Design wechseln

Start » Reviews » Masked Intruder - M.I.

Masked Intruder - M.I.

Masked Intruder - M.I.

CD Fat Wreck Chords / Edel 06.06.2014
  8 / 10

Weitere Informationen:
https://www.facebook.com/maskedintruder
http://www.fatwreck.com/band/index/106


Das Leben als Schwerverbrecher ist aufregend und romantisch, denn selbstverständlich sind auch schwere Jungs mal schwer verliebt. Soweit zur selbstgezimmerten Legende von Masked Intruder, dem neuesten Pop-Punk-Overkill von Fat Wreck Chords. Nun gibt es ja wirklich genügend Bands, die dieses Genre bedienen, und normalerweise höre ich spätestens beim melodramatischen Refrain mit Tempohalbierung weg. Süße Boys, die meinen, ihr glattgebügelter Herzschmerz sei Punk Rock, können gern weiterhin das Taschengeld der liebeskranken Girls abstauben, welche diese Ansicht teilen.

Masked Intruder wollen ganz klar ultramelodische Power-Pop-Pralinen backen, ohne sich dabei auf diese Weise lächerlich zu machen, und das gelingt ihnen sehr gut. Zumal sie wahrscheinlich gut gereifte Punk-Oldtimers sind, aber wer kann das bei den Masken schon erkennen? Also wird der humoristische Dreh des „Räubers der Herzen“ in dreizehn knackigen melodische Songs mit vielen uuuhs und aaaahs verwurstet, bis auch der gröbste Griesgram in verliebter Frühlingsstimmung ist. Der musikalische Bezug ist dabei sicherlich nicht bei den neuesten Emo-Poppern zu suchen, sondern mehr bei den RAMONES, die wiederum (bekanntlich) eine Turbo-Variante der BEACH BOYS und des Bubblegum-Pop fabrizierten. Musik für verliebte Teenies, mit vielstimmigen Harmonien zum Diabetes kriegen, unterlegt mit verzerrter Gitarre und knackigem Beat. Extra-Punkte gibt es für den kriminell guten Reim „You could have anyone and you know it – what can I say to you, I'm no poet“. So fühlt es sich also an, wenn man nach Jahren im Knast endlich wieder im Sonnenschein spazieren geht! Zwischendurch noch eine Doo-Wop Nummer, die zeigt, dass auch a capella kein Hindernis für die Gang darstellt. Nichts für trübes Grübeln, das Album braust ansatzlos durch und hinterlässt prächtige Stimmung. Wer ein Ding drehen will, sollte dafür diese Platte wählen.

Geschrieben von King Kraut am 04.06.2014, 12:55 Uhr


Teilen:                    

Kommentieren



Weitere interessante Reviews

Slime - 3!+7hoch1

Es gibt Bands, die altern wie ein guter Whisky: Sie werden komplexer, gewinnen an Tiefe, verlieren aber nichts von ihrer Schärfe. Und dann gibt es Bands wie SLIME – die mal kein Whisky,...

Weiterlesen

THEILEN - niederbrennen weitermachen (LP / Stream)

Gut das es heutzutage noch junge kreative Punkrockbands gibt, die ihr eigenes Ding machen und auf den Mainstream scheißen… So wie es Fritz Theilen gemacht hat, der seinem HJ-Jungzugführer in...

Weiterlesen

APÉRO - Cold Drinks, Cool Snacks  (Tape)

Eine interessante Band aus Hamburg und Sénas (das liegt zwischen Marseille und Avignon) habe ich nun auf meinen Ohren. APÉRO präsentieren mir ungewöhnlichen Minimal-Electro-Punkrock der...

Weiterlesen

ZSK - FEUER & PAPIER

ZSK haben es wieder getan. Die Berliner bringen mit “Feuer & Papier“ ein neues Album heraus, was vom Titel die gleiche Architektur wie das letzte Album hat. “Hass Liebe“ benannte zwei...

Weiterlesen

BERLIN 2.0 - KALTENTAL

“Vergesst alles, was Ihr dachtet, über Postpunk zu wissen - BERLIN 2.0 zünden die Endstufe in der Punk-Evolution“. Das sagt der Informationszettel ,was den Schreiber über das zwei Album...

Weiterlesen

RONG KONG KOMA - SMILE

Da fängt das Gitarrenspiel so leise an, dass ich fast dachte, meine Anlage wäre kaputt oder auch meine Ohren oder beides. Kaum, dass ich mich an den leisen Klang gewöhnt hatte, am entspannen...

Weiterlesen