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Mo Asumang - Mo und die Arier


„Die Kugel ist für dich, Mo Asumang“. Mir dieser Textzeile aus einem Lied der Neonazi Band „White Aryan Rebels“ begann die Suche der Monika Asumang, ihres Zeichens Tochter einer deutschen Mutter und eines Ghanaers, nach den Gründen des rassistischen Denkens. Dabei nähert sich die schwarze Moderatorin, Schauspielerin und Filmemacherin langsam den immer abstruser anmutenden Mitgliedern einer Szene an, die so ungerne in der Öffentlichkeit Auskunft über ihre wahren Denkmuster gibt.

Das Buch ist in 19 Kapitel unterteilt, in denen Mo zunächst auf den unbekannten Nazi trifft, der seine Meinung noch zu verstecken versucht, sie als dunkelhäutige Frau, Hormone seien dank, sich sogar als Partnerin vorstellen könnten. Später findet man sie bei bekannten Vertretern der Szene, auf Nazi-Demos, aber auch in die Ferne schweift sie zum Ku-Klux-Klan und zu den „echten“ Ariern im Iran, die mit dem faschistischen Gedankengut allerdings so überhaupt nichts am Hut haben.

Sicherlich finden sich gute Ansätze, die Thematik passt perfekt in die heutige Zeit, in der dumpfer Nationalismus wieder en vogue ist. Leider kann sich die Autorin nicht so recht entschließen, was sie genau schreiben möchte. Lieber ein Sachbuch über die Hintergründe faschistischen Denkens oder doch eine ausführliche Beschreibung der Gefühle einer Betroffenen aggressiver Nazi-Hetze. Da beschreibt sie Seitenlang, mit welchen Ängsten sie zu einer Demonstration „der guten Deutschen“ geht, was alles passieren könnte und im Endeffekt steht sie lediglich gedankenverloren am Rand, bis der ganze Spuk irgendwann ohne weitere Vorkommnisse vorüber ist. Zitat: „Komisch, die Nazis um mich herum sagen gar nichts zu mir. Ich hatte Anbrüllen erwartet. Jetzt, wo sie hier im Pulk stehen, zu Tausenden. Da können sie sich doch trauen. Ich bin nur eine. Aber nichts passiert. Hm? Ich stehe hier. Ich gucke. Ich drehe meinen Körper nach rechts und links. Ich setze einen Fuß vor den anderen. Ich möchte rufen: Hallo, da bin ich, euer Feindbild. Hallo! Ich bin 1,76 m groß. Ich habe Löckchen. Meine Hautfarbe ist braun.“

Auch der Zweck ihrer Reise zu den echten Ariern erschließt sich nicht so recht. Dass diese mit dem Nazi-Gesocks so viel am Hut haben wie eine Nacktschnecke mit der Pariser Frühlingsmode 2016 ist schnell geklärt. Dennoch wird lange über die Landschaft philosophiert, um schließlich ein paar unbeteiligten Einwohnern flugs ein paar Fotos von Nazis unter die Nase zu halten. Das mag passen für einen Reisebericht, zum Thema trägt dies allerdings so gar nichts bei.

Da das Buch keinen Anspruch darauf erhebt, große Literaturkunst zu sein, mag mancher kein Problem damit haben, mich jedoch hat der Schreibstil („ein Babyface mit Nordfront-Sticker vorne drauf gafft rum“) von Mo Asumang teils ziemlich genervt. Sehr gerne beginnen ihre Sätze mit „ich sag“, „ich hab“ oder „ich denk mir“. Häufig werden Kurz-Sätze im Stile der Bildzeitung verwendet, dann ergehen sich aber wieder wahre Komma Schlachten über den Leser. Beispiel gefällig?
"Ich hatte mir vorgestellt, dass jeder Raum, an dem ich vorbeigehe, gefüllt ist mit Leuten, deren Lebensaufgabe es ist, die Nazis zu demontieren.„
„Als zwei Kämpferinnen aus unterschiedlichen Generationen, die ganz verschieden an das Nazi-Ding rangehen, schonen wir uns nie, das Leben ist zu kurz, um das Ziel aus den Augen zu verlieren, und so hole ich das Naziheftchen heraus, das mir mein Antifa-Informant zugeschoben hat.“
Und dann wäre da noch das bergig-flache Land...
„Ein halbes Jahrhundert später fahre auch ich hunderte Kilometer durch weites, flaches Land. Kilometerlange Berge, rechts und links.“

Gut, über die sprachlichen Mängel könnte man tatsächlich hinweg sehen, würde nur der Inhalt passen. Da mich dieser so sehr gelangweilt hat, verwendete ich meine Zeit dann doch lieber auf die Suche nach sprachlichen Kuriositäten. Das Buch insgesamt kann man lesen, insbesondere wenn man sich noch überhaupt nicht mit den verqueren Ansichten des rechten Randes unserer Gesellschaft beschäftigt hat. Ein großer Wissensverlust wäre es aber auch nicht, dieses im Regal des Buchhändlers stehen zu lassen.

Geschrieben von aaaaaprvdgrwwelt am 23.04.2016, 13:37 Uhr


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