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ALARMSIGNAL - ATTAQUE

ALARMSIGNAL - ATTAQUE

CD Aggressive Punk Produktionen 14.09.2018
  8 / 10

Weitere Informationen:
https://www.zivilkrank.de/
https://de-de.facebook.com/alarmsignal


Nun ist also auch ALARMSIGNAL volljährig geworden.

Von mir bei meinem ersten Konzert der Band als kleiner Bruder von Rasta Knast definiert, sind sie mittlerweile bekannter und ziehen mehr Publikum als die ehrwürdige Band aus Celle. Manchmal treten die beiden Bands aus Celle auch noch gemeinsam auf. An diesen Abenden kann man die Ähnlichkeit und die Unterschiede beider Bands gut vergleichen.

ALARMSIGNAL sind deutlicher in ihren Texten, nicht so abstrakt wie Rasta Knast und sie sind natürlich auch jünger. So unterscheidet sich auch das Publikum. ALARMSIGNAL war und ist eher die Einstiegsdroge in Sachen deutschsprachigen Punkrock.

Nun ist also diese Einstiegsdroge auch erwachsen geworden und legt mit “Attaque“ ein neues Album, ihr siebtes Album, vor. Das verflixte siebte Album.

Wer ALARMSIGNAL kennt hat sicherlich eine gewisse Erwartungshaltung. Diese Erwartungshaltung wird die Band durchaus gerecht. Es gibt zum Großteil das, was man von der Band kennt. Schnelle, melodische Punkrocksongs. Thematisch bewegt sich die Band auf dem sicheren Terrain des Punkrock. Zumindest fängt das Album damit an und lässt einen fast vermuten, dass die Band weder älter geworden ist noch musikalisch irgendetwas ändern möchte.

Der erste Song “Fuck You“ ist zwar ein gestreckter Mittelfinger und ein druckvolles Statement, aber mehr eben auch nicht. Das ist alles gut und ich unterschreibe auch jede Zeile davon, aber es ist auch nichts Neues.

Der zweite Song “Fertig (mit euch und eurer Welt)“ ist die logische Fortsetzung des ersten Songs des letzten Albums “Which part of Fuck off don´t you understand“. Irgendwie auch eine Milieustudie. Man zieht sich lieber zurück ins Private, in die Einsamkeit als immer gegen Windmühlen zu kämpfen. Die kleinen Siege werden mit vielen Verlusten erkämpft. Das ist in den letzten Jahren so gewesen und nachvollziehen kann ich das auch. Sollte nicht aber jetzt, gerade in Zeiten der aufstrebenden Neofaschisten der AfD und Co. die Linke zusammenrücken und gemeinsam gegen alte und neue Nazis kämpfen? Sind wir, die sich Links nennen, wirklich so zwischenmenschlich abgefuckt, das nichts mehr geht?

Es steht momentan 1:10 beim “Ich vs. Euch“. Traurig aber wahr. Lösungsvorschläge sind gerne gesehen. Ein Punkt für uns, ist ein Punkt für die Hoffnung.

Steff, Songschreiber, Basser und Sänger scheint eine Menge Resignation in sich zu haben, denn mit “Rapide Bergab“ geht es weiter in die Ausweglosigkeit. Oder sind es vielmehr die Schienen auf denen man fährt wenn man älter wird, die weniger Weichen haben, vom Entgleisen mal ganz zu schweigen. Nur, wohin geht die Fahrt?

Der erste Song der mich dann wirklich berührt hat, auch wenn er musikalisch durchaus in bekannter Alarmsignal-Manier gespielt ist, ist “Massaker von Celle“. Dazu gibt es auch ein paar erklärende Zeilen die schockieren. Und doch...was war vor kurzem in Chemnitz? Es ist damals passiert und es kann wieder passieren. Wer aus der Vergangenheit nicht lernt...

Der nächste Song lässt einen mehr als einmal aufhorchen, ist er doch musikalisch anders und sehr kritisch. Kritisch mit dem Alter und der Entwicklung von Bands, Freunden und für die Band sicher auch von Fans.

Doch zu bedauern ist es schon und es

ist nicht gerade geil

wenn Inhalte nicht mehr stattfinden

sondern nur noch Style

Der zweite Teil von “Sklaven der Langeweile“ in dem ein Zitat von Schopenhauer alles beschreibt, was es zu sagen gibt, folgt mit “Arthur´s Bekenntnis“. Den Linernotes von Steff kann ich nichts mehr hinzufügen, außer, dass ich endlich mal Schopenhauer lesen muss.

So kommt mit der Zeit auch die Sympathie zum Album. Insbesondere weil die Texte sehr stark sind. Diese helfen über die ein oder andere musikalische Langeweile hinweg, denn so richtig überraschen tut die Band nicht. Außer, und das möchte ich betonen, mit dem letzten Song “Tot ist nur, wer vergessen wird“. Ein starker, vielleicht der stärkste Song des Albums. Aus meiner Sicht hätte hier das leise und langsam gespielte Klavier gereicht.

Ein Album welches textlich überraschend düster ist und in seiner Form, so wie ich es verstehe, auch eine Art Therapie war für die Band...und vielleicht noch ist?


Geschrieben von Frank am 12.09.2018, 20:01 Uhr


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