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Uriah Heep - Discounter-Rock. Wie ich die 70er bei Lidl erlebte. (Teil 2 - Icon: Uriah Heep)
Weitere Informationen:
http://www.uriah-heep.com/newa/index.php
http://www.lidl.de/
Dies ist der zweite Teil meiner Mini-Serie zu musikalischen Spontankäufen im Supermarkt an der Ecke. Hier findet ihr Teil 1 und Teil 3.
Flugs weiter zu “Icon: Uriah Heep”, was bedeutet eigentlich dieser komische Name? Und schon wieder Ikonen, das sind doch Heiligenbildnisse? Jedenfalls, erster Eindruck: Orgel-Overkill! Wer das Instrument nicht mag, sollte diese Formation meiden. Ich persönlich finde es in diesem Rahmen eigentlich ganz nett, ein Bisschen wie STEPPENWOLF auf Crack, beginne aber zu ahnen, was ein flaumbärtiger Johnny Rotten beim Einschalten eines Radios empfunden hat. Zweiter Eindruck: Das war sicher eine der Vorlagen für SPINAL TAP. Und für TENACIOUS D. Diese Texte. Das kann ja wohl nicht wahr sein, dass sie diesen ganzen pseudo-mystischen Käse ernst meinen! Das könnte in der Hinsicht so etwas wie die Schülerband von Ronnie James Dio gewesen sein. Wizard, Bird of Prey, Dawn of a Revolution, La la la lah? Und: Eine Liebesgeschichte mit einer Zigeunerin zu besingen, wirkt angesichts der heutigen Hetze gegen rumänische und bulgarische Einwanderer wie romantische Verklärung direkt aus dem 18. Jahrhundert. Aber egal, Hauptsache, danach erstmal ein Orgelsolo bis zur Bewusstlosigkeit. Strophe, Bass-Solo mit zwei Orgelsoli darüber. Eigentlich schon so balla balla, dass es wieder cool ist. Ich werde den Eindruck nicht los, diese Herren hätten sich bei jedem zweiten Song vorgenommen, ein Musical zu erschaffen. Fantasy-Geschichten in Songs zu packen muss nicht zwangsläufig schlecht sein, hier ergibt das so ein Zwischending von PINK FLOYD und QUEEN mit extra Kitsch. Und Orgel. Erwähnte ich die Orgel?
In ihren besten Momenten haben URIAH HEEP sich aus der Trickkiste des (Pop)Rock gekonnt bedient und womöglich mit den Weg zum Metal gepflastert. Allzu oft wirkt das ganze jedoch so unfreiwillig komisch und verkopft, dass ich mich frage, wie die das nicht merken konnten. Wenn sie zum Beispiel ein einfaches Rock-Riff nicht einfach mal konsequent beenden können, sondern immer noch einen Rattenschwanz an Akkorden daran hängen müssen, bis daraus ein sperriges Melodiemonster geworden ist. Oder völlig willkürlich eingesetzte Falsetti.
Harter Stoff ist das auf jeden Fall, den LIDL da seinen unbedarften Kunden vorsetzt, wobei man mit einiger Geduld auch hier ein paar nette Songs finden kann. Er ist aber insgesamt so sperrig, dass man sich da konzentriert reinhören muss, und man muss gewillt sein, der Band so manche Realsatire der Rockmusik ihrer Zeit zu verzeihen. Sie selbst wird es sich angesichts ihrer Moneten wohl gern verziehen haben. Unter dem Strich finde ich das ganze so eigenartig, dass ich geneigt bin, mich eines Urteils zu enthalten, und so möchte meine eher schlechte Wertung auch verstanden wissen. Nur soviel: Ein Jahrzehnt, in dem abgespacete Konzeptalben zur Normalität der Rockmusik gehören, schreit geradezu nach primitiver Abgehmusik mit hohem Fuck-You-Faktor. Und nein, ich meine nicht Kirmestechno.
Teil 1: Deep Purple
Teil 3: Cat Stevens
Geschrieben von King Kraut am 30.08.2014, 20:53 Uhr
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