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Gunash - Same Old Nightmare
Weitere Informationen:
https://www.facebook.com/gunashband
http://www.godownrecords.com/
Nicht wissend, worauf ich mich einließ, habe ich mir das neue Album von GUNASH (sprich: Ganesh; genau, so wie der Elefantengott) aus Italien angehört, und im Anschluß daran merke ich, dass ich immer noch Schwierigkeiten habe, es einzuordnen. Das liegt daran, dass die Musik einerseits recht vielseitig ist, andererseits jenseits meiner üblichen Hörgewohnheiten liegt. Was ein hervorragendes Qualitätsmerkmal ist, wenn also eine Band sich nicht mit zwei Sätzen in eine Schublade befördern lässt, bedeutet wiederum eine besondere Anstrengung des Schreiberlings, der textlich einen Eindruck von der Musik vermitteln will.
Allora! Zunächst fällt auf, dass es sich um sehr verspielten Prog-Rock handelt, das klassisch nach vorne gespielte Rock-Riff im 4/4-Takt findet man hier wenig vor. Stattdessen mal cleanen, mal mit Effekten unterlegten Gitarrenkram, und weite Instrumentale Strecken zwischen traurigen Gesangsparts. Traurig, aber nicht in Emo- oder Wave-Manier, sondern vielleicht so wie Grunge oder Alternative-Rock in den 90er Jahren keine Sonnenschein-Musik waren, ohne aber gleich ein Heulsusen-Soundtrack sein zu müssen. Manchmal erinnert mich der Gesang auch an Jimi Hendrix. Dass dies hier zusätzlich ein Konzeptalbum über Trennung, Einsamkeit und Entfremdung ist, findet sich in den englischsprachigen Texten wieder, die man übrigens ohne das Booklet nicht immer gut versteht.
Ich habe zwei Anläufe gebraucht, bis ich mich in die Musik einfühlen konnte, dafür sind da aber wirklich schöne Melodien und Harmonien versteckt, und ich vermute, dass sich da auch noch bei mehrmaligem Hören mehr Ebenen entfalten werden. Die klassische Progger-Falle umschiffen GUNASH fast immer sehr gekonnt, nämlich kompliziertes Instrumentengewixe im der Kompliziertheit willen. Die große Kunst ist nämlich ist, schwierige Sachen einfach klingen zu lassen, so, dass sie ansatzlos durchfließen, ohne, dass man die Nahtstellen schmerzhaft fühlt. Fast immer wirken die Songs und Übergänge in sich schlüssig, dazu kommt noch bei drei Tracks als Geheimwaffe die Orgel des Produzenten Rami Jaffee (bekannt als Mitglied von FOO FIGHTERS und THE WALLFLOWERS) hinzu, welche die Stücke schön in sich zusammenhält und atmosphärisch verdichtet. Ganz selten merkt man, dass zwei Parts etwas willkürlich aneinander gepappt wurden, die meiste Zeit geht es gut rein ins Ohr, wenn man sich auf die verspielten Kompositionen grundsätzlich einlässt. Auch die Laut/leise-Dynamik ist gut ausbalanciert, hier wird nicht versucht, nach einem akustischen Teil plötzlich bei maximaler Bratgitarre alles niederzubrüllen – dieser Trick wäre auch wirklich schon reichlich ausgenudelt. Alles hat seinen Platz, man merkt, dass hier viel Erfahrung und auch viele Ideen drin stecken. Tatsächlich habe ich das Gefühl, die Band könnte locker eine Pop-Scheibe aufnehmen, hat aber mehr Spaß daran, unwahrscheinliche Elemente zu einem eigenen Stil zu vermengen. Dieses Album ist vermutlich nicht jedermanns Geschmack. Wenn man ihm aber Zeit zur Entfaltung gibt, sind schöne Momente und Überraschungen darin enthalten.
Geschrieben von King Kraut am 01.11.2014, 23:18 Uhr
2 Kommentare
Geschrieben am 24.11.2014, 14:28 Uhr
Geschrieben am 03.11.2014, 15:41 Uhr
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