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Ira Tenax - Portrait of the fallen
Weitere Informationen:
http://www.ira-tenax.de/
http://ttps://www.facebook.com/iratenaxhanau
„Hartnäckiger Zorn“ also – das ist die Bedeutung von IRA TENAX, wie mein treues Latein-Wörterbuch mir verrät. Zugegeben, anfangs hatte ich gewisse Befürchtungen, mir dieses Album anzutun. Wenn in einem Beipackzettel hohle Phrasen über die Einzigartigkeit einer Band stehen, von der ich seit ihrem fünfzehnjährigen Bestehen noch nie gehört habe, dann ist das oft kein gutes Zeichen.
Aber ich kann Entwarnung geben. Einzigartig ist hier nicht wirklich viel, dafür hat „Portrait of the Fallen“ aber andere Stärken. Zum Beispiel gefallen mir durchgehend die Riffs auf dieser Platte. Alles meine ich, in ähnlicher Form schon bei anderen Bands gehört zu haben, aber wenn jemand gründlich seinen Randy Rhoads studiert hat, ist das nichts schlechtes. Melodic Death Metal nennt sich das, na, von mir aus. Ich finde darin einiges aus verschiedenen Subgenres enthalten, und das macht die Musik meiner Meinung nach schön abwechslungsreich. Alles sauber gespielt und klar abgemischt, so dass die Feinheiten an den Instrumenten gut herauskommen. Schöne pathetische Gitarrensoli, so gehört sich das, ordentlich Double-Bass daruntergelegt, das Grundtempo mehr getragen als gethrasht. Nur der Gesang gefällt mir nicht. Growling ist sowieso ein Bisschen Geschmackssache, aber es passt meiner Meinung nach besser zu brutaleren Spielarten des Metal. Und wenn, dann muss es auch alles wegdrücken, nicht, wie hier, halbherzig zwischen die Harmonien der Instrumente geklemmt sein. Wenn der Sänger allerdings singt, klingt es auch eher komisch als mitreißend, wie bei dem folkig angehauchten „The Man Behind“. Schade, aber darüber kann ich hinwegsehen.
Unter anderem, weil die Band noch eine Überraschung in Petto hat: Gute Texte. Da lohnt es sich mal, die CD samt Booklet zu haben und nicht nur einen mp3-Download. Während viele Bands sich darauf beschränken, passend zur Musik austauschbare Evil-Allgemeinplätze zusammenzukloppen (was übrigens auch völlig ausreichen kann), geht es hier um Krieg und daraus resultierende Traumata, Drogensucht, Turbokapitalismus in China(!) und Seelenqualen. Das wirkt persönlich und nicht nur wie von SLAYER abgeschrieben. Evil-Kram gibt es dann auch, aber mal im Ernst, das ist doch schon der halbe Spaß. Lustig übrigens die Haltung zur Religion: Während ich aufgrund der Botschaft des einen Liedes kurz den Verdacht hatte, hier eine Christen-Metal-Band vorliegen zu haben (Es geht darum, von „Gottes mächtigem Willen auserwählt“ zu werden), folgt eines, wo sich in klassisch-satanistischer Weise von Götzen aller Art freigesprochen wird. Wahrscheinlich muss man das alles nicht mit heiligem Ernst betrachten, ich fand es nur interessant. Da die Leutchen im Booklet wirklich düster blicken, tippe ich mal eher, dass sie ohnehin der dunklen Seite verfallen sind.
Wer auf diese Art von Musik steht, wird an „Portrait of the Fallen“ Freude haben. Keine Offenbarung, insgesamt gut gemacht - aber ich denke, hier steckt noch mehr Potential drin.
Geschrieben von King Kraut am 13.01.2015, 21:52 Uhr
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