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DIE SKEPTIKER - KEIN WEG ZU WEIT

DIE SKEPTIKER - KEIN WEG ZU WEIT

CD Destiny Records 26.01.2018
  9 / 10

Weitere Informationen:
https://de-de.facebook.com/DieSkeptiker/
http://www.dieskeptiker.com/


Recht ruhig ist es in den letzten Jahren um DIE SKEPTIKER gewesen.

2017 hat die Band zwar eine kleine Tour gespielt, aber so richtig im Rampenlicht der Aufmerksamkeit war die Band die letzten Jahre nicht.

Um so schöner war es, als mich im letzten Jahr die ersten Informationen erreichten, dass die Band ein neues Album aufgenommen hat.

Mit “Kein Weg zu weit“ veröffentlicht die Band am 26.01.2018 ihr neues Album.

Das zehnte und letzte Album “Aufsteh´n“ aus 2013 war ein mehr als gelungenes Werk. Vielleicht war es die beste Scheibe die DIE SKEPTIKER je gemacht haben.

“Kein Weg zu weit“ stellt schon mit dem Cover klar, dass es düsterer und härter wird. Ein verwitterter Totenkopf, Stacheldraht und Kreuze grüßen auf dem Cover.

Der Stil der Band hält, was das Cover verspricht. Die Musik ist härter, es ist mehr Punkrock als das letzte Album, mehr Underground. Man könnte fast sagen, die Band hat alles überflüssige von Bord geworfen. Purer Punkrock, direkt und schnörkellos!

Das weiß durchaus zu gefallen, jedoch ist der Break im Vergleich zu “Aufsteh´n“ sehr groß. Kann mir vorstellen, dass sich der Ein oder Andere mit diesem Album erst anfreunden muss. Auch ich gehöre dazu.

DIE SKEPTIKER können musikalisch eine Menge, das haben sie auf den vergangenen zehn Alben gezeigt, haben sich jedoch für eine schnörkellose, direkte, harte Platte entschieden. Ist sie ein Abbild unserer Welt? Verzweiflung, Wut, Perspektivlosigkeit?

Mit “Entschuldigung“ eröffnen sie das Album und haben mit diesem Song gleich ein Highlight des Albums geschaffen. Kaum eine Band hat bisher so selbstreflektierend über das Älterwerden gesungen und deren Wirkung auf Band und Fans. Hier ist, was selten auf dem Album ist, der Text mit feinem Humor durchsetzt.

“Immerfort“ ist das zweite Lied des Albums. Ein Song der einen persönlichen Schicksalsschlag verarbeitet, so klingt er zumindest. Wenn ein geliebter Mensch geht, tut es weh, es dauert das zu verarbeiten und es wird immer etwas bleiben. Die Lücke die dieser Mensch in das Leben reißt, lässt sich nie ganz ausfüllen, zu viele Erinnerungen. Ein sehr trauriger, ein ergreifender Song.

Man kann sagen, danach gibt es Politpunk a la DIE SKEPTIKER. Spätestens beim dritten Song hört man den eigenen Gesangsstil von Eugen, der sich stimmlich auf hohem Niveau befindet. Ebenso sind die Texte. Es ist dieser ganz eigene Umgang mit Worten, es ist dieser ganz eigene Gesangsstil, der diese Band besonders macht.

“Kein Weg zu weit“ ist textlich schon oft von Bands verarbeitet worden und bietet thematisch wenig Neues. Das Lied zeigt, dass sich in den letzten Jahren nichts geändert hat. Was heißt, die letzten Jahre...die letzten Jahrzehnte! Wie alt ist “Deutsche Waffen, Deutsches Geld“ von Normahl? Keine Veränderung bis heute...

Drei Songs handeln über den Ersten Weltkrieg, der fast vor 100 Jahren endete. Eine sinnlose Mordmaschine die das bis dato größte Abschlachten von Menschen im Krieg darstellte. Gaskrieg, U-Boot-Krieg, Kindersoldaten, Krüppel, Leid...und für was?

Realer geht es mit “Gegen die Wand“ dann weiter. Eine Zeile, die Generationen von jungen Menschen auf den Leib geschrieben wurde, ist hier im Refrain:

Sie wollen alles, doch sie wissen nicht was.

Ein Song der diesen schmalen Grad beschreibt, zwischen Party, Pubertät, Sehnsucht und Drogenrausch, Absturz, Realitätsverlust. Könnte auch heißen “Ode an Christiane F.“.

Kurz vor Schluss kommt mit “Ich weiß nicht“ ein Song, der mir quasi auf den Leib geschrieben wurde. Ein Song, den ich sozusagen seit meiner Geburt lebe.

Ich weiß nicht wie es geht,

and´re Leute zu mögen.

Ich weiß nicht wie es geht,

sympathisch zu sein.

Ich weiß nicht wie es geht,

Im Alltag nicht zu veröden

Der “Schlussakkord“ als letztes Stück ist ein schwerer, düsterer, depressiver Song. Tieftraurig, zurückgezogen....alleine.

Ein zu Tränen rührender Text.

Ein unheimlich starker Text.

Die elf Songs auf diesem Album bieten eine emotionale Achterbahnfahrt, handwerklich meisterhafte Texte, druckvolle, harte Punkmusik und eine charaktervolle Stimme.

Es ist eine Platte, die man sich jedoch in gewisser Erarbeiten muss.

In der Hoffnung, dass die Band mit diesem Album nicht ihren Schlussakkord spielen wird, kann ich das Album rundheraus empfehlen.


Geschrieben von Frank am 22.01.2018, 20:28 Uhr


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