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BROILERS - PURO AMOR

BROILERS - PURO AMOR

CD Skull & Palms Recordings 23.04.2021
  7 / 10

Weitere Informationen:
https://www.broilers.de/
https://www.facebook.com/broilers


1994 gründeten sich die BROILERS aus Düsseldorf.

Als kleine Oi-Punk-Band war die Gruppe zu der Zeit vielleicht am ehesten wegen ihrem Namen bekannt, der der Begriff für Brathähnchen ist und in den östlichen Gefilden immer noch zum Sprachgebrauch gehört. Der Name war gut gewählt und die ersten Veröffentlichungen brachten den Düsseldorfern einiges an Aufmerksamkeit. Die Fans der ersten Stunde sprechen heute noch mit glühenden Augen von den ersten beiden Veröffentlichungen “Fackeln im Sturm“ und “Verlierer sehen anders aus“.

Das Publikum bestand in den ersten Jahren größtenteils aus Punks und Skinheads. Aus meinen Erinnerungen waren die BROILERS eher eine Skinhead-Band als eine Punk-Band, aber das mag regional unterschiedlich gewesen sein.

Die Band wurde von den Fans geliebt und geachtet und spielte viel in kleinen Clubs und manchmal schnupperten sie in größere Hallen hinein. Die Fanbasis wuchs stetig.

Mit dem 2007 erschienen Album “Vanitas Recordings“ änderte sich viel für die Band. Das Album war sehr gut produziert, perfekt aufgenommen, mit Texten aus dem Herzen und Musik aus der Seele. Es war ein Meilenstein für die Band. Jetzt rückblickend war das Album der Katapult, der die Combo vom Rhein in die großen Hallen brachte.

Ich selber hatte nach der Veröffentlichung das Glück die Band im Kato (jetzt Bin Nuu) in Berlin zu sehen. Ein kleiner Club im U-Bahnhof “Schlesisches Tor“, mitten in Kreuzberg. Der Club war quasi sofort ausverkauft. Die Stimmung war gigantisch. Die Subkultur feierte die Band als gäbe es kein Morgen. Ich habe schon viel ausverkaufte Konzerte dort erlebt, aber das Konzert war noch mal anders. Heißer, krasser und sehr intensiv.

Die Band verabschiedete sich spätestens mit “Vanitas Recordings“ von ihrem alten Sound. Seit diesem Album wurde der Sound breiter, stadiontauglicher und auch wenn man das zu dieser Zeit noch gar nicht so dachte, tatsächlich massenkompatibel. Ja, man könnte auch sagen kommerzieller. Was allerdings nicht seichter wurde, waren die Texte von Sänger Sammy. Weiterhin intensiv, persönlich und mit Lebenserfahrung aus dem Herzen geschrieben. Das mag wohl auch einer der Gründe gewesen sein, weswegen die Band nie im großen Stil mit Kommerzvorwürfen zu tun hatte (zumindest so weit ich es mitbekommen habe). Die Band hat sich weiter entwickelt, mit ihr auch die Fans und wer sich nicht mehr mit den Düsseldorfern identifizieren konnte, der ging, aber ohne Groll.

Nun schreiben wir das Jahr 2021. Die Broilers veröffentlichten am 23.04.2021 das Album mit dem großen Namen “Puro Amor“ (Reine Liebe). Vierzehn Songs sind auf dem Album welches im schönen Digipack mit Booklet daherkommt. Dieses Album versucht in meinen Augen das Jetzt und Hier mit der Geschichte der Band zu verbinden. Musikalisch mag das nicht so gut gelingen, weil der Breitwand-Sound der so gut in die großen Hallen und ins Stadion passt, manchmal eben etwas zu fett ist und vielleicht auch zu glatt daherkommt. Textlich ist Sammy das aber gelungen. Das fängt schon mit dem ersten Song an, in dem die Band sich selber wie folgt bezeichnet:

Hey, wir bleiben die, die wir waren - Jugendliche von 40 Jahren

Alleine für diese Zeile liebe ich die Band. Das spricht mir so absolut aus der Seele.

Weiter geht es mit dem traurig sehnsüchtigem “Trink mich doch schön“ und wer denkt nicht bei dem Lied “Schwer verliebter Hooligan“ an den Song “Paul der Hooligan“ von der im Jahre 2002 erschienen EP “La Vida Loca“? Und die Nacht ist immer noch die einzige die weiß, wie es mir geht. Jeder von uns, der die 30 überschritten hat, kennt das mit den Erinnerungen und den Erlebnissen die einen geprägt haben, die aber bitte irgendwo abgeschlossen liegen bleiben sollten. Jeder hat seine “Dachboden-Episoden“.

BROILERS blicken aber nicht nur nach hinten und reflektieren sich, sondern blicken auch nach vorne. Dafür stehen Songs wie “Diktatur der Lerchen“, “Alles wird wieder o.k.“ und das starke “Niemand wird zurückgelassen“.

Ein Song der besondere Aufmerksamkeit verdient hat ist “Alice und Sarah“. Hier wird eine gewisse Frau gebeten, eine andere bitte abzuholen, denn rechte Brandstifter sind gefährlich. Manchmal hilft Liebe (wie Die Ärzte in “Liebe gegen Rechts“ singen), manchmal ist aber selbst die größte Liebe nicht genug, wie die Band singt:

All diese Nazischeiße,

all die Geister, die sie rief.

Das ist nicht mehr dein Mädchen,

nicht mehr die Frau, die du liebst!

“Puro Amor“ besticht vor allem durch die tollen, manchmal sogar richtig lyrischen Texte von Sänger Sammy. Das ganze Album wird getragen von diesen Texten. Ohne diese Texte wäre die Band nur halb so gut. So verzeiht man bis zu einem gewissen Grad auch den Sound der definitiv für´s Stadion gemacht ist.


Geschrieben von Frank am 01.05.2021, 18:33 Uhr


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