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TERRORGRUPPE - JENSEITS VON GUT UND BÖSE

TERRORGRUPPE - JENSEITS VON GUT UND BÖSE

CD Aggropop / Destiny Records 26.06.2020
  5 / 10

Weitere Informationen:
http://www.terrorgruppe.com/homepage
https://de-de.facebook.com/Terrorgruppe


Heute gibt es ein gemeinsames Review, da Frank und King Kraut beide die Band TERROGRUPPE mögen und schon seit den 90ern gern hören. Da wir uns ohnehin gern privat über den Output der Band unterhalten, wollen wir ein Destillat aus diesem Meinungsaustausch für dieses Review zusammenbringen. Das hier ist also ein sehr subjektives Review von zwei Fans (weil: FANzine), denen die Musik der TERRORGRUPPE ein Soundtrack in wichtigen Lebensabschnitten war. Abweichungen in Eurem eigenen Konsumerlebnis sind also zu erwarten.

Die TERRORGRUPPE hat jetzt beschlossen, sich den (Redewendung gewordenen) Titel von einem Buch Friedrich Nietzsches für ihre eigene Platte zu leihen. Das Buch legt übrigens dar, wie der Aufstieg des Christentums aus einer unterlegenen Position gelang, nämlich durch "Umwertung aller Werte".

Verheißungsvolle Bezugnahme? Verwegene Messlatte? Was ist zu erwarten?

Hier könnte man auch direkt ansetzen und den Bezug zur TERRORGRUPPE suchen, die mit dem letzten Album "Tiergarten" bereits den bekannten Weg, den sie 1993 - 2003 gegangen ist, verlassen hat oder zumindest abgeschweift ist. Auf den Punkt gebrachter melodischer Punkrock ist zwar noch die Basis, die sich jedoch teilweise nur noch in den Texten und nicht mehr in der Musik wiedergefunden hat. Hat sich die Band mit Ihrer neuen Veröffentlichung, mit dem lila Album “Jenseits von Gut und Böse“ in diese Richtung weiter entwickelt oder ist "Tiergarten" nur als Eskapade, als ein Album anzusehen auf dem ausprobiert wurde?

Dieses Album soll erklärtermaßen auch das Ende von Konzerten bzw. Tourneen der Terrorgruppe markieren. Die Band hat in den 90ern, wo bekanntlich ein großflächiges Punk-Revival stattfand, den deutschen Punkrock auf eine sehr eigene und gewitzte Art mit belebt. Mitte der Nuller Jahre war dann aber kreativ die Luft raus. Nach 10 Jahren Pause und diversen anderen Projekten der beteiligten Musiker hat sich die Terrorgruppe in erweiterter Besetzung (neuer Drummer und ganz neu, ein Orgelspieler) zusammengefunden und sowohl Konzerte als auch neue Veröffentlichungen raus gehauen. Stilistisch ist seitdem eine deutliche Änderung zu bemerken. Vor allem der Punkrock-Anteil klingt stärker als zuvor nach frühem 70s-Punkrock statt wie zuvor mit amerikanischem Vollgas-Skatepunk oder Pop-Punk zu liebäugeln.

Jedoch ist es beileibe keine Entwicklung zu einem purerem Punkrock. Es wurde vielmehr das Tempo herausgenommen um vielleicht dem Alter der Bandmitglieder gerecht zu werden oder aber der Orgel genügend Platz in den Songs einzuräumen. Insgesamt ist nicht nur der Platz für die Orgel größer geworden sondern auch für weitere Soundeffekte aus dem großen Korb der elektronischen Möglichkeiten. Ein Mittel was viele Bands aus dem Punkbereich nutzen. Als Positiv-Beispiel sei hier Dritte Wahl genannt. Die Punkrocksongs (Ja, Dritte Wahl sind noch Punkrock) werden vom Keyboard nur unterstützt und geben den Songs mehr Tiefe, mehr Emotionen ohne dabei das Keyboard zu dominant werden zu lassen.

Hören wir uns das neue Album mal an und gehen dieses Song für Song durch.


