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DIE TOTEN HOSEN - Alles aus Liebe - 40 Jahre Die Toten Hosen -

DIE TOTEN HOSEN - Alles aus Liebe - 40 Jahre Die Toten Hosen -

CD JKP 27.05.2022
  6 / 10

Weitere Informationen:
https://www.dietotenhosen.de/
https://www.facebook.com/dietotenhosen


Ich bin jetzt endlich 60 und gar nicht mehr nah dran.

Jetzt kann ich erzählen, was früher einmal war.

Statt dem Erzählen, was der Sozialarbeiter Look a Like Campino durchaus auch kann, gibt es das, was die Hosen am besten können, nämlich Musik.

Krass, 40 Jahre gibt es Die Toten Hosen schon.

Wann ging es bei mir mit den Hosen los? Das war ein Konzert in der nicht mehr existierenden Deutschlandhalle in Berlin. Danach hatten mich die Hosen für sich gewonnen und ich blieb ihnen lange treu. Unzählige Konzerte hatte ich besucht, die Musik und die Texte aufgesogen und wenn es richtig gut lief, dann traf man sich auch mal im Enzian, der nicht mehr existierenden Kneipe vom wahren Heino in Berlin-Kreuzberg.

Leider ging das nicht ewig so weiter.

Es knackte im Gebälk, dann rieselte Staub, es fielen die ersten Brocken herunter, schließlich brach das Haus zusammen. Die Gründe waren vielfältig. Die “Unsterblich“ fand ich nurmehr mäßig und das Vorgehen gegenüber den Yeti Girls aus Köln, weil sie sangen “Ich würde niemals zu den Toten Hosen gehen“ fand ich mehr als peinlich.

Austeilen aber nicht Einstecken können.

Da waren ich durch mit den fünf Düsseldorfern.

Nun steht die 40 auf der Uhr und ich beschäftige mich wieder mit der Band.

40 Jahre, 43 Songs. Das ist viel und doch zu wenig um das ganze Schaffen der Band darzulegen. Ein paar alte Klassiker sind genauso dabei wie ein paar neue Songs.

Die Songs sind nicht chronologisch sortiert, was ich mir gewünscht hätte. So könnte man die Entwicklung der Band nachhören und auch für mich, der die Band jahrelang nicht intensiv verfolgt hat, könnte zeitlich die Songs besser einsortieren.

Es gibt also aus allen Epochen Lieder, die besonders beliebt, besonders wichtig oder besonders erfolgreich waren. Das klingt nach einer riesigen Best Of und das ist es auch.

Macht Spaß beim Hören und lässt mich in Erinnerungen schwelgen.

Die neuen Songs zeigen, wie die Hosen heute sind und da muss ich wirklich sagen, auch wenn ich meine kritische Brille absetze, so richtig kickt mich das nicht mehr, aber machen wir das mal wie der Campino, der zu jedem Lied kurze Anmerkungen geschrieben hat.

3 AKKORDE FÜR EIN HALLELUJA!

Vier Fäuste für ein Hallejulia ist von Bud Spencer und Terence Hill ja schon besetzt.

Der Musiker schlägt auch eher mit Akkorden. Wobei, Hosen und Musiker? Habe ich da was verpasst? Ein Intro wie für den nächsten Italo-Western. Hier eröffnet das neue Stück die Werkschau und zeigt, die Hosen könn(t)en auch Filmmusik.

ALLE SAGEN DAS:

Ein richtig guter Punkrock-Song mit tollem Text. Geht massig nach vorne, schöne Pogonummer und zeigt, die Hosen wissen noch wie es geht.

SCHEISS WESSIS:

Das Video ist der Knaller, der Text ist auch prima. Ziemlich poppig, aber live dürfte das Ding die Stadien zum kollektiven Mitsingen bewegen. Ein Song für die Generation, die Ost und West noch erlebt hat und bei denen die Grenze immer noch im Kopf ist. Die Grenze ist aber auch ganz real z.B. sind in vielen Bereichen die Löhne für die gleiche Arbeit im Osten niedriger als im Westen. Wird sich das jemals ändern?

AMORE FELICE

Das Gitarren-Intro ist mächtig. Die Melodie typisch Hosen. Da könnten die ein Copyright drauf kriegen. Textlich etwas zu naiv, für meinen Geschmack. Da so eine Art Song schon viele Male von den Hosen geschrieben wurde, ist es nur Standard.

TEUFEL

Das Intro geht ja noch, aber was dann daraus wird, ist ein ziemlich kitschig, schmalziges Stück Musik. Muss das sein? Sind das noch die Hosen?

112

Hier sind die Düsseldorfer musikalisch endlich in den gefälligen Pop-Abgründen angekommen. Möchte gar nicht wissen, wie das im Stadion aussieht. Muss man sich wirklich, mit so einer peinlichen Nummer selber feiern?

CHAOT (IN MIR)

Hier gibt es wieder fette Gitarren und ein dickes Schlagzeugbrett. Vom Sound prima, aber auch mit diesem Song feiert sich die Band zu viel selber.

Was bleibt?

Für mich, die Bestätigung, dass ich mich von den Hosen zu einem guten Zeitpunkt getrennt habe, aber auch, dass die Hosen, wenn sie wollen, noch richtig guten Punkrock spielen können.

Mittlerweile sind sie, auch dem Alter und Erfolg angemessen, eher Stadionrocker mit der Faust in der Tasche (dieser wichtige Song fehlt mir in der Werkschau).


Geschrieben von Frank am 26.06.2022, 11:42 Uhr


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