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MATZGE (PORK PIE)
Weitere Informationen:
https://www.porkpieska.com/
https://www.facebook.com/porkpieska
https://flatdaddyrecords.com/
https://www.facebook.com/FlatDaddyRecords
Hier kommt mal ein Interview mit einem Labelchef und nicht mit einer Band.
Warum mache ich das?
Das Label PORK PIE mit seinem Sub-Label FLAT DADDY RECORDS existiert seit 37 Jahren. Was schon alleine eine Ausnahme in der Indie-Labellandschaft darstellt.
Dazu kommt noch, dass ohne PORK PIE Skamusik lange nicht so bekannt geworden wäre in Deutschland.
Labelchef Matzge hat nicht nur wichtige Pionierarbeit geleistet, sondern mit seinem stets richtigen Riecher geschafft, junge Bands zu fördern, die heute aus der Szene nicht mehr wegzudenken sind.
Außerdem ist Matzge ein sehr sympathischer offener Mensch, der immer noch auf Konzerten unterwegs ist. Seine Leidenschaft für Skamusik ist ungebrochen.
Matzge war so freundliche mir auf ein paar Fragen zu antworten und 37 Jahre PORK PIE Revue passieren zu lassen.
Geschrieben von Frank Gestern, 20:54 Uhr
F: Matthias, du hast das Label PORK PIE im Jahr 1989 gegründet. Wie kam
es zu der Gründung des Labels?
M: Es ging los mit dem ersten Skafestival in Deutschland 1989 in Berlin. Es
spielten die bis heute existierenden Skalegenden BLECHREIZ, BUTLERS, SKAOS und YEBO. Ich war ja bereits seit Ende der 70er Jahre Ska-Fan und hatte mich sehr gefreut, dass Ska Ende der 80er gerade auch in Deutschland wieder populär wurde. So lag es nahe, diese Szene mit einer Compilation deutscher Ska-Bands zu präsentieren. Das Ergebnis nannte sich SKA.. SKA.. SKANDAL! und hat sich ja bis heute als eine der erfolgreichsten Ska-Sampler-Reihen erwiesen. Bereits während der Zusammenstellung hat das so viel Spaß gemacht, dass ich beschloss, nicht nur mal einen Sampler rauszubringen, sondern gleich ein ganzes Ska-Label zu gründen. Aus den Reihen von Blechreiz und Butlers kamen auch die ikonischen Grafik-Designs für SKANDAL-Sampler und sogar für das Pork Pie Label als solches. So also kurz gefasst die Gründungsgeschichte. Das erste “One Artist“ Album CATCHTHISBEAT kam dann von SKAOS, das ich im Studio unserer u.a. durch Die Ärzte bekannten Plattenfirma Vielklang aufnahm und produzierte.
F: 37 Jahre lang Labelchef. 37 Jahre PORK PIE. Magst du ein kleines
Resümee ziehen und vielleicht die für dich wichtigsten
Veröffentlichungen erwähnen
M: Also die wirklich wichtigsten Veröffentlichungen sind wie schon gesagt die
SKANDAL-Sampler von denen es inzwischen ja sieben Ausgabe gibt und die auch in der ganzen Ska-Welt international dazu beigetragen haben, Ska aus Deutschland populär zu machen. Dass die Szene in Deutschland auch heute noch so lebhaft ist, zeigt ja die neueste Ausgabe No. 7, 35 Jahre nach dem SKA.. SKA.. SKANDAL! No. 1. Das Besondere an der SKANDAL-Reihe ist ja auch das Konzept, dass es nicht einfach nur ein „Best Of…“ Sampler ist, sondern die Bands bis dato unveröffentlichte Songs beisteuern, zumeist sogar extra dafür im Studio neu aufnehmen. Also eben nicht die sonst oftmals übliche „Resteverwertung“.
Was mich auch besonders freut, ist natürlich der Umstand, dass die Zusammenarbeit mit Bands wie SKAOS und EL BOSSO & DIE PING PONGS seit der Gründung von PORK PIE ohne Unterbrechung fortdauert und, wie auch mit DR. RING DING und vielen anderen Musikern aus dem PORK PIE - Kosmos langjährige Freundschaften gewachsen sind.