01 ) Suizidoption (Prolog)

Ein paar dramatische Tastentöne vom Klavier und dann ein aufbauender Keyboardbogen für die Spannung und dann...ja und dann wird es verwirrend.
"Du kannst dich auch einfach nur umbringen" singt MC Motherfucker. Klar auf den Punkt gebracht! Bringt man sich um ist es für einen selber vorbei. Das ist gut für die Umwelt, was natürlich stimmt. Den erstens sind wir schon viel zu viele Menschen auf diesem Planeten und zweitens beuten wir die Erde viel zu sehr aus. Ja, wir zerstören unseren eigenen Lebensraum. Eine Art Grundsatzkritik an der Menschheit?
Das Intro ist schön gesungen und erzeugt Stimmung. Textlich sind eindeutig zu viele "Oh Oho" dabei.
Was soll das sein?
Zumindest verwirrend beim Hören und by the way...so einen Song kennen wir von WIZO, nur sind diese um Längen besser

02 ) Sinnlose Beleidigungsstrategien gegen Fabelwesen

Eine musikalische Punkrocknummer mit einem Text der irgendwo zwischen Dadadismus, Kinder-Kacka-Sprache und gewollter Provokation hin und her tendiert. Hätte man mehr draus machen können. Die im Lied zu hörenden Tröten sind anstrengend um es mal freundlich zu formulieren. Der Gag vom Text ist unoriginell und schon bei Jesus Skins oder NOFX besser verarbeitet worden.
Davon abgesehen, Religion ist zwar Grütze, aber da hat die Terrorgruppe selbst schon mal mehr Zielsicherheit bewiesen. Der "Katholiken-Ska" von der "15 Punkcerealien"-Platte oder die "Schäfleinliebe" von der "Melodien für Milliarden"-Platte haben zu dem Thema eigentlich schon das Wichtigste gesagt

3 ) ADHS
Endlich eine richtig treibende, schnelle Punkrocknummer die man von der TERRORGRUPPE so auch erwartet hätte. Coole Pogo-Nummer, die rundum passt. Nebenbei auch noch etwas Kritik dabei. Die Behandlung von ADHS mit Tabletten behandelt nur die Symptome., Nebenwirkungen können sich zeigen und im schlimmsten Fall macht der Pharma-Cocktail abhängig. Also weg mit dem Zeug und ab ins Leben. ADHS, die Volkskrankheit der letzten Jahre. Stellen wir die Menschen ruhig, damit sie nicht auffallen und produktiv verwertbar sind, aber ich will nicht stur auf meinen Schreibtisch gucken...
Trotzdem: Ist das Thema "ADHS und das Bombardement mit Medikamenten nicht irgendwie 80er? Spätestens in den 90ern hat es jedenfalls in Deutschland eine kritische Debatte um den übertriebenen Einsatz von Ritalin gegeben, der aber vor allem in den USA ein Problem war. Der Einsatz von sedierenden Medikamenten in Deutschland wird inzwischen kritischer und differenzierter betrachtet. Also insgesamt: Guter Punkrock, nur thematisch spät dran

04 ) Der Trottel (Oi, Oi, Oi)

Textlich kann ich hier durchaus eine Kritik feststellen. Die Kritik an dem "alles soll so bleiben wie es ist" und zwar für immer. Außerdem weiß man selber alles besser. Man ist quasi eine eigene Welt für sich, man dreht sich um sich selbst, denn in dieser Welt fühle ich mich wohl. Ist tatsächlich alles gut so wie es ist? Muss Veränderung tatsächlich immer sein? Große Fragen, die die TERRORGRUPPE in einem etwas...nun ja, speziellen Refrain und noch speziellerer Musik verpackt hat.
Kein Punk, keine subkulturelle Musik.
Sphärisch-verträumter, radiotauglichem Indie-Sound mit einem schönen Klavier.
Ist in der Gesangszeile “Konsequenz nicht scheu“ ein Autotune zu hören? Toll!
Wer der besungene Trottel ist? Keine Ahnung

05 ) Fettes betrunkenes dummes Schwein

Endlich wieder der Punkrock-Sound den man von der TERRORGRUPPE kennt. Da ist sie wieder, die alte Band die wir in unserer späten Jugend so geliebt haben.
Alt und weiß und faul und asozial. Ich hab ein Recht, so zu sein.
Das denken tatsächlich viele Menschen, vornehmlich weiße Menschen. Ich hab ein Recht scheiße zu sein. Ob das nun auf Malle ist oder in der Dorfdisko, in der Fußgängerzone oder im eigenen Garten. Ich darf scheiße sein, weil ich es kann und will. Gute Kritik an dem Verhalten von uns, von jedem einzelnen von uns.
Der Titel ist vielleicht etwas zu direkt, aber textlich sehr ordentlich und auch intelligent geäußerte Menschheitskritik. Bis hierhin der beste Song des Albums.
Toller Ohrwurm.
Man kann es aber auch anders sehen, nämlich: Will sich die TERRORGRUPPE dem in linksliberalen Medien beliebten Bashing weißer Männer anschließen? Das stellt in seiner verkürzten Form kein kritisches Denken dar, sondern einfach, dass man sich von bestimmten linken Gruppen vor seinen Karren spannen lässt. Wieder ein Fall von: Das hat die TERRORGRUPPE schon mal viel besser hingekriegt.
Die Musik hingegen ist hier eindeutig ein Höhepunkt.
Hier mal zwei kontroverse Meinungen, die den geneigtem Hörer zu denken geben soll

