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MISSSTAND - I CAN´T RELAX IN HINTERLAND

MISSSTAND - I CAN´T RELAX IN HINTERLAND

CD Aggressive Punk Produktionen 01.09.2017
  8 / 10

Weitere Informationen:
https://www.facebook.com/missstand


MISSSTAND bringen mit “I can´t relax in Hinterland“ ein neues Album auf den Markt. Und für alle die die Band noch nicht kennen, wie auch meine Person, gibt es das bisherige Album “Die netten Jahre sind vorbei“ mit obendrauf. So kann sich auch der Kenner der Band das zweite Album bequem zulegen (offiziell ist es ausverkauft) und bekommt zusätzlich noch das neue Album dazu. Also quasi zwei Alben zum Preis von einem Album. Das ist doch was!
MISSSTAND kommen aus Klagenfurt in Österreich. Somit aus einem fast exotischem Land. Aus Österreich findet wenig Punkrock den Weg in das nördliche Nachbarland. Da aber Musik aus Österreich momentan einigermaßen im Trend ist und entsprechend im Radio gespielt wird, passt es, dass man dem Trio eine Chance gibt, auch in unseren Breiten bekannter zu werden.
Was beim Hören sofort auffällt ist, dass es sich hier um eine ziemlich fette Produktion handelt. Zweistimmiger Gesang, treibendes Schlagzeug, ein paar Chöre, Refrains zum Mitsingen und eingängige Melodien. Die Band gibt auf den dreizehn Stücken ordentlich Gas. Damit, und an den Stil der Songs erinnern sie stark an Fahnenflucht. Textlich und von den Aussagen her, geht es ebenfalls Richtung Fahnenflucht aber auch ZSK kommen in den Sinn. Insoweit machen MISSSTAND nichts wirklich Neues.
Beim mehrmaligen Hören geht die Musik zwar gut rein aber irgendwie bleibt wenig hängen. Das liegt nicht an den Texten sondern eher daran, dass die Musik vom Tempo und den Melodien doch recht gleichförmig ist. Das was die Jungs machen, machen sie gut und live wird das sicher krachen, aber ein wenig mehr Abwechslung im Tempo, den Melodien und vom Stil her, würde der Platte gut tun. Dann würden die Texte auch mehr Wirkung haben. Die Band hat was zu sagen! Da ist es schade, dass die Texte teilweise etwas untergehen, denn mit Zitaten wie:
...Ich will kein Stück vom Kuchen, ich will die ganze Industrie
...Und irgendwie bin ich dann schon fasziniert,
ihr habt das Wirtschaftsstudium auf YouTube absolviert.
Deshalb glaubt ihr, ihr habt kapiert, wer von all dem Elend profitiert.
Und Spiegel Online gibt euch recht, wenn ihr von irgendwelchen Halbwahrheiten sprecht
...Ein Drittel Uniform, zwei Drittel Minderwertigkeitskomplex,
bei jedem ACAB sofort heulen aus Reflex
Beim Song “Konfrontation“ singt Thomas von FAHNENFLUCHT im Duett mit Manni von MISSTAND. Es fällt kaum auf, so ähnlich ist der Song einem Song von FAHNENFLUCHT.
MISSSTAND zeigen mit diesem Album, dass sie ihre Punkrock-Hausaufgaben gemacht haben.

Als Bonus zu “I can´t relax in Hinterland“ gibt es das Album “Die netten Jahre sind vorbei“. Dies ist das zweite Album der Band und vor rund 3 Jahren erschienen. Man merkt, was die Basis des aktuellen Albums ist. Schneller, druckvoller Punkrock, der vielleicht noch nicht ganz so ausgefeilt ist, von den Melodien wie beim aktuellen Album, aber schon sehr kraftvoll nach vorne geht. Auch bei diesem Album sind Gäste dabei, nämlich ALARMSIGNAL und KOTZREIZ. Musikalisch passt ALARMSIGNAL gut.
Textlich sind die drei Österreicher auf diesem Album auch schon mit tollen Texten dabei.
Das kann die Band auf jeden Fall. Die Lyrics sind nur teilweise sehr schnell gesungen und kommen gerade dann, kaum gegen die Musik an. Ähnlich wie beim aktuellen Album. Es ist teilweise schon zu schnell, den der Gesang kommt manchmal kaum mit, was einigen Songs einen gehetzten Eindruck gibt. Ich mag Geschwindigkeit und Melodie. Das Zusammenspiel ist jedoch hier noch nicht perfekt. Das hat das Trio wohl auch gemerkt, denn beim aktuellen Album ist die Diskrepanz nicht so stark wie hier.
Kurz gesagt, hier gibt es 14 Songs mit sehr guten Texten, schnellem Punkrock der melodischen Sorte in guter Aufnahme. Also alles soweit prima.

Wer ALARMSIGNAL, FAHNENFLUCHT und ZSK mag, wird die Musik der drei Österreicher auch gut finden. Live sind MISSSTAND dieses Jahr noch ein paar Mal in Deutschland zu sehen, unter anderem auf dem “Aggropunk-Fest“ in Berlin (20.10.2017) und Nürnberg (21.10.17) bevor das Jahresende auf österreichischen und schweizerischen Bühnen ausklingt.



Geschrieben von Frank am 01.09.2017, 17:02 Uhr


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