F: Du veröffentlichst in den letzten Jahren immer weniger Sachen. Woran
liegt das und merkst du von dem Vinyl-Hype der letzten Jahre etwas?
M: Also nach 37 Jahren mit so vielen tollen Bands und Veröffentlichungen finde
ich es nicht mehr ganz so einfach, diesem „Lebenswerk“ noch etwas wirklich Entscheidendes hinzu zu fügen. Mit PORK PIE habe ich ja immer versucht, auch neue Wege zu beschreiten und auch Experimente zu riskieren, EL BOSSO & DIE PING PONGS z.B. als bis heute DIE Skaband mit ddeutschen Texten, die früher ja eher verpönt waren. Das hat sich auch nicht geändert. Man sollte aber auch nicht verhehlen, dass sich das „Business“ in den letzten Jahren stark verändert hat hin zum Streaming und hin zu immer kürzer werdenden „Halbwertszeiten“ von Musik. Bei Tonträgern sinken die Verkaufszahlen seit Jahren und - insbesondere bei Vinyl - steigen seit Jahren die Kosten für die Herstellung wegen der ganzen weltweiten Krisen und dadurch entstehenden Lieferprobleme der Materialien. Vinyl hat zwar ein erstaunliches Revival hingelegt, was ja erstmal ein gutes Zeichen ist. Aber in unserem Genre ist es trotzdem sehr schwierig, etwas Geld damit zu verdienen. Ergänzend hierzu noch die Blockierung von Presswerken über Monate hinweg durch riesige Pressaufträge internationaler Künstler wie Taylor Swift, so dass es passieren kann, dass deine Veröffentlichung sich extrem verzögern kann. Kleiner Fun-Fact: es gibt Untersuchungen, nach denen die Hälfte der Vinylkäufer überhaupt keinen Plattenspieler besitzen! Insofern scheint ein Teil des Vinylhypes auch auf dem reinen Besitz eines Merchandise-Artikels zu beruhen.
F: Wie hat sich die Ska-Szene in Deutschland entwickelt seit 1989? Wie
siehst du aktuell die Ska-Szene in Deutschland?
M: Anfang der Neunziger Jahre hatten wir ja weltweit mit der Third Wave ein
riesiges Ska-Revival. In Deutschland war Ska, auch im Zusammenhang mit der SHARP Bewegung, wieder sehr populär. Die Wende verhalf dem Ska zu neuem Schwung, vor allem durch das legendäre Potsdamer Skafestival und ein paar Jährchen später mit dem inzwischen legendären THIS IS SKA Festival in Roßlau, das inzwischen Weltruhm in der Szene erlangt hat. Vieles aus dieser Zeit haben wir auch in dem Buch SKA IM TRANSIT (Anm. d. Redakteurs: Die Review des Buches ist unter dem Link https://www.ramtatta.de/s/reviews/f/details/id/8239/ abrufbar) dokumentiert, in dem viele Protagonisten aus Ost- und Westdeutschland zu Wort kommen. Aktuell haben wir eine vielleicht etwas kleinere, aber inzwischen sehr professionell funktionierende Ska-Szene verglichen mit den Neunzigern. Aber mit einigen tollen Festivals in ganz Deutschland und vielen großartigen Bands. Was ein wenig fehlt hierzulande, ist eine neue und junge Generation von Skabands wie es sie z.B. in England gibt mit Bands wie Dakka Skanks oder Death of Guitar Pop.
F: In letzter Zeit kommt ein kleines Revival alter Bands. Blechreiz spielt
mehr und in größeren Hallen / Open Airs. No Sports spielen eine große Tour in diesem Jahr und The Nö haben sich aus den Resten von No Life Lost formiert. Woran liegt das und kann das der Szene neuen Schwung geben?
