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In Extremo - Kunstraub
Weitere Informationen:
http://www.inextremo.de/home/
„Was ist aus In Extremo geworden?“
„Angepasste Rockband mit Dudelsäcken!“
„Die Wurzeln wurden verraten, es ist nichts mehr von InEx vorhanden!“
Seien es Rezensionen, Dialoge oder einfach das berühmt-berüchtigte „Nebenbei-Aufschnappen“ der Güteklasse „Ich habe gehört, dass…“: Überall wo es um die neue „Kunstraub“ von In Extremo geht, scheint sich eine Grundstimmung anzubahnen, die mit „negativ“ meines Erachtens ganz gut apostrophiert ist. Ja, die „Kunstraub“ vermag wirklich Gräben zwischen die Fankultur zu ziehen, die fast unüberwindlich scheinen.
Ich gehöre zu den Menschen, die diese Band ziemlich gerne hören, allerdings bin ich nicht so im Fan-Dasein „drin“, wie es jahrelange Begleiter der Band sind. Aus diesem Grund versuche ich ein relativ objektives Bild zu zeichnen, das fernab von erwarteten Enttäuschungen oder freudig-euphorischen Lobgesängen liegt.
Als erstes möchte ich jedoch anmerken: Viele der Streitpunkte sind berechtigt und werden zu Recht angesprochen. Doch es wird meines Erachtens zu stark in diese Kerbe gehauen.
Ja, In Extremo haben sich verändert und haben nicht mehr diese Wildheit und das gewisse „Feuer“ in sich, wie man es jetzt auf ihrer neuen Scheibe hört. Lieder, mit der Qualität eines Liedes wie „Vollmond“, „Küss mich“ oder „Erdbeermund“, sucht man vergebens. Dementsprechend ist man schnell dazu verleitet zu denken, dass eine große Veränderung bevorsteht, die die heißgeliebten Gewohnheiten umkrempelt und Neues bringt, das dem Alten in jeder Hinsicht nachsteht. Zum Beispiel, dass die Musik immer weiter vom Mittelalter-Rock abdriftet. Konkret heißt das: Weniger „mittelalterliche“ Instrumente und die Zuwendung zum Mainstream, der braven und anbiedernden Anpassung der eigenen Musik an die Massen. Auch der Gebrauch anderer Sprachen wurde hier gekonnt weggelassen, sodass das Album durchgehend in deutscher Sprache zu hören ist. Es gibt zwar noch eine „Digipack-Version“ (so heißt das, glaube ich) mit zusätzlichen Liedern, die nicht-deutsch sein könnten, aber was ich von „Zusatzliedern für das größere Portemonnaie“ halte, sollte bekannt sein. Darum beziehe ich mich nur auf die 12 Lieder, die ich vor mir habe.
Soviel zum Negativen, doch da gibt es noch eine Sache, nämlich…
…dass das Album durchaus seine guten Seiten hat!
Diese Seiten kann man besonders anhand einiger einzelner Songs beobachten. Obwohl das Gesamtwerk an sich ein wenig über dem Kriterium „Mittelmaß“ schwebt, sorgen ein paar einzelne Songs dafür, dass es bedeutend besser wegkommt, als einige Kritiker meinen möchten.
Anfangen möchte ich mit meinem Favoriten, nämlich „Gaukler“, das meiner Meinung durchaus starke Qualitäten von älteren Stücken aufweist. Gefühlsintensiv würde ich es sogar auf dem Niveau von Liedern, wie beispielsweise „Alte Liebe“ einordnen. Der Gesang bringt die Stimmung sehr geil rüber und auch die Instrumente akzentuieren perfekt die Übergänge oder emotional dichtesten Momente dieses Liedes. Ein sehr starkes Stück, meiner Meinung nach eines ihrer besten Lieder.
Ein anderer Knaller ist „Feuertaufe“, der nach ein paar Paukenschlägen sofort zu einem mitreißenden Fluss von Stimmungen und Klängen wird. Um gleich beim Beispiel zu bleiben: Während das Lied in den Strophen ein wenig gemächlicher wird und ein wenig vor sich hin plätschert, beginnt es nach und nach unruhiger zu werden, bis ein gekonnter Übergang zum tanzwutauslösendem Refrain überleitet und zu einer wahren Stromschnelle wird. Unglaublich stimmungsvoll und sehr wohl noch „In Extremo“.
Weniger bedeutend, aber dennoch sehr hörenswert sind Lieder, wie das (im Refrain) sehr kraftvolle „Wege ohne Namen“, „Der die Sonne schlafen schickt“ oder „Kunstraub“, auch wenn sich hier bereits die oben bereits beschriebenen Streitpunkte anbahnen. Gut sind die Lieder aber dennoch und laufen – zumindest bei mir – öfters als einmal über den Plattenteller.
Abschließend kann ich sagen, dass die „Kunstraub“ wohl keinen Beitrag zur Versöhnung der Fan-Fronten leisten wird. Das muss es auch nicht, denn die Probleme machen sich die Fans letzten Endes nur gegenseitig.
Es gibt einige sehr schöne Tite, die die Anschaffung dieser CD rechtfertigen, auch wenn einige seltsame Songs, wie „Lebemann“ oder „Alles schon gesehen“ den tatsächlichen Eindruck von Zähmung und Zurückhaltung bestärken.
Die „Kunstraub“ mag in vielen Hinsichten den älteren Alben nachstehen, doch sie kann mit einigen Top-Titeln genügend Sympathiepunkte sammeln, sodass sie ein wenig über dem Durchschnitt liegt und somit nicht der Vergessenheit anheim fallen sollte.
In Extremo werden ihren musikalischen Weg weiterhin beschreiten; und das ist verdammt nochmal gut so. Es gibt erschreckendere und weitaus verstörende Bandentwicklungen im Laufe der Musikgeschichte. Da ist man mit 6 Punkten doch noch gut dabei, wie ich finde.
Geschrieben von ChaosZx2 am 02.01.2014, 15:22 Uhr
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