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JACK POTT

28.02.2022

Weitere Informationen:
https://jackpott-band.de/
https://www.facebook.com/JackPottBand


JACK POTT, die einzige Punk-Band aus Bad Schwartau hat mich umgehauen. Nein, ich habe mich nicht mit den Jungs gezofft und wir haben auch nicht Bierdosen-Weitwurf gespielt. Es ist schlichtweg das, was sie auf ihrem ersten Album veröffentlicht haben. "Bomben über Disneyland" ist ein Wirkungstreffer.

Die Review zu "Bomben über Disneyland" ist hier zu lesen:

https://www.ramtatta.de/s/reviews/f/details/id/9073/

Das Debüt-Album hat mich so begeistert, dass ich nicht widerstehen konnte, der Band ein paar Fragen zu stellen.

Geschrieben von Frank am 28.02.2022, 19:47 Uhr


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JACK POTT, ihr sagt, ihr seid die einzige Punkband aus Bad Schwartau. Wie kam es zur Bandgründung und wie war die Zeit bis jetzt?

Alex, Leo und ich (Justin) machen seit 2015 zusammen Musik, kennen uns aber schon viel länger. Die ersten gemeinsamen Gehversuche starteten wir in einer Musikschule, der School of Rock Timmendorfer Strand, unter dem Namen „Breathing Punx“ als Green Day- und Blink-182-Coverband.
Unser vermehrtes Interesse für deutschsprachigen Punkrock und ein neues
Instrument in der Band (ein Synthesizer, den Alex zu Weihnachten geschenkt bekommen hat) führten Ende 2018 zu einer Umbenennung und Umorientierung der Gruppe. Seitdem treiben wir als Jack Pott mit neuem Stil, Texten und einer Menge Klamauk unser Unwesen auf den Bühnen
(und in den Ohren) dieser Bundesrepublik.
Im April letzten Jahres gab es mit unserem Nesthäkchen Jaki noch einen Wechsel am Bass. Da wir das Ganze schon eine Weile zusammen
machen, lernten wir bereits viele Licht- und Schattenseiten der Musikbranche kennen. Die Berg-und Talfahrt führte uns dabei durch ausverkauften Clubs und einzigartigen Festivalerlebnissen bis hin zu Konzerten vor zwei Leuten auf Baumarkt-Parkplätzen. Für all diese Erfahrungen sind wir
unfassbar dankbar. Nur so lernen wir, jede noch so kleine Geste wertzuschätzen und in jedem Problem eine Chance zu sehen.

Glückwunsch zum ersten Album! Das erste Album von euch hört auf den Namen "Bomben über Disneyland". Wie seid Ihr auf den Titel gekommen?

Herzlichen Dank!
Den Titel „Bomben über Disneyland“ hat Alex eines Abends irgendwo aufgeschnappt. Wir hatten bereits elf Songs aufgenommen und suchten krampfhaft nach einem übergeordneten Namen, der alle Lieder thematisch zusammenfasst. Die Texte des Albums gehen, wie auch unsere erste EP
„Adoleszenzgeschichten“, hauptsächlich in die Richtung Adoleszenz mit all ihren Problemen und Reizen.
Die Metapher „Bomben über Disneyland“ bot dabei eine geeignete Brücke zwischen den verschiedenen Facetten dieser ereignisreichen Lebensphase. Eine Bombe auf das Altbewährte, Kindliche - danach der Wiederaufbau einer neuen Identität. Führt man sich diese Bildlichkeit vor Augen, kann sich dort sicherlich jeder wiederfinden. Dem Albumtitel widmeten wir dann noch
einen eigenen Song, der die Platte eröffnet.

Beim Hören eures Albums fällt mir die sehr gute Produktion und die auf den Punkt gespielten Songs auf. Wie war die Zeit im Studio?
Wie lange seid Ihr im Studio gewesen?

Die sehr gute Produktion verdanken wir dem lieben Nils Enners vom Northroad Recordingstudio, für den wir auch liebend gern nach Breidenbach ins Hessischen Hinterland gefahren sind.
Schon bei unserer ersten Zusammenkunft im September 2020 merkten wir, dass es zwischen uns gefunkt hat und wir dort unser Album aufnehmen wollen. Die Zeit in Breidenbach war wie Urlaub oder eine aus den Fugen geratene Klassenfahrt. Der Kreativität war wirklich keine Grenzen
gesetzt, die Experimentierfreude wurde ad absurdum getrieben. Wir konnten auf diesem Album tun und lassen, was wir wollten, da man keinerlei Erwartungen an uns hatte und die nörgelige Punkerpolizei uns in Breidenbach zum Glück nicht finden konnte.
„Gibt’s nicht“ gab’s nicht. In drei separaten Aufnahme-Sessions á vier bis fünf Tage zimmerten wir in minutiöser Kleinarbeit elf Songs zusammen. „So Indie“ und „Du machst den Punk kaputt“ stammen noch aus vergangenen
Aufnahmen in Hamburg und wurden grob überarbeitet.