06 ) Lastwagenfahrer
...Jeder muss Karriere machen, keiner macht mehr schöne Sachen, nur Vollgas, drängeln, lenken und mit Ellenbogen denken...
So ist sie unsere Gesellschaft. So ist der Kapitalismus, an dem wir immer noch festhängen, obwohl wir es besser wissen.
Der Widerspruch zwischen Wissen und Tun.
Warum man dann allerdings auf Lastwagenfahrern rumhackt, die nicht gerade zu den Karrieremenschen gehören, sondern zu den schlecht bezahlten Menschen, die ihr Wochenende auf zweifelhaften Autobahnraststätten verbringen müssen. Arme Schweine, die auch gerade so überleben können. Der LKW als Metapher der Karrieremenschen?
Die LKW-Analogie ist insgesamt schwach und nur versucht witzig. Verwirrend was uns da die Kreuzberger Punkrocker textlich servieren.
Das Video dazu ist noch verwirrender, aber das ist nicht das Thema hier.
Immerhin musikalisch eine ordentliche, fetzige, schnelle Pogo-Nummer

07 ) Ein Führer wird komme

Die Angst besteht, dass ein Führer kommt und all das wieder kommt, was wir schon mal hatten. Trump und Putin sind da die besten Beispiele. Was können wir dagegen tun? Die TERRORGRUPPE stellt nur fest und sie hat damit wahrscheinlich nicht ganz unrecht, wobei es gut wäre, wenn sie unrecht hätte.
Das Ganze kommt in einem Sound für den eine Showtreppe gebaut wurde.
Schön poppig, dazu Tanz, auf der Bühne von Frauen und Männern mit lustigen Bewegungen. Schlimmer Text, verpackt in einer zuckersüßen Melodie und nettem Refrain. Als dann alles so vor sich hinläuft redet Sänger Archi, MC Motherfucker, dazwischen. Das klingt wieder einmal gezwungen witzig. Eine halbgare Komposition, bei der der Text mehrmals wiederholt wird um den Song noch etwas in die Länge zu ziehen, weil er eigentlich nur aus einer handvoll Zeilen besteht.
Immerhin, thematisch noch ein Punkt abgehakt auf der Punk-Themenliste

08 ) Männers

Mann-Sein ist kein Verbrechen, Männer sind auch Menschen!
Von welcher verwirrten Position singt die Band hier? Ein Loblied auf die Männer? Lasst uns Männer lieben, lasst uns Männer sein?! Im Kontext zu Song 04 ) und 05 ) macht das keinen Sinn. Was genau ist die Zielrichtung des Songs?
Weiße alte Männer böse, aber Männer sind halt Männer. Was soll das heißen? Frauen sind Frauen? So ist das. Und? Was soll das sein?
Wer die TERRORGRUPPE kennt vermutet Sarkasmus. Ich spüre Ironie, aber nicht in der Klasse, die man von der Band kennt. Ein Song, der problemlos augenzwinkernd von bärtigen betrunkenen Männern mitgegrölt werden kann.
Auf Malle und in der Dorfdisko kann der Song genauso gut laufen, wie "Männer sind Schweine" von Die Ärzte seinerzeit. Nur, hatten Die Ärzte da mehr Qualität.
Liebe TERRORGRUPPE, was soll das?

09 ) Alexandra

TERRORGRUPPE mit Erziehungstips! Statt "Sozialer Misserfolg" nun praktische Hilfe wie man sein Kind erziehen sollte. Es soll Liebe bekommen und sein Gemüse essen. Sonst wird das Kind wie Alexandra. Eine gescheiterte Existenz, mit der man jedoch gut und gerne Sex haben kann. Wenn die Alexandra dann zu viel nervt, ab in die geschlossene Anstalt. Ausgenutzt und weggesperrt, es klingt so, als wäre das nicht verkehrt. Mit "Sabine" war das vor Jahren noch eine richtige Punkrocknummer. Alexandra ist gehässiger.
Alexandra ist irgendwas zwischen Sozialarbeiter-Rock und Musik für die Selbsthilfegruppe.
Früher hätte es diesen Sound bei der TERRORGRUPPE nicht gegeben.

