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Fat Mike & Friends - Home Street Home
Weitere Informationen:
http://www.fatwreck.com/band/index/122
Musicals sind ein so essentieller Bestandteil amerikanischer Unterhaltungskultur wie wenig anderes. Wer also schon immer genervt war, wenn in Disney-Filmen die Figuren plötzlich ohne erkennbaren Grund anfingen zu singen und zu tanzen, kann hier gleich aufhören zu lesen, denn der Bassist und Sänger von NOFX, Fat Mike, hat sich an genau dieses Genre gewagt und eine Rockoper in Punk-Moll verfasst.
Das Musical ist die Kür des Komponisten, weil dabei wesentlich mehr innerer Zusammenhalt und ein erzählerischer Spannungsbogen gefragt sind als bei einem zweiminütigen Brecher. Aus dem vorliegenden Soundtrack zu dem Bühnenstück, das dieser Tag in San Francisco aufgeführt wird, lässt sich ungefähr die zugrunde liegende Erzählungen von „Home Street Home“ erkennen: Eine Gruppe von Teenagern flieht in die Obdachlosigkeit, um den unerträglichen Problemen im jeweiligen Elternhaus zu entkommen. Sexueller Missbrauch, Trunksucht und Gewalt werden gleichzeitig mit der Einführung der Charaktere thematisiert, um ihre Motivation verständlich zu machen. Das ist auch gleich ein Schlag in die Magengrube, denn die schrecklichen Dinge, die den Jugendlichen zustoßen, stehen im Kontrast zu der fröhlichen und melodischen Darreichungsform. Die besteht aus überwiegend softem Punkrock der Marke Fat Wreck Chords, mit dynamischen Arrangements aus Gitarrenmusik mit Piano, Banjo und was man sonst noch von den diversen involvierten Musikern kennt. Die Musik dient mehr der Geschichte, als dass sie für sich allein stünde. Schon um die Texte verständlich werden zu lassen, hat Fat Mike auf seine üblichen 200 bpm verzichtet. Lieder schreiben kann er allemal, und es sind ergo keine schlechten Stücke auf der Platte. Die Höhepunkte sind aber eher rar, sie finden sich für mich vor allem bei den Auftritten der jungen „Suicide“, die einerseits am Rand des Selbstmordes ist, andererseits aus ihrer neuen Rolle als Mutter Kraft schöpft. Die spaßigen unter den Liedern sind wiederum meistens über Rauschmittel, Sex und besondere Spielarten desselben (Chili Dog, anyone?). Auch wenn diese für sich genommen unterhaltsam sind, frage ich mich, wie in dem Bühnenstück, wo es um reichlich traumatisierte Menschen geht, Prostitution und Drogensucht behandelt werden. Hoffentlich sensibel, denn zu glorifizieren gibt es da nichts.
Auch ohne das dazugehörige Theaterstück ist Fat Mikes Versuch gelungen, eine andere Form von Musik zu machen. Trotzdem fehlt mir das gewisse etwas, das bestimmte Lieder aus Musicals herausragen lässt. Ich finde kein „Trust in me“, kein „Tonight“, kein „Science Fiction Double Feature“. Kein „Joe's Garage“! Mit seiner Hauptband hat sich Fat Mike eine stilistische Nische selbst eingerichtet, bei dem Versuch, ein fremdes Feld zu beackern, reicht er nicht an die Größen der Zunft heran. Eine schöne Abwechslung ist es aber dennoch geworden.
Geschrieben von King Kraut am 15.02.2015, 22:58 Uhr
Medien
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