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DRITTE WAHL

04.01.2024

Weitere Informationen:
https://drittewahl.de/
https://www.facebook.com/drittewahl


DRITTE WAHL haben am 15.12.2023 ihr neues Album "Urlaub in der Bredouille" veröffentlicht. Ein Werk welches sie auf ihrer Tour rund um den Jahreswechsel ausgiebig vorgestellt haben.
"Urlaub in der Bredouille" ist ein Album was den rockigieren Weg der Band weiterführt und textlich wieder perfekt die Zustände beschreibt.
Gunnar (Sänger & Gitarrist und Gründungsmitglied) von DRITTE WAHL war so freundlich mir ein paar Fragen zu beantworten.

Die Review zum neuen Album von DRITTE WAHL ist hier zu lesen:

https://www.ramtatta.de/s/reviews/f/details/id/9957/

Geschrieben von Frank am 11.01.2024, 19:42 Uhr


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F: "Urlaub in Breddoullie" umfasst zehn Songs, davon sind neun Songs neu.
    Mir kommt das relativ wenig vor, für ein Album von DRITTE WAHL. Hat sich
    etwas geändert beim Songwriting? Fehlen Ideen?

G: Ich glaube die Zeit der Alben mit 16 oder 18 Songs ist irgendwie vorbei.
     Heute wird ja viel gestreamt und da kann man an den Zahlen recht deutlich
     sehen dass viele nach 4 oder 5 Songs auf einen anderen Künstler oder ein
     anderes Album umschalten, wenn nicht eh „nur“ Playlisten laufen.
     Manche Songs gehen da leider unter.
     Außerdem finde ich es immer besser wenn ich nach dem letzten Song    
     eines Albums denke “Ach, ein Lied hätten sie noch spielen können“ als  
     wenn es einem schon zwei Songs vor dem Ende reicht und man sich
     wünscht dass man nun endlich ein anderes Album vielleicht sogar von
    einer anderen Band hören kann. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir
    nur diese 10 Songs so fertig bekommen haben, dass wir der Meinung
    waren sie veröffentlichen zu können. Alle anderen „Baustellen“ waren noch
    nicht soweit.

F: Ich finde viele eurer Songs haben neben Ironie auch eine große Portion
Sarkasmus und Zynismus, wie z.B. "Urlaub in der Bredoullie", "Das regelt der
Markt" oder "Fabelhafte Voraussetzung". Ist das euer Art mit den Umständen
in denen wir Leben umzugehen?

G: Ja, irgendwie braucht man heute eine gesunde Portion Galgenhumor um
     die Welt zu ertragen. Ich hab oft das Gefühl in einem schlechten Film zu
     sitzen. Da hilft Sarkasmus zumindest ab und an.

F: Stilistisch habt Ihr euch meiner Meinung nach vom Punkrock etwas entfernt.
Gerade "Urlaub in der Bredoullie" finde ich rockiger als z.B. "3D", "10" oder
auch "Geblitzdingst". War das eine bewusste Entscheidung?

G: Nein, wir nehmen die Songs so wie sie kommen. Das haben wir schon
     immer so gemacht. Wir hören so viel und so unterschiedliche Musik und
     wir verbieten uns das „Fremdgehen" nicht. 

F: Auf dem neuen Album ist "Wir schießen die Milliardäre ins All" ein Song mit
     einer schönen Vision. Wenn die ganzen reichen Menschen weg wären,
     würde  sich die Welt dann verbessern?
     Sind die jüngeren Generationen besser?

G: Ich denke nicht. Dann kommen wahrscheinlich die Nächsten, die gerne
     etwas mehr vom Braten abhaben wollen. Ich wollte mit dem Song nur
     nochmal eben auf die ungleiche Verteilung des Geldes auf der Welt  
     hinweisen. Die Einen fliegen just for fun ins All und geben dafür
     Millionenbeträge aus und andere wissen nicht wovon sie am nächsten Tag
     das Essen bezahlen sollen. Das prangere ich an!

F: Eure Songs, nicht nur auf dem aktuellen Album, handeln oft von Reisen
    oder persönlichem Ausbrechen aus den Verhältnissen. Was würdet Ihr
    gerne machen? Was sind euer Träume?

G: Das ist eine gute Frage. Ich lebe ja eigentlich den Traum, den ich immer
     hatte. Und trotzdem ist da so eine Sehnsucht nach was Anderem die ab
     und zu mal durchkommt. Ich glaube das haben alle Menschen in sich, mal
     mehr, mal weniger ausgeprägt. Einen speziellen Herzenswunsch habe ich
     ehrlich gesagt nicht.

