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Linkin Park - Living Things

Linkin Park - Living Things

CD Warner Bros. Records 22.06.2012
  2 / 10

Weitere Informationen:
http://www.linkinpark.de/


Ich erinnere mich nur ungerne an den Tag zurück, an dem mich ein Freund auf das „coole und neue Album von Linkin Park“ aufmerksam gemacht hat. Eine Zeit voller Schmerz, Enttäuschung und Unverständnis flutete mein Leben und ließ mich verzweifeln.
Jetzt kommt der fiese Teil der Geschichte: „Hey, ich habe ein cooles und neues Album von Linkin Park für dich!“. Angstschweiß macht sich breit und ich beginne panisch einen Fluchtplan zu erstellen, doch es war zu spät: „Linkin Park – Living Things“ war auf meinem Rechner und ich durfte noch einmal ran an die Arbeit…großartig! Ich erwarte eine neue Zeit von Schmerz, Enttäuschung und Unverständnis. Warum hasst mich dieser Mensch so?

Nachdem ich den Vorgänger „A Thousand Suns“ verbal vernichtet und zu den gedanklichen Akten gelegt habe, bin ich doch sehr überrascht darüber, wie viel weniger scheisse ich dieses Album hier finde. Wie kommt es dazu? Und warum nur „weniger scheisse“? Wäre es etwa möglich, dass sich die Jungs aus Los Angeles mein Review durchgelesen haben und beschlossen: „Jetzt machen wir ihm zur Abwechslung mal eine Freude“?
Naja, so ist es nicht ganz. Aber lest selbst:

LP haben ihre neue Linie keinesfalls aufgegeben. Das heißt, dass weiterhin poppiges Rumgedudel vorhanden ist, was leider ebenfalls mit irgendwelchem Elektroschrott untermalt wird. Der Klang dieser Band klingt also weiterhin derart steril, dass man, sofern man diese Reinheit auf den hauseigenen Fußboden übertragen würde, vom Teppich essen könnte. Linkin Park klingen brav, angepasst und möglichst wenig nach dem, was sie einmal ausgemacht und beliebt gemacht hat. Die Instrumente sind den Tastentippern gewichen (welche sogar die unten besprochenen "Positiv-Punkte kaputt machen), die Aggressivität dem Gesang und die Energie der Lethargie. Es scheint, als lege man plötzlich sehr viel wert darauf, dass man möglichst viele Auftritte bei MTV, VIVA oder anderen Sendern ergattert, um die vor Schmerz schnaufende Geldkuh noch weiter zu melken.
Natürlich denkt mal an dieser Stelle völlig zu Recht, dass ich mir die Mühe also hätte sparen und mein altes Review noch einmal hätte einfügen können. Hätte ich tatsächlich, aber ich habe tatsächlich ein paar positive Sachen gefunden…
Als erstes natürlich: Chester ist wieder (merklich) da! Auch wenn sein Gebrülle und Geschrei nicht mehr die Intensität besitzt, wie beispielsweise in „Hybrid Theory“, so tut es doch ganz gut, wenn man ein bisschen Räudigkeit zwischen all dem Weichspülzeugs wieder findet und sich (mit viel Arbeit) an die älteren Zeiten zurückerinnert.
Zweitens: Es gibt an einigen (aber nicht vielen!) Stellen wieder ein paar vernünftige Rap-Einlagen, die sogar ganz gut ins Ohr gehen. Damit erfüllen sie zumindest wieder halbwegs den Crossover-Status, den ein paar Radikal-Fans immer noch künstlich aufrecht erhalten wollen.
Drittens: Das Lied “Victimized“. Auch wenn es die ersten Sekunden sehr schrottig und extrem abstoßend (weil poppig) klingt, entwickelt das Lied eine verflucht gute Eigendynamik. Denn nach wenigen Augenblicken beginnt „Linkin Park“ endlich wieder durchzuscheinen.  Es wird gebrüllt, gerappt und es wurden die mittlerweile verstaubten Instrumente wieder ausgepackt. Schön! Leider ist das Lied nur 1:46 Minuten lang, von daher ist der Spaß schnell wieder vorbei…

Ist es das? Der magische Augenblick, der einen begreiflich macht, dass Besserung in Sicht ist? Der so ersehnte positive Wendepunkt einer Band, die einen solchen mehr als nötig hätte?
Wünschenswert wäre es!  Denn zwischen meinen Positiv-Punkten gibt es immer noch genug Material, was mich in „A Thousand Suns“ gestört hat. Das Ziel ist also noch nicht erreicht.
Wenn die Band aber in dem Tempo so weiter macht, könnten wir nach ca. 5 neuen Alben vielleicht wieder einen Silberling erwarten, der dem Namen „Linkin Park“ wieder würdig werden würde.


Bis dahin erfreuen sich höchstens Freunde der Popkultur an der Scheibe. Anhänger des alten Linkin Park-Stils passen entweder ihren Musikgeschmack neu an oder warten weiterhin gespannt auf das, was in Zukunft geschehen wird.
Ich für meinen Teil gebe dem guten Willen und den positiven Überraschungen einen Punkt oben drauf, aber für mehr reicht es wahrlich nicht.


Geschrieben von ChaosZx2 am 10.07.2012, 00:00 Uhr


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