10 ) Alt+Delete

Was für eine verpasste Gelegenheit, den Song "Strg+alt+delete" zu nennen.
Geht in Rente und bleibt da und gebt noch euren Führerschein mit ab
Ihr seht nix mehr, Ihr hört nix mehr, eure Synapsen machen langsam schlapp.
Die TERRORGRUPPE beschreibt wie die alten Menschen sind, die uns regieren. Thematisch dünnes Eis, Terrorgruppe, ihr Herren mittleren Alters…
Das angesprochene Problem ist real (Beispiel Klimaschutz, Beispiel Brexit), was aber nicht bedeutet, dass mit einem niedrigen Altersdurchschnitt automatisch eine bessere Politik kommt. Zur Erinnerung: Die Nationalsozialisten waren eine junge Bewegung.

11 ) Nestle (oder weiß hier jemand, wie man dieses Scheiß-Häckchen übers e macht?)

Etwas zu einfach gestrickter Text.
Konsumkritik ist gut, aber was hier dabei rauskommt ist ja wirklich nichts neues.
Bitte schreibt jetzt nicht noch einen Song, der kritisiert, dass schon im Oktober Schokoladenweihnachtsmänner im Supermarkt stehen
Die Musik ist übrigens ok, aber der Song bleibt nicht hängen. Da hätte man mehr draus machen können. Früher hätte das die Band auch geschafft. Aber immerhin, ein Punkrock-Song mit einer wichtigen und richtigen Message!
Und einer (wichtigen?!) Frage: Broilers, gibt es die noch?
Und eine Antwort auf eure Frage: Ihr Tastatur-Legastheniker: Schaut doch mal oben rechts auf eurer Tastatur nach. Bitte, gern geschehen.

12 ) Easy Jet

Geiles Synth-Intro. Coole Stimmung, leicht düster. Und endlich ein Text, der mehr als nur ein Wegwerf-Gag ist!
Die Ich-Perspektive im Text ist bemerkenswert, weil sie in dem Zusammenhang nicht ironisch wirkt und damit nachdenklich macht.

Bitte zusammen mit "Schöner Strand" bei der Urlaubsplanung hören.

Warum der Song allerdings eher in Richtung Elektro-Stampf-Pop geht und es keine schnittige, schnelle Punkrock-Nummer geworden ist, weiß wohl nur die Band.

13 ) Krieg ist super

Ironie mit dem Dampfhammer! Die neue Methode der Texteschreiber.
Verfehlt seine Wirkung nie...oder doch?
Man merkt, dass Mc Motherfucker ein bisschen Berührung mit Hip Hop hatte. Der Refrain ist leider vom Feeling etwas "tri tra trullala" und nimmt die Aggression raus. Trotzdem einer der besseren Songs. Der Songs bringt musikalisch etwas Neues!

14 ) Zusammenstehen

Passend zur aktuellen Zeit diese Zeilen:
Zusammenstehen, wir Irren, wir müssen zusammenstehen.
Zusammenstehen und nach vorne sehen
Und was sehen wir dort? Traurigkeit? Nichts? Hoffnungslosigkeit?
Wer ist wirklich Irre? Der Patient oder der Arzt?
Ein Song für diese Zeiten, klingt erst mal gut aber dann bleibt einem das Lachen im Halse stecken.
Zum Abschluss des Albums gibt es noch einmal einen schönen Pogo-Punksong.

Elendes Social Distancing. Wann wird es wohl wieder möglich sein, auf Konzerten abzugehen?

Dann gibt es noch folgende Bonus-Songs:

Alles wird gut
Atomschlag gegen Klimawandel
Langweilig
Gesundes Volksempfinden

Die Songs wollen wir nicht unter den Tisch kehren, aber da nicht jeder diese Songs zum Hören hat, wollen wir ihnen auch nicht übermäßig Platz einräumen, nur sozusagen als kurze Essenz, die folgenden Zeilen:

"Alles wird gut":
Endlich mal wieder ein Terrorgruppe-Lovesong. Das ist eine eher unbekannte Stärke der Band. Ein bisschen unsichere positive Aussicht: Liebe gegen Depression und Versumpfen. Und alles ist gut (...vielleicht). Wir mögen die simplen Beziehungssongs der TERROGRUPPE ohne doppelten Boden und Spott.

"Atomschlag gegen Klimawandel":Interessante These, Atomschlag um den Klimawandel, den man nicht verursacht hat (oder doch?), zu stoppen? Naives Denken, dass uns doch jeden Tag nervt. Musikalisch sehr gefälliger Punkrock der Spaß macht, aber textlich....

Klare B-Seite.