F: Das Konzert in der Columbiahalle in Berlin war ziemlich gut, da habt Ihr mit
    "Radio" vom Album "Strahlen" auch einen alten und selten gespielten Song
    auf der Setliste gehabt. Wie entsteht die Setliste? Welche Kriterien setzt Ihr
    da an?

G: Es wird immer schwieriger eine Setliste zu erstellen mit der wirklich alle
     zufrieden sind.
     Mit jedem Album kommen noch neue Songs dazu. Einpaar Lieder müssen
     wir spielen, weil viele Leute die hören wollen wenn sie zu uns zum Konzert
     kommen. Und dann wollen wir natürlich auch Lieder von der neuen Platte
     spielen. Da bleibt oft wenig Platz für selten gespielte Songs.
      Dieses Mal war es so, dass ich bei Facebook und Instagram gefragt habe
     welcher Track auf der Setliste für die Tour nicht fehlen darf und da kam
     tatsächlich ein paar mal „Radio“ und ich dachte „Ja, eine gute Idee den
    Song wieder rauszuholen“.

F: Früher hattet Ihr wenig Ansagen, in den letzten Jahren ist das mehr und
    mehr  geworden. Wie kam es zu der Veränderung?

G: Ich weiß auch nicht wie das passieren konnte...
     Im Ernst, Ansagen kann man ja nur machen wenn einem was einfällt und
     wenn man Spaß daran findet den Leuten was zu erzählen. Beides ist in
     den letzten Jahren mehr geworden. Manchmal müssen mich meine
     Kollegen schon ausbremsen.

F: Viele Bands singen von fairen Arbeitsbedingungen und auskömmlicher
    Bezahlung, dabei ist dann aber das Merchandise oft aus konventioneller
    Baumwolle ohne Fairtrade-Standard. Wie ist das bei euch?
   Achtet Ihr auf so etwas?

G: Ja, wir achten darauf und versuchen soweit es geht fairen Merchandise
     anzubieten.

F: 35 Jahre Dritte Wahl, was bedeutet die Band für euch, insbesondere für die
    Gründungsmitglieder Krel und Gunnar?

G: Das ist irgendwie ein völlig abstrakter Zeitraum. Wenn mir 1988 jemand
    erzählt hätte dass wir 35 Jahre später immer noch als DRITTE WAHL durch
    die Lande fahren, hätte ich das wahrscheinlich nicht geglaubt. Ich bin schon
    etwas stolz darauf, dass wir es so lange miteinander ausgehalten haben
    und es ja immer noch tun. Momentan habe ich noch großen Spaß an der
    Band und an der Musik.
    Ich denke wir werden noch eine Weile weitermachen.

F: Ihr habt vor eurer Tour zwei kleine Konzerte in Berlin im Schokoladen und
    der  Supamolly gespielt. Wie wichtig sind euch diese kleinen, für die Fans
    sehr besonderen Konzerte? Wie seht Ihr eure Verbindung zur Subkultur?

G: Wir versuchen immer mal wieder in kleineren Locations zu spielen.
     Das macht immer großen Spaß, ist intensiv und heiß. Ab und zu brauchen
     wir das.
     Ich persönlich sehe uns immer noch als Teil der Subkultur, auch wenn wir
     heute etwas bekannter sind als vor 20 oder 30 Jahren. Aber das liegt, wie
     so vieles, im Auge des Betrachters.

F: Gunnar, du bist musikalisch in den letzten Jahren sehr umtriebig gewesen,
     sei es mit der Band "Universum 25" oder diversen Gastauftritten. Reicht dir
     Dritte Wahl nicht mehr aus? Möchtest du etwas bestimmtes erreichen?

G: Ich hab einfach viel Spaß am Musik machen. Mit UNIVERSUM25 kann ich
     mal was anderes ausprobieren und mit anderen Leuten
     zusammenarbeiten. Ich hab ja vorher 30 Jahre lang „nur" mit DRITTE
     WAHL musiziert und es ist cool mal zu schauen wie andere ans
     Songwriting usw. gehen. Für mich ist das eine große Bereicherung.
     DRITTE WAHL bleibt aber mein Lieblingskind.

F: Was wünschen sich Dritte Wahl für die Zukunft, für das Jahr 2024?

G: Ich wünsche mir für uns als Band ein lautes, fröhliches und weitgehend
     gesundes und für die Welt ein hoffentlich etwas friedlicheres und
     saubereres Jahr 2024.
     Und ich wünsche natürlich dir und allen LeserInnen ein schönes Jahr
     2024! Macht was draus!

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