Design wechseln

Start » Reviews » Tulus - Olm Og Bitter

Tulus - Olm Og Bitter

Tulus - Olm Og Bitter

CD Tabu Recordings 13.04.2012
  6 / 10

Weitere Informationen:
http://www.myspace.com/tulusofficial


Das Leben ist manchmal wirklich schön. Man hat Feierabend, ein freies Wochenende und kann sich genüsslich in seinen Stuhl, Sessel oder seine mühsam zusammen gesoffene Bierkistensammlung hinein sacken lassen, um all seine Probleme zu vergessen. Zusätzlich freut man sich auf neues Material einer seltsamen Band, die einen noch seltsamer klingenden Albumtitel auserkoren hat, die eher nach einer Antwort der Frage „Und, wie schmeckt unser selbst gebrannter Schnaps?“ klingt, als nach einem musikalischen Meisterwerk. Aber gut, seit dem Bestehen vieler selbstironischer Irokesenträger mit dem Hang zur unkontrollierbaren Lautstärkeregelung gab es auch unter seltsamen Albumnamen einige Punkrock-Perlen, die es zu entdecken lohnte. Mal sehen, ob „Tulus“ mit „Olm Og Bitter“ auch dazugehören…

Auch wenn „Tulus“ eher nach einer Krankheit klingen, als nach einer Band, so haben sie doch einen teilweise ziemlich positiven Effekt auf mich gehabt, was mich, ehrlich gesagt, ziemlich überrascht hat. Die Musik erinnert eher an skandinavischen Metal (und irgendwie ein bisschen an „In Extremo“), der teilweise auch ziemlich erfolgreich mit der Rotzigkeit des Punkrocks kombiniert wurde. Die Instrumente bieten einen netten (aber nicht wirklich abwechslungsreichen) Wechsel zwischen harten und eher langsameren Passagen und Hau-So-Schnell-Drauf-Wie-Du-Kannst –Momenten. Saiten-, sowie Schlaginstrumente sind an und für sich ziemlich stimmig (besonders der Bass unternimmt manchmal eine melodische Reise und wirkt oft auch sehr gut platziert) und passen auch gut zum Stil der Band, haben aber dennoch eine ziemlich große Abnutzungserscheinung, die sich auf lange Sicht sogar zum Nervtöter entwickelt.
Für die bereits genannte „Rotzigkeit“ – und somit auch für den Großteil der Sympathie, die die Band auf mich ausübt – sorgt der Sänger, der sich weder mit den Tiefen des sog. „Growlings“ (Brüllen) oder „Screamings“ (Schreien) abgibt, sondern konsequent seine Linie streng einhält. Das verleiht der Band natürlich ihre eigene Note, wodurch sie auch ihren eigenen Wiedererkennungswert bekommen…das kann sowohl positiv, als auch negativ sein. In dem Falle handelt es sich um einen positiven Wiedererkennungswert. Besonders, wenn die teilweise sehr schön klingenden Gitarrenriffs atmosphärisch mit reinspielen. Hurra!

Weniger „Hurra“-Behaftet ist jedoch die bereits angerissene Monotonie. Wenn die Instrumente nicht gerade ziemlich gut oder sehr passend zum Gesang klingen, könnte man meinen, dass das Album aus der einen und derselben Tonspur besteht. Besonders die „Hau-So-Schnell-…“-Stellen nerven nach ein paar Songs (oder spätestens nach dem zweiten Durchlauf der CD, der nach ungefähr einer halben Stunde ziemlich schnell eintreten kann) richtig und lassen einen automatisch Richtung „Stop“-Taste schielen. Ich kann dieses ewige und übertrieben schnelle Schlagzeug-Gekloppe nicht wirklich ab, weshalb die Band bei mir leider sehr schnell an ihre Grenzen stößt.
Wenn sich jemand jedoch nichts Schöneres vorstellen kann, als sich von sehr schnellen Rhythmen und ebenso schnellen Instrumenten mitreißen zu lassen, der konnte sich von den Hörproben vielleicht überzeugen lassen. Der Rest hört kurz hin, denkt „Olm Og Bitter“ und geht weiter seiner Wege.


Geschrieben von ChaosZx2 am 20.04.2012, 00:00 Uhr


Teilen:                    

Kommentieren



Weitere interessante Reviews

RONG KONG KOMA - SMILE

Da fängt das Gitarrenspiel so leise an, dass ich fast dachte, meine Anlage wäre kaputt oder auch meine Ohren oder beides. Kaum, dass ich mich an den leisen Klang gewöhnt hatte, am entspannen...

Weiterlesen

Kreator - Krushers Of The World

Wie die Zeit vergeht. Schon wieder 4 Jahre her, dass ich KREATORs Hate Über Alles besprechen durfte. Die alten Herren hauen aber fleißig Alben neue Alben raus . Krushers of the World ...

Weiterlesen

Braunkohlebagger - Angstapparat

Was kann man von einem Album erwarten, dass auf den Namen “Angstapparat“ hört? Was kann man von einer Band erwarten die sich BRAUNKOHELBAGGER genannt hat? Fünf Männer haben nach ihrer...

Weiterlesen

BERLIN 2.0 - KALTENTAL

“Vergesst alles, was Ihr dachtet, über Postpunk zu wissen - BERLIN 2.0 zünden die Endstufe in der Punk-Evolution“. Das sagt der Informationszettel ,was den Schreiber über das zwei Album...

Weiterlesen

DEATH BY HORSE - LIMINAL STATE

DEATH BY HORSE hatten 2019 das Album “Reality hits hard“ über das Label Twisted Chords veröffentlicht. Ein Label was für interessante Musik steht. Genau das boten DEATH BY HORSE auf diesem...

Weiterlesen

THEILEN - niederbrennen weitermachen (LP / Stream)

Gut das es heutzutage noch junge kreative Punkrockbands gibt, die ihr eigenes Ding machen und auf den Mainstream scheißen… So wie es Fritz Theilen gemacht hat, der seinem HJ-Jungzugführer in...

Weiterlesen