Design wechseln

Start » Reviews » Cold Reading - Fractures & Fragments

Cold Reading - Fractures & Fragments

Cold Reading - Fractures & Fragments

CD Flix Records 23.10.2015
  4 / 10

Weitere Informationen:
https://www.facebook.com/coldreadingband/
http://www.flix-records.com/


Ich stehe vor einem Dilemma. Ich möchte diese Platte gern mögen, es gelingt mir aber nicht. Das einfach auf den Musikstil zu schieben, wäre billig. Was ist geschehen?

Vier sympathische Gesichter aus Luzern, die hier unter dem Namen COLD READING ihren Emo abfeiern. „Emo“ – habe ich das wirklich eben geschrieben? Als würde gute Musik etwas anderes tun, als Emotionen zu vermitteln. Ich benutze einfach mal trotzdem diese dumme Genrebezeichnung aus den 90ern, die später noch für Kajal-Teenies und einen Gothic Hello Kittie Style vermarktet wurde. Heute und hier geht es aber um Songs über persönliche Befindlichkeiten, um vielstimmig gerufene Harmonien über verspielte Rhytmiken. Am Schluß hätte ich noch Indie-Rock-Geklampfe schreiben können, tu ich aber nicht. Ups.

Ein leise geklimpertes Gitarren-Intro eröffnet die Platte, darüber verhaltener, aber gefühlvoller Gesang. Dann auf einen Schlag die ganze Band, ein Ausbruch in langsam gerockten Downstrokes mit mehrstimmigen Harmonien. Wieder einen Gang heruntergeschaltet, die Band spielt nun das Intro mit und ruft die Backgroundgesänge mit. Langgezogene Vokale und Lyrik (in English, of course) über Hoffnung und Enttäuschung, Freundschaft und Verlust, alles ganz solide soweit. Der zweite Song. Wieder eine Wellenbewegung, leise nach laut nach leise nach laut, und immer oben drauf diese Stimme in einer relativ hohen Tonlage, gestützt von den Kumpels. Für den Schuss Dramatik im Refrain.

Ich habe mir das Album bestimmt sechsmal angehört und wusste jedes Mal irgendwann nicht mehr, bei welchem Song ich war. Einer davon reicht aus, um zu wissen, worum es geht. Zwei reichen aus, um die gesamte stilistische Palette des Albums abzubilden. Klar, sie spielen gut, man merkt auch, dass COLD READING als Einheit im Proberaum und auf der Bühne funktionieren müssen, um so sauber strukturierte Songs und Übergänge zu machen. Aha, vielleicht daher der Albumtitel. Mit zu vielen Wechseln macht man sich leider auch mal ein Bisschen den Groove kaputt. Jedenfalls, eh das Album bei mir zündet, ist das Pulver schon verschossen. Schade, denn es gibt hier gute Riffs, gute Ideen und eine Band, die Spaß an der Sache hat. Trotzdem. Klingt zu gewollt, um zu überzeugen.

Geschrieben von King Kraut am 20.01.2016, 22:09 Uhr


Teilen:                    

Kommentieren



Weitere interessante Reviews

THE NO - UNERHORT - Ihre schönsten Songs bis jetzt -

“Ist das was Neues von Sondaschule?“, wurde ich gefragt, als die neue Scheibe von THE NO (den Strich durch das “O“ schafft meine Tastatur nicht) in meiner Anlage lief. Es ist natürlich...

Weiterlesen

HI MUM - GHOSTWOOD

HI MUM, eine vierköpfige Band aus Nürnberg hat am 27.03.2026 ihr erstes Album auf den Markt gebracht. Das Machwerk erscheint digital und als Vinyl. HI MUM hat ihre Wurzeln in der Band MAFFAI,...

Weiterlesen

GRADE2 - TALK ABOUT IT

Sieben Jahre sind genug. Lasst uns drüber reden, wie es uns geht und wie wir uns fühlen. Lasst uns das vierte Album von GRADE2 anhören. Die Band, von Jack, Sid und Jacob gegründet,...

Weiterlesen

BLONDIE - NO EXIT

BLONDIE gründete sich, da war ich bestenfalls in Planung. So lange ist es schon her, dass diese Band Musikgeschichte geschrieben hat. Nun erscheint ihr siebtes Album, ursprünglich 1999...

Weiterlesen

MEDIUM BEER - PALCHI E BARRICATE

Kein Stark-Bier, kein Bock-Bier…nein, MEDIUM BEER. Nach was schmeckt MEDIUM BEER? Wie wirkt MEDIUM BEER? Das werden wir herausfinden, wenn wir die CD des zweiten Albums der Band aus der...

Weiterlesen

THE NO - DAS LEBEN IST SCHÖN

Was passiert wenn Musiker eine Band gründen, diese dann auflösen und doch wieder Bock darauf haben gemeinsam Musik zu machen, die wie die Band klingen darf die sie aufgelöst haben? Dann...

Weiterlesen