Design wechseln

Start » Reviews » Verschiedene Künstler - Dance to the Revolution, Vol. 2

Verschiedene Künstler - Dance to the Revolution, Vol. 2

Verschiedene Künstler - Dance to the Revolution, Vol. 2

CD Mad Butcher Records 01.11.2014
  7 / 10

Weitere Informationen:
http://www.madbutcher.de/


Manchmal glaube ich, jede Ska-Band, jede Punk-Band und erst recht jede Skapunk-Band hat einen Revolutionssong in ihrem Repertoire. Manche haben ausschließlich so etwas im Programm, schon klar, aber andere haben diesen einen, den man dann auspackt, wenn das Publikum auf dem Höhepunkt der Party euphorisiert einen Text über Aufstand und Widerstand mitsingen soll. Obwohl das sicher Laune macht, wage ich zu bezweifeln, dass all diese Musiker wirklich einen Umsturz wagen würden. Wenn doch, dann kann es nicht mehr lange dauern, denn für den vorliegenden Sampler hat Mad Butcher Records gleich eine Doppel-CD von internationalen Bands zusammengestellt, der fast durchgehend dieses Thema hat. Dass es nicht bierernst gemeint ist, zeigen aber auch Titel und Artwork, mit dem ollen Ché mal als Discokönig, mal als Bartender, dazu einen abscheulich ungestalten Skinhead als Partykumpanen.

Der Offbeat zieht sich genauso wie das revolutionäre Ansinnen durch beide CDs. In dieser Menge, gebe ich zu, wird es mir teilweise zu monoton. Zumal manche Bands einfach besser sind als andere, die dann eher wie der nicht ganz so talentierte kleine Bruder klingen. Zum Glück gibt es immer wieder Stücke, die herausstechen und entweder etwas anders machen oder aber einen besonders guten Sound haben. Da wären zum Beispiel THE IDIOTS aus dem fernen Deutschland mit einem etwas naiven Liebeslied, das aber nach all den Solidaritätsparolen eine angenehme Leichtigkeit beiträgt. Oder JEUNESSE APATRIDE (Kanada) mit abwechselnd Männer- und Frauengesang. Auch die Dub-Stücke mag ich. Und STREETS OF RAGE (Frankreich) haben sich nach einem meiner liebsten Mega-Drive-Spiele benannt und bekommen so gleich einen Pluspunkt. Dazu beenden sie die Liedersammlung mit fetzigem Oldschool-Hardcore und geben dem Hörer so noch die nötige Portion Wut mit auf den Weg.

Was auf jeden Fall eine Leistung für sich darstellt, ist es, so viele verschiedene Länder auf einem Sampler zu vereinen. Allein das sorgt schon für sprachliche Abwechslung und ist vom Gedanken her sympathisch. Wieder einmal fällt auf, dass spanische Slogans auch gern von Bands aus Regionen verwendet werden, die dort eine ganz andere Muttersprache haben. Das Land der Anarchisten hat in dieser Hinsicht einen kulturellen Exportschlager. Und nicht eine Band aus USA, ist dort der Kampf schon verloren? Die verschiedenen Sprachen sorgen also auch für Kurzweil, sogar Russisch und Baskisch (was sonst) sind vertreten. Und erwähnte ich schon, dass ich britisches Englisch mag? Das lässt manche Songs gleich nach THE SPECIALS klingen.

Insgesamt ein gutes Paket Musik, wo sich Ska, Punk, Reggae und Dub die Klinke in die Hand geben. Ein partytauglicher Mix ist „Dance to the Revolution, Vol. 2“ allemal, wenn auch für mich ohne wirkliche Höhepunkte. Aber bei manchen Bands merkt man, dass es sich lohnt, noch mehr nachzuforschen. Wer auf diese Art von Musik steht, macht mit diesen CDs nichts verkehrt, wer nach dem erfolgreichen Guerilla-Kampf gern mit Genossen und Genossinnen das Tanzbein schwingt, auch nicht.

Geschrieben von King Kraut am 08.01.2015, 23:02 Uhr


Teilen:                    

Kommentieren



Weitere interessante Reviews

DANNY BRYANT - NOTHING LEFT BEHIND

DANNY BRYANT ist am 26.07.1980 geboren und hat in seiner musikalischen Karriere bereits 16 Alben veröffentlicht. Das ist eine Menge Holz. Jetzt kommt Album Nummer 17, welches auf den Namen...

Weiterlesen

HI MUM - GHOSTWOOD

HI MUM, eine vierköpfige Band aus Nürnberg hat am 27.03.2026 ihr erstes Album auf den Markt gebracht. Das Machwerk erscheint digital und als Vinyl. HI MUM hat ihre Wurzeln in der Band MAFFAI,...

Weiterlesen

THE NO - UNERHORT - Ihre schönsten Songs bis jetzt -

“Ist das was Neues von Sondaschule?“, wurde ich gefragt, als die neue Scheibe von THE NO (den Strich durch das “O“ schafft meine Tastatur nicht) in meiner Anlage lief. Es ist natürlich...

Weiterlesen

VOLORES - SHORES OF SCORPIO

VOLORES sind ein Duo aus Denver, Colorado, USA. VOLORES sind Shelby und Nathan Maxwell (Bassist von Flogging Molly) und das am 10.04.2026 erscheinende Album “Shores of Scorpio“ ist ihr...

Weiterlesen

MELONBALL - TAKE CARE

Nürnberg ist ja auch so eine Bastion des Punkrock und des politisch, linken Engagements in Bayern. Die Stadt die mit dem Erbe des Reichsparteitagsgeländes umgehen muss hat 2019 etwas Besonderes...

Weiterlesen

DORFTERROR - SCHREIKINDER

Schon mutig, wenn sich eine Band in der heutigen Zeit einen Namen gibt, in dem das Wort “Terror“ vorkommt. Früher gab es ja mal eine Band die nannte sich “Fluchtpunkt Terror“, Nach...

Weiterlesen