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Monoshoque - Gezeiten
Weitere Informationen:
http://www.monoshoque.de/
Eines meiner Lieblingslaster kann eigentlich nur im Kapitalismus entstehen. Um trotz zum Erbrechen gesättigter Märkte weiter zu wachsen, erfindet die Nahrungsmittelindustrie immer neue perverse Geschmacksrichtungen für Junk-Food. Sägespäne mit Senf/Pina Colada-Aroma gefällig? Her damit! Das probiert man dann einmal und nie wieder. Weil es einfach nur ein perverses Vergnügen an überwiegend Luft mit Geschmacksverstärkern ist. Aber niemand würde sich das wirklich mehrmals reinstopfen. Nur der Kick für den Geschmacksnervenfick, sozusagen.
Ein Gleichnis: MONOSHOQUE sind so etwas ähnliches für das Gehör. Ein bis in die letzte Frequenz durchproduziertes Gemisch aus Indie-Rock und Synthies. Kein Ton ist hier echt, genaugenommen ist es nicht immer leicht zu sagen, was da einmal für ein Instrument eingesetzt wurde.
Ich habe das Gefühl, das könnte herauskommen, wenn Leute auf diese Pop-Akademien gehen: Ein glattgeschliffenes Produkt, auf die Marktlücke hin designt, und ohne jegliche Seele. Die mit Effekten vollgeladene Stimme, die mir hohle Kalenderweisheiten als persönliche Texte vormachen will, macht das Ganze auch nicht gerade besser. „Der Hörer muss seinen eigenen Sinn hinein interpretieren“, wird man sich gesagt haben. Mir wäre lieber gewesen, die Texte wären in einer mir fremden Sprache, dann könnte ich ihre Substanzlosigkeit besser ignorieren.
So, jetzt habe ich viel herumgeätzt, dabei habe ich an dieser Scheibe auch Spaß gehabt. Einerseits ist sie ein Versprechen, das nicht eingelöst wird. Die Aufmachung und der Titel versprechen Tiefgang, wo man doch eher auf der Oberfläche platter Gewässer schippert. Wenn man das akzeptiert, findet man ganz passable Pop-Songs mit fetten Schlagzeugbeats dazu. Wer die Musik als das nimmt, was sie ist, kann sich freuen an einem ungewohnten Sound. Ich stelle mir das sogar als live sehr tanzbar und kurzweilig vor. Einen Hinweis darauf liefert das einzige Instrumentalstück, „Funkstille“, ein kurzes Trip Hop-Intermezzo, welches mir vom Album am besten gefällt. MONOSHOQUE ist ein ordentlich gemachtes Einwegprodukt, und so etwas kann man sich auch zwischendurch mal geben. Nicht dauerhaft, aber es muss ja auch nicht immer die Erleuchtung sein.
Geschrieben von King Kraut am 13.12.2015, 21:34 Uhr
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