M: Über die Gründe dafür kann man nur spekulieren. Die Bands haben einfach
immer noch oder wieder Bock zu spielen und das Publikum wie auch die Musiker sind in Würden etwas gealtert aber sie können’s halt einfach richtig gut. Vielleicht kann das dann doch auch junge Bands motivieren, sich für das Genre Ska zu entscheiden.
F: Die Skandal Allstars gibt es seit ein paar Jahren. Wie kam es zu der
Gründung und was bedeutet die Band dir?
M: Das ganze Ding war eine Idee der Bands und des Veranstalters vom THIS IS
SKA Festival. Es sollte eine Reminiszenz an eben diese glorreichen Zeiten des deutsche Ska sein. NO SPORTS haben sich bereit erklärt, sich als Backing-Band die großen Hits der ersten SKANDAL-Sampler draufzuschaffen und als Sänger waren dann Prüfer von BLECHREIZ, Mad Wolley von SKAOS, DR. RING DING aka Prof. Richie Senior von EL BOSSO & DIE PING PONGS, Jockel aka Joe Scholes von THE BRACES, und Ras Meyer von MOTHERS PRIDE am Start.
Ich habe das erst erfahren, als dieser legendäre Gig schon beschlossene Sache war. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, um nicht zu sagen geehrt gefühlt, und bin sehr dankbar dafür.
F: In den letzten Jahren haben sich große Teile der Gesellschaft nach rechts
orientiert. Wie gehst du damit persönlich um und sollten Ska-Bands sich noch stärker als bisher politisch positionieren und engagieren?
M: Ich möchte erst mal nicht hoffen, dass es schon GROSSE Teile der
Gesellschaft sind hier in Deutschland. Es sollte hoffentlich der bei Weitem größte Prozentsatz sein, der sich ganz klar davon abgrenzt. Aber man sieht - nicht nur wie derzeit in den USA - wie schnell so eine Stimmung wechseln und gesellschaftsfähig werden kann. Was unsere Szene anbelangt, hat rechtes Gedankengut und gerade auch Rassismus keinen Platz. Dazu hat die SHARP-Bewegung viel beigetragen und diese Haltung scheint mir seither in der Szene auch fest verankert. Viele der Bands haben ja auch explizit entsprechende Songtexte im Repertoire. Insofern glaube ich nicht, dass man sich innerhalb der Szene noch stärker positionieren muss, wo die Leute doch eigentlich genau wissen, worum es geht. Sich aber auch außerhalb der eigenen Hood politisch zu engagieren, ist immer gut. Aber das sollte jeder für sich selbst entscheiden, auch das Publikum.
F: Welche Ska-Bands kannst du wirklich jedem ans Herz legen?
M: Jeder nach seinem Geschmack. Einer ist Fan von jamaikanischem Ska und
Early Reggae, dann gab’s die 2-Tone Bewegung, Third Wave Ska und – wie nenne wir das, was es heute alles an Subgenres gibt?
Aber wenn es eine Band gibt, die wirklich alles verkörpert, was wir mit Ska verbinden, waren das wahrscheinlich THE SPECIALS. Keimzelle des rebellischen 2-Tone Ska mit politischen Statements gegen Rassismus und Rechtsradikale verbunden mit jamaikanischem Einfluss u.a. durch Posaunist Rico Rodriguez und ihrem 2-Tone Label mit der ikonischen schwarz-weißen Grafik.
F: Was würdest du Menschen auf den Weg geben, die jetzt eine Ska-Band
gründen wollen?
M: First of all. seid mutig!
Studiert gerne die alten Kings oder Godfathers of Ska. Aber versucht nicht, dasselbe zu reproduzieren, was es schon 1000 mal gibt oder genauso zu klingen wie… Probiert einen eigenen Stil zu entwickeln. Aber vor allem: habt Spaß bei dem, was ihr macht.
F: Wie sind deine Pläne für die Zukunft was PORK PIE angeht?
M: Wie schon immer auch weiterhin: die musikalischen Sahnehäubchen von der
Offbeat-Torte picken, Neues rausbringen, vor allem auch wenn’s von alten Weggefährten kommt wie z.B. aktuell von the NØ . Aber auch wieder mal ungewohnte Wege beschreiten.
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