"Urlaub auf dem Balkon" ist der dritte Song auf eurem Album.
Welche Verbindung habt
Ihr zu Rostock und dem Balkon dort?

Das Grundgerüst des Songs habe ich (Justin) auf meinem Balkon in Rostock Lütten Klein geschrieben, als Leo und ich noch dort zusammen in einer WG gewohnt haben. Wir sind fürs Studium dort hingezogen.
Während der Pandemie haben wir dort viel Zeit mit Freunden verbracht,
auch wenn der Strand nur zehn Minuten Zugfahrt entfernt liegt.
Dieser Balkon war Dreh- und Angelpunkt sozialen Lebens in Rostock.

Bei "Urlaub auf dem Balkon" besingt ihr die hohen Preise am Ostseestrand. Ihr wohnt ja nicht weit von der Ostsee weg.
Wie sind die Preise bei euch?


Das ist einer der Gründe, warum sich unsere Besuche in die ausgebeuteten Touristen-Hotspots mit ihrer High Society (wie in Scharbeutz oder Timmendorfer Strand) auf ein Minimum beschränken.
Diese Sylt-ähnlichen Verhältnisse sind echt nicht tragbar. Bei uns zählt die
Bezeichnung „Küstenkind“ als spöttische Beleidigung. Da verweilen wir lieber in der Tristesse Bad Schwartauer Einöde, wo die Welt noch in Ordnung ist.

 Ihr habt den Song "So Indie" als Single ausgekoppelt. Warum habt Ihr euch für den Song entschieden? Was habt Ihr gegen Indie?

„So Indie“ ist einer der ältesten Songs in unserem Repertoire und wurde daher auch unzählige Male live erprobt. Er erwies sich bei unseren Konzerten immer wieder als gewaltiger Stimmungsmacher, den man schon nach dem ersten Hören ganz einfach mitgrölen kann. Zudem ist er musikalisch gesehen der Jack Pott-typischste Song auf dem Album. Die Kirsche auf dem
Eisbecher kreierte uns dann noch die Poppunk-Legende Zirkel mit einem Feature, wodurch das Lied nochmal so richtig an Fahrt aufnahm. Es war also eine sichere Sache, dass dieser Song als erstes Lebenszeichen an die Öffentlichkeit gelangen musste.
Wir persönlich haben nichts gegen Indie. Ganz im Gegenteil.
Der Song handelt von einer Band, die unbedingt einen Welthit schreiben
möchte, dessen Resultate jedoch von der kritischen Masse als „radiountauglich“ oder „zu speziell“, also abwertend als „Indie“ abgestempelt werden. Dieses musikalische Pamphlet richtet sich also gegen den Mainstreampop der Forster-Giesinger-Fraktion.

Im Song "Du machst den Punk kaputt" besingt Ihr eine Person aus Ostdeutschland.
Gibt es diese Person die Ihr besingt?
Wie sind eure Erfahrungen in Ostdeutschland
gewesen?

„Du machst den Punk kaputt“ wird aus der Perspektive vieler Punkbands und -Fans gesungen, die uns erklären wollen, wie das „Punksein“ funktioniert.
So sammelten wir alle fragwürdigen Bemerkungen und Kommentare der letzten Jahre zusammen und haben daraus einen sarkastischen Song geschrieben, ganz nach dem Motto:
„Bullen = Nazis,
Ostdeutsche = Nazis,
Rammstein = Nazis,
keine löchrigen Hosen = Spießer usw.“
Insgesamt sollte man den Song aber nicht zu ernst nehmen. Niemand macht den Punk kaputt, höchstens er sich selbst.
Was unsere Erfahrungen in Ostdeutschland angeht: Überall auf der Welt gibt es Idioten, aber auch viele korrekte und nette Menschen.
Dort mehr, dort weniger. Ostdeutschland mit seinen Bürgerinnen
und Bürgern als einheitliches Gebilde zu betrachten, wäre zu einfach, zumal es starke regionale Unterschiede zwischen Großstädten und der Provinz gibt.

