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Rancid - ...Honor Is All We Know

Rancid - ...Honor Is All We Know

CD Hellcat / Epitaph / Indigo 24.10.2014
  6 / 10

Weitere Informationen:
http://rancidrancid.com/


RANCID! Was soll ich sagen, dieser Band wird es wohl nie gelingen, ihre sensationelle Abfolge von drei Überflieger-Alben zu toppen, die für mich „...And Out Come The Wolves“ (1995, feinster hymnischer Old-School-Punk), „Life Won't Wait“ (1998, kreative Explosion sondergleichen und eine Stilpalette, die an THE CLASH heranreicht) und „Rancid“ (2000, Knüppel aus dem Sack und Knüppel auf den Sack) darstellt. Trotzdem hege ich seitdem bei jedem neuen Album Hoffnung und bin bei jedem davon enttäuscht. Diesmal war es leider nicht anders, großes Raunen in der Punkrock-Presse, Appetithäppchen und sogar eine zeitlich begrenzte Veröffentlichung des neuen Albums auf Youtube. Und doch ist es wieder kein vergleichbarer Knaller geworden, wenn auch nicht ganz so lahm wie der bis dahin letzte Versuch.
Jetzt muss ich natürlich einräumen, dass ich ganz schön voreingenommen bin, die Messlatte so hoch zu legen. Und zum anderen hat das Album nach mehrmaligem Hören auch unerwartet seine Stärken entfaltet, daher hier ein Versuch einer gerechten Beurteilung:

Am ehesten kann man das Album mit dem '95er Release vergleichen. Keine Grenzgänge in Sachen Tempo, trotzdem schön dynamisch gespielt und mit einer sauberen Produktion von Epitaphs/BAD RELIGIONs Brett Gurewitz. Die Herren machen mit ihren Instrumenten das gleiche wie eh und je, also gut bis sehr gut konventionell geschriebene Songs bedienen. Was der Bass spielt ist ohnehin immer Grund genug, sich alles von Rancid anzuhören, was es gibt. Zweimal gibt es wieder Ska, der mich erstaunlicherweise gar nicht nervt, sondern mir gut gefällt. Schweineorgel olé! Wer auf einer Party noch einmal „Time Bomb“ auflegt, kriegt trotzdem meine blutige Rache zu spüren.
Die Songs haben genügend gute Melodien und Refrains, um hängenzubleiben, zum letzten Drittel der Platte hin wurde mir das ganze etwas zu viel des Gleichen, um wirklich interessant zu bleiben. Das Album ist aber ohnehin nicht besonders lang, daher lässt sich das verschmerzen. Die Band scheint zumindest weiterhin Spaß an der Sache zu haben und rockt amtlich ab, da sind keine Ermüdungserscheinungen zu vernehmen. Bestimmt ist das eine oder andere Stück auch konzerttauglich, falls die lange Liste an obligatorischen Klassikern es zulässt.
Dann der Gesang.
Es gibt davon im wesentlichen drei Sorten, die vermutlich jeweils von den Dreien an den Saiteninstrumenten stammen. Das Grölen eines besoffenen Wildschweins, das unmotivierte Herunterleiern der Texte und die asoziale (aber aufpeitschende) Schreistimme. Für sich genommen können die alle keinen Blumentopf gewinnen, in Kombination geben sie dann doch wieder mehr her, und nach so langer Zeit ist dieser eigenwillige Gesang wohl ein Markenzeichen von RANCID. Wenn jemand von der Band tatsächlich einen Sprachfehler hat, entschuldige ich mich in aller Form, ansonsten wundere ich mich ein wenig über die vielleicht doch absichtliche Art, die Texte unverständlich zu artikulieren. Muss man wie ein Junkie klingen, um Punk zu sein?
Das, was man von den Texten mitbekommt, finde ich platt bis belanglos. Was ich nicht ganz verstehe, ist der mittlerweile bei RANCID etablierte Hang, sich selbst als beinharte Kings of the Hood zu besingen. Sind wir hier im Hip Hop oder was? Das Titelstück setzt dem ganzen die Krone auf. Ich hatte noch auf Ironie gehofft, konnte im Text aber keine erkennen. Schade, sonst ein eigentlich gutes Lied. Da fand ich die früheren Texte über Schicksale im gesellschaftlichen Abseits gelungener.

Was bleibt also unterm Strich? Ein mittleres RANCID-Album, was automatisch ein gutes Punkrock-Album ergibt. Meine Hoffnung auf einen Geniestreich verlischt unerfüllt, aber ein solcher gelingt leider nie mit einfacher Wiederholung der altbekannten Rezeptur. Ich bin trotzdem versöhnt.

Geschrieben von King Kraut am 05.01.2015, 00:01 Uhr


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