ausgabe 4 und 5 am Besten. Auch zeichnerisch lies er in diesen Ausgaben viele seiner sehr fein gezeichneten Hilfslinien stehen und radierte vermutlich nur sehr wenig, somit kann man Michael Feldmanns Arbeit gut „studieren“.

Jetzt mal endlich zur Handlung:

Vorneweg: In jedem Heft (außer Nr.4) wird gefickt. Die Darstellung ist dabei schon eher pornografisch. Außerdem ist die Geschichte übersäht mit Gewaltdarstellungen (erinnert mich ein wenig an Lobo): Da sprengt es Leuten die Arme weg, oder der Kopf wird zur Hälfte oder ganz weg geschossen (mit Liebe zum Detail gezeichnet). Sex und Gewalt muss man als Leser mögen bei dem Comic.

Die Geschichte spielt in Deutschland im Jahre 2038 nach dem 3. Weltkrieg. Deutschland wurde wieder in 2 Zonen eingeteilt. Eine Mauer teilt die Wohlstandsgesellschaft von der dritten Welt. Zwei Outlaws versuchen auf die Wohlstandsseite zu gelangen und hinterlassen dabei Schutt und Asche, nachdem ihr Plan unbemerkt dort rüberzukommen durch Intrigen scheiterte. Die zwei Outlaws sind Dodo und Nuke. Dodo war mal Gitarristin einer Heavy Metal Band, ihre Texte wurden vom Grenzschutz überwacht. Von ihrer Drogenabhängigkeit ist sie anscheinend runter. Von Nuke weiß man nicht viel, außer dass er Soldat war – der Rest wird von der Regierung unter Verschluss gehalten.

Die Welt in der die beiden Leben kann ich mir gut als Zukunftsvision vorstellen: Die Armen werden aus der Gesellschaft ausgesperrt und müssen versuchen, sich selbst mit Drogen dealen und Waffengewalt durchzuschlagen. In die Wohlstandszone kommt man schwer rein. Man braucht eine glänzend weiße Weste die eben keiner von der anderen Seite hat. Will man trotzdem irgendwie rein, wird man von der Armee verfolgt und eliminiert.

In der Wohlstandszone ist es dennoch nicht schöner. Es gibt keine freie Meinung: Wenn man etwas gegen den Staat sagt kommen die Leute vom „Wahrheitsministerium“ und prügeln dir die Wahrheit in den Körper, denn antisoziales Verhalten wird nicht geduldet. Somit ist es auch klar, dass die Medien sich nicht an die Wahrheit halten, sondern alles so drehen, wie es die Regierung braucht.

Auch wenn die Handlung heute nichts außergewöhnliches mehr ist, so hat sie mich mitgerissen und enthält einige spannende Wendungen.


Geschrieben von Donald am 18.01.2013, 00:00 Uhr


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