Ist Ostdeutschland und Westdeutschland für euch ein Thema?

Nein, überhaupt nicht.
Das sollen die älteren Generationen unter sich ausmachen.
Die deutsche Teilung liegt Jahrzehnte hinter uns, von der wir nicht eine Sekunde mitbekommen haben.
Egal ob Kiel, Lübeck oder Rostock: Wir kommen alle aus dem Norden.
„Der Osten“ ist für uns ein abstrakter Begriff aus den Geschichtsbüchern und Erzählungen.

09 ) Der kürzeste und vom Stil her auch der punkigste Song ist "Bundeswehr". Wie kam es zu dem Song?
Spielen da eigene Erfahrungen mit rein?
Ist die Trennung von der Freundin
legitim, wenn Sie zur Bundeswehr geht?

Dieses Lied sollte auch wieder mit einer gehörigen Menge Humor genossen werden. Natürlich ist es wichtig und richtig die Bundeswehr zu kritisieren, vor allem wegen rechter Strukturen, die erwiesenermaßen keine Einzelfälle darstellen. Aber keineswegs wollen wir Menschen verurteilen
oder ausgrenzen, die bei der Bundeswehr sind.
Der Song erzählt eine (sehr kurze) fiktive Geschichte, die aus einem reinen Gedankenspiel entstanden ist. Eine „Entstehungsgeschichte“
mit einem Hintergrund gibt es hier nicht wirklich. Wenn wir den Song live spielen, widmen wir ihn immer der ehemaligen Verteidigungsministerin AKK.

10 ) Was bedeutet euch Punk?

Musikalisch gesehen ist Punk für uns die Quelle allen Lebens.
Es ist unvorstellbar, wo wir als Band oder Privatpersonen heute wären, hätten wir in unserer Kindheit nicht den Punk für uns entdeckt.
Ohne Bands wie die Ärzte, die Abstürzenden Brieftauben oder WIZO hätten wir nie angefangen, zusammen in einer Band zu spielen.
Zum Punk als Subkultur und Bewegung hatten wir aber nie einen wirklichen Zugang. Wahrscheinlich sind wir dafür zu spießig und uncool.
Ich (Justin) habe mir mal die Haare rot gefärbt, das wars.
Teenage Riot im Reihenhaus.

Eure Record-Release-Party spielt ihr in Lübeck im Treibsand.
Was habt Ihr für den
Abend geplant auch im Bezug zu den noch vorhandenen Einschränkungen?

Bisher steht unser Konzert im Treibsand, was die Lockerungen der Corona-Maßnahmen angeht, unter einem sehr guten Stern. Unklar ist derzeit noch (Stand 25.02.), ob es auch während der Veranstaltung eine Maskenpflicht geben wird.
Wir hoffen einfach, dass wir die Show im gewohnten Ambiente - also ohne Schnutenpullis - spielen können.
Unser geplantes Bühnenprogramm wird wie gewohnt sehr bunt ausfallen:
Es werden Songs vom neuen Album gespielt, wir packen ein paar alte Klassiker aus unserem Klang-Fundus aus und haben auch ein
paar interessante Überraschungen geplant.
Auch optisch können sich Besucherinnen und Besucher des Konzerts auf einiges gefasst machen:
Es hat sich mittlerweile landesweit herumgesprochen, dass wir ausgesprochen gut tanzen können. Das werden wir sicherlich unter
Beweis stellen.
Ihr könnt euch sicher sein, dass es eine explosive Rockshow mit allem Pipapo geben wird, die ihresgleichen sucht und vor der selbst Rammstein ganz bleich und ehrfürchtig werden.
Als Support haben wir die Band One Tape dabei, unsere lieben Freunde aus dem Sauerland. Sie werden das Treibsand ordentlich einheizen, so ist es ausgemacht.
Nach der Livemusik beginnt die eigentliche Party, von der wir hoffen, dass wir sie alle unbeschadet überstehen werden.

12 ) Wie sind eure weiteren Pläne für dieses Jahr?

An erster Stelle sind wir natürlich hungrig auf viele viele Konzerte in jedem Winkel dieses Landes.
Wir erhoffen uns dabei eine stetig wachsende Zuhörerschaft, so dass wir zukünftig gut besuchte Konzerte im ganzen deutschsprachigen Raum spielen können.
Zudem hoffen wir, dass wir uns in den nächsten anstrengenden Monaten und Jahren trotzdem alle noch lieb haben werden und dass das Feuer in unserem Herzen nie aufhört zu brennen.

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