"Langweilig":
Alles was ich mach, mach ich, damit mir nicht so langweilig ist.
Ja, diese Aussage stimmt wohl. Noch besser wäre was zu machen was nicht langweilig ist. Da hat der Mc Motherfucker ein paar Ideen.
Damit es etwas provoziert kommt auch Sex im Text vor.
Musikalisch angenehmer Punkrock ohne Ecken und Kanten.

Anders gesagt: Langweilig.


"Gesundes Volksempfinden":
Klingen die ersten Takte nicht nach "Fettes, betrunkenes, dummes Schwein"?
Viel besser ist das gesunde Volksempfinden nicht. Jeder der nicht zu uns passt oder böse war, muss sterben und sei die Verfehlung noch so klein. Durch die Hintertür wird hier Kritik am Ruf der Masse nach dem starken Mann geäußert. Sehen wir es mal so, durch die Blume kommt die Kritik und bevor man noch länger darüber nachdenkt...wird der Song langsam leiser und ist vorbei.

Der Song hallt im Hinterkopf nach, wodurch er sich als allerletzter Song gut macht.


Nun kommt das Fazit von uns.

Als erstes FRANK:

Zusammengefasst ist das lila Album der Terrorgruppe ein Dokument, was ein Abschied sein sollte. Ein Abschied von der großen, bekannten TERRORGRUPPE. Eine Band die mich und viele anderen jahrelang begleitet hat. Eine Band die mir jahrelang Kraft und Mut gegeben hat. Eine Band die Punkrock war.
Die Band hat sich weiterentwickelt, das ist klar zu hören. Eine Entwicklung die in eine Richtung geht, die ich nicht mehr mit der mir bekannten TERRORGRUPPE verbinden will. Eine Band die noch viele Songs aufnehmen und veröffentlichen kann, aber bitte gebt der Sache einen neuen Namen.
Die TERRORGRUPPE hat es nicht verdient so unter zu gehen.

Als zweites KING KRAUT:

An dieser Stelle gehen unsere Bewertungen vielleicht ein bisschen auseinander. Ich bin zwar nicht im entferntesten so positiv angestachelt von der Musik, wie ich es in meinen Teenager-Jahren war, aber das war ich eigentlich schon seit ca. 2000 nicht mehr. Besonders seit dem Comeback hat mich wirklich jede veröffentlichte Musik der Terrorgruppe kalt gelassen. Es wird nie mehr so geil, wie in der ersten Nacht, um mal die Band Die Elenden zu zitieren. Jener Zauber kommt nicht wieder.

Ich habe mich an die Bemerkung von Zip Schlitzer erinnert (https://www.ramtatta.de/s/interviews/f/details/id/6930/), wonach viele Hörer sich viel auf Texte und wenig auf die Musik fokussieren, wenn es deutsche Texte sind. Das haben wir hier auch gemacht, und warum ist das so? Ich denke, Texte auf deutsch lassen sich inhaltlich nicht so leicht ignorieren wie z.B. englische Texte. Daher kann man mit einem mäßigen deutschen Text leider leicht einen guten Song ruinieren, und das ist auf dieser Platte an manchen Stellen mit versuchter Komik geschehen. Und wenn wiederum ein Text einen eher unspektakulären Song tragen soll, dann fordert das wirklich einen starken Inhalt oder einen Sänger, der den ganzen Rest der Band in den Schatten stellt - das gibt es nicht oft. Das ist schade, denn mir ist aufgefallen, dass eine Handvoll Songs (Fettes betrunkenes dummes Schwein, Zusammenstehen, Alles wird gut) mir permanent im Kopf herumschwirren. Es steckt gutes Songwritig darin, die Band hat es spielerisch drauf. Es werden seit jeher neue Ideen ausprobiert. Anstelle sich selbst zu kopieren, spielen diese Punks nun also den Stil, auf den sie Bock haben, und zumindest das verdient Anerkennung. Überwiegend ist es nur leider nicht ein Stil, der mich reizt, und auch nicht nah an dem, was mich mitgerissen hat, wenn ich früher einer neuen Platte der Terrorgruppe entgegengefiebert habe.

Ob die Band noch einmal ihre Stärken so entfalten kann, wie früher, weiß ich nicht. Auf jeden Fall würde es anders klingen als vorher, und vielleicht finde ich dazu auch einmal besser den Zugang. Bis dahin wird "Melodien für Milliarden" noch ein paarmal heraus gekramt werden, wenn ich in der Stimmung für TERRORGRUPPE bin.


Geschrieben von Frank am 11.08.2020, 21:59 